Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Im Iran-Krieg dauert der gegenseitige Beschuss ungeachtet angekündigter Bemühungen um eine Verhandlungslösung an. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben erneut Ziele in der Stadt Isfahan und anderen Teilen des Irans an. Einwohner der Hauptstadt Teheran berichteten von Explosionen. In Israel gab es Meldungen über neue Raketenangriffe aus dem Iran, unter anderem auf Tel Aviv. Im Golfstaat Bahrain wurde ein Mensch bei iranischen Angriffen getötet.
In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv landete eine iranische Rakete mit einem mehrere hundert Kilogramm schweren Sprengkopf den Meldungen zufolge zwischen Wohnhäusern. Auch in den Küstenstädten Eilat und Ashkelon gab es Raketenalarm.
Bei einem iranischen Angriff auf den Golfstaat Bahrain ist emiratischen Angaben zufolge ein Mensch getötet worden. Der marokkanische Staatsbürger habe als ziviler Auftragnehmer für die Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate gearbeitet und sei “während eines Routineeinsatzes im Königreich Bahrain infolge eines iranischen Raketenangriffs den Märtyrertod gestorben”, erklärte das emiratische Verteidigungsministerium am Dienstag im Onlinedienst X. Fünf Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums seien zudem verletzt worden.
Pakistan steht als Gastgeber bereit
Pakistan hat sich bereit erklärt, Gespräche zwischen den USA und dem Iran auszurichten. Premierminister Shehbaz Sharif teilte auf der Plattform X mit: “Vorbehaltlich der Zustimmung der USA und des Iran ist Pakistan bereit und fühlt sich geehrt, als Gastgeber für bedeutungsvolle und abschließende Gespräche zu dienen.”
Von den USA und dem Iran gibt es derzeit widersprüchliche Angaben zu Bemühungen, die Lage zu deeskalieren: Während US-Präsident Donald Trump von “sehr guten und produktiven Gesprächen” sprach, dementiert der Iran, dass es solche überhaupt gegeben hat. Einem Medienbericht zufolge versuchen Ägypten, Pakistan und die Türkei, zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln und ein Treffen in Islamabad zu ermöglichen.
Angesichts von den USA verkündeter Gespräche mit dem Iran zeigte sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul vorsichtig optimistisch über eine Wende in dem Konflikt. “Wir haben aus meiner Sicht einen ersten Ansatzpunkt jetzt gefunden dafür, dass die beiden Konfliktparteien miteinander direkt sprechen und dass an Lösungen gearbeitet wird”, sagte der CDU-Politiker dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Diese Gespräche seien “ein zartes Pflänzchen”, bei dem sich alle bemühen sollten, “dass dieses gedeiht und wächst”.
Trump hatte Angriffe auf Energieinfrastruktur verschoben
Ursprünglich hatte Trump Teheran eine harte Frist gesetzt, bis zur Nacht auf Dienstag (MEZ) die für den internationalen Schiffsverkehr wichtige Straße von Hormuz zu öffnen – andernfalls wollte er Irans Kraftwerke zerstören lassen. Den dann verschob Trump die angedrohten Angriffe und begründete dies mit “sehr guten und produktiven Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten” in den vergangenen Tagen. Dass die iranische Seite Verhandlungen dagegen dementiert hatte, sieht Wadephul gelassen. Der Iran habe die Gespräche “im engeren Sinne” nicht bestritten, “sondern man nennt das dann indirekte Gespräche”. Dieser Dialog könnte “ein Wendepunkt in diesem Konflikt sein”, sagte der Minister.
Israel rechnet Insidern zufolge nicht damit, dass der Iran auf US-Forderungen eingeht. Trump sei zwar entschlossen, einen Deal mit dem Iran zu erzielen, sagten drei hochrangige israelische Vertreter am Dienstag. Der Iran werde sich darauf aber wohl nicht einlassen. Die US-Forderungen beträfen wahrscheinlich das Atom- und Raketenprogramm des Irans.
Die Verschiebung des Ultimatums von Trump um fünf Tage gilt einem Medienbericht zufolge explizit nur für Angriffe auf iranische Energieanlagen. Militärische Ziele, die Marine, Raketen und die Rüstungsindustrie seien von dem Stopp ausgenommen und würden somit weiter angegriffen, zitiert das Nachrichtenportal “Semafor” einen US-Regierungsvertreter.
Derweil werden nach “Wall Street Journal”-Informationen am Freitag Tausende US-Marines im Nahen Osten eintreffen. Das amphibische Angriffsschiff “USS Tripoli”, das Schiff “USS New Orleans”, das Truppen und Ausrüstung an Land bringt, und rund 2.200 Marines würden an dem Tag an das für Nahost zuständige US-Kommando übergehen, hieß es unter Berufung auf Beamte. Es werde dann noch einige Tage dauern, bis sie die Straße von Hormuz erreichten.
Irans Militärführung schloss Kompromisse und eine Kapitulation derweil kategorisch aus. “Die schlagkräftigen iranischen Streitkräfte werden die Souveränität des Landes standhaft verteidigen und diesen Weg bis zum finalen Sieg fortsetzen”, sagte der Kommandant der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, dem staatlichen Rundfunk zufolge.
Steinmeier bezeichnet Iran-Krieg als “völkerrechtswidrig”
Derweil kritisierte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg außergewöhnlich scharf – und plädierte für mehr Distanz zur US-Regierung. Der Krieg sei “ein politisch verhängnisvoller Fehler” und “ein wirklich vermeidbarer, unnötiger Krieg, wenn sein Ziel denn war, den Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen”, sagte Steinmeier in Berlin bei einer Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Wiedergründung des Auswärtigen Amtes nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Iran-Krieg sei “nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig”, ergänzte Steinmeier. Es gebe wenig Zweifel daran, dass die Begründung mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die USA nicht trage. Nie sei der Iran weiter von einer atomaren Bewaffnung entfernt gewesen als nach dem Atom-Abkommen von 2015. An dem Abkommen hatte Steinmeier als damaliger Außenminister mitgewirkt. Es war von Trump in dessen erster Amtszeit gekündigt worden.
Agentur: Energieinfrastruktur im Iran beschädigt
Im Iran sind einem Medienbericht zufolge mehrere Einrichtungen der Energieinfrastruktur bei Angriffen der USA und Israels beschädigt worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars vom Dienstag wurden unter anderem in der zweitgrößten Stadt Isfahan ein Verwaltungsgebäude und eine Gasdruckregelstation “teilweise beschädigt”. Zudem sei eine Erdgas-Pipeline im Kraftwerk Khorramshahr im Südwesten des Irans an der Grenze zum Irak attackiert worden.




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