Malcesine halbiert IMU für Langzeitvermietungen

Steueranreiz gegen Wohnungsnot am Gardasee

Donnerstag, 19. Februar 2026 | 07:02 Uhr

Von: luk

Malcesine – Angesichts steigender Mieten, Wohnungsmangel und zunehmendem Massentourismus setzt die Gardasee-Gemeinde Malcesine auf steuerliche Anreize: Eigentümer von Zweitwohnungen sollen künftig deutlich weniger Gemeindesteuer auf Immobilien (IMU) zahlen, wenn sie ihre Wohnungen langfristig vermieten.

Der Gemeinderat hat beschlossen, den IMU-Satz für entsprechende Mietverträge (4+4 Jahre) von 0,82 auf 0,46 Prozent zu senken. Das entspricht einer Reduktion um 44 Prozent – je nach Immobilie einer jährlichen Ersparnis von rund 250 bis 300 Euro. Ziel ist es, mehr Wohnraum für Einheimische und Beschäftigte vor Ort verfügbar zu machen.

Wohnungsnot durch Tourismusdruck

Die Maßnahme reagiert auf ein Problem, das viele Orte am Gardasee betrifft: Immer mehr Wohnungen werden als Ferienunterkünfte genutzt, während erschwinglicher Wohnraum knapp wird. Historische Ortskerne verlieren Bewohner, zugleich fällt es Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zunehmend schwer, Personal zu finden – von Lehrkräften über Krankenhaus- und Pflegepersonal bis hin zu Beschäftigten im Tourismussektor. Es ist ein Problem, das auch in Südtirol und anderen Tourismushochburgen bekannt ist.

“Es gibt kaum Wohnungen, und die vorhandenen sind zu teuer”, sagt Sozial- und Wohnungsreferentin Martina Gasparini. Viele potenzielle Arbeitskräfte lehnten Stellen ab, weil sie keine Unterkunft finden könnten.

Weitere Maßnahmen geplant

Die Steuererleichterung ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde einen einmaligen Zuschuss von bis zu 1.500 Euro eingeführt, um langfristige Mietverträge zu fördern oder zu verlängern. Gleichzeitig wurde die Kurtaxe für touristische Vermietungen von einem auf zwei Euro pro Nacht erhöht.

Zudem sucht die Verwaltung derzeit nach einer Organisation, die als Garant gegenüber Vermietern auftreten kann – etwa bei Mietstreitigkeiten oder Zahlungsausfällen. Damit sollen Bedenken von Eigentümern adressiert werden, die mit Kurzzeitvermietungen meist höhere Einnahmen erzielen, sich aber vor allem vor den Risiken langfristiger Verträge fürchten.

Parallel investiert die Gemeinde selbst in Wohnraum: In Gebäuden der ehemaligen “Colonia di Milano” entstehen derzeit drei kommunale Wohnungen, die später Bedürftigen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Die Verantwortlichen betonen jedoch, dass es sich nur um einen ersten Schritt handle. Die Maßnahmen könnten das strukturelle Problem nicht lösen, aber zumindest zur Stabilisierung des Wohnungsmarkts beitragen.

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