Hisbollah Flagge inmitten zerstörter Gebäude im Südlibanon

74 Tote in 3 Tagen – Libanon fordert US-Druck auf Israel

Montag, 11. Mai 2026 | 21:47 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Angesichts von 74 Toten innerhalb von drei Tagen durch israelische Angriffe hat der Libanon die USA aufgefordert, Druck auf Israel auszuüben. Libanons Präsident Joseph Aoun erklärte am Montag bei einem Treffen mit dem US-Botschafter Michel Issa, die israelischen Militäreinsätze sowie die Zerstörung von Häusern im Südlibanon müssten enden. US-Präsident Donald Trump hatte eigentlich am 16. April eine Feuerpause zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz und Israel verkündet.

Aouns Büro zufolge beriet er mit Issa über die dritte Runde der direkten Gespräche zwischen Vertretern der libanesischen und israelischen Regierung. Diese sollen nach Angaben des US-Außenministeriums am 14. und 15. Mai in Washington stattfinden. Die libanesische Delegation wird von dem ehemaligen Botschafter in den USA, Simon Karam, geleitet. Die libanesische Regierung ist keine Kriegspartei in dem Konflikt. Die Entscheidung der Regierung in Beirut zu direkten Kontakten mit Israel spiegelt eine tiefe Spaltung im Libanon über die Rolle der Hisbollah wider. Kritiker werfen der Miliz vor, das Land im Alleingang in einen Krieg gestürzt zu haben. Die Hisbollah fordert die Absage der Gespräche.

Vorgehen Israels im Südlibanon

Israel hat eine Sicherheitszone im Südlibanon ausgerufen und besetzt, um sich nach eigenen Angaben vor Angriffen der Hisbollah zu schützen. In der Region zerstört die Armee derzeit Dörfer. Hisbollah-Kämpfer hätten sich dort – Israels Armee zufolge – in Wohngebieten verschanzt. In der vergangenen Woche griff Israel zudem erstmals seit Ausrufung der Waffenruhe die von der Hisbollah kontrollierten südlichen Vororte Beiruts an. Dabei wurde nach israelischen Angaben der Kommandant der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan getötet. Die Miliz hat den Tod bisher nicht bestätigt.

Das israelische Militär kontrolliert derzeit Dutzende Orte im Südlibanon. Das teilte der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam mit. Vor dem jüngsten Krieg habe es lediglich fünf von Israel besetzte Orte gegeben. “Jetzt kontrolliert Israel 68 Dörfer”, bestätigte Salam der Deutschen Presse-Agentur. Dabei handle es sich um nahezu die Hälfte des Gebiets südlich des Litani-Flusses. Der Fluss liegt etwa 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Die Regierung in Beirut hat Israels Militäroperationen im Süden des Libanon wiederholt als völkerrechtswidrig und als Verletzung der eigenen Souveränität verurteilt.

Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah war am 2. März wieder aufgeflammt, als die Hisbollah zur Unterstützung der Regierung in Teheran das Feuer auf Israel eröffnete. Am 28. Februar hatten Israel und die USA den Iran angegriffen. Trump lehnte einen iranischen Vorschlag ab, der Sicherheitsgarantien für den Libanon im Gegenzug für ein Ende des umfassenderen Krieges mit den USA und die Öffnung der Straße von Hormuz vorsah. Seit Anfang März wurden nach libanesischen Angaben 2.869 Menschen getötet, darunter 584 Mediziner, Frauen und Minderjährige. Etwa 1,2 Millionen Menschen wurden im Libanon in die Flucht getrieben. Auf israelischer Seite kamen nach Regierungsangaben 17 Soldaten im Südlibanon sowie zwei Zivilisten im Norden Israels ums Leben.

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