Die Astronauten in der Raumkapsel "Orion"

“Artemis 2”-Astronauten kommen Mond am nächsten

Dienstag, 07. April 2026 | 06:00 Uhr

Von: APA/AFP/dpa

Die Crew der “Artemis 2” ist so nah am Mond vorbeigeflogen wie zu keinem anderen Zeitpunkt während ihrer Mission. Die vier Astronauten in der “Orion”-Kapsel näherten sich dem Erdtrabanten auf rund 6.545 Kilometer, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Eine Landung war bei dieser Mission nicht geplant. Zuvor hatten sich die vier Raumfahrer so weit von der Erde entfernt wie noch nie ein Mensch zuvor, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA in einem Live-Stream mitteilte.

Den bisherigen Rekord von 400.171 Kilometern Entfernung zur Erde hatte die Apollo-13-Mission im Jahr 1970 aufgestellt. Die Artemis-2-Crew sollte nach den NASA-Plänen den Mond umrunden und sich dabei 406.778 Kilometer von der Erde wegbewegen.

Keine Mondlandung

Eine Mondlandung ist auf dieser Reise allerdings nicht geplant. “Heute überschreitet ihr für die gesamte Menschheit diese Grenze”, sagte die Ingenieurin und Astronautin Jenni Gibbons im NASA-Kontrollzentrum in Houston zu den vier Raumfahrern an Bord der Orion-Kapsel.

Zur Crew gehören die US-Astronauten Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover sowie der Kanadier Jeremy Hansen. Die Astronauten entdeckten auf der Mondrückseite bisher unbekannte Krater. Einen von ihnen tauften sie “Carroll”. Sie würdigten damit die an Krebs verstorbene Ehefrau von Kommandant Wiseman.

Nach der Mondumrundung sollte die Orion-Kapsel den etwa viertägigen Rückflug zur Erde antreten. Er erfolgt über eine freie Rückkehrbahn. Dabei wird das Raumschiff allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht.

Nachricht von Verstorbenem

Die Astronauten erhielten auf ihrem Flug eine Botschaft von dem inzwischen verstorbenen US-Astronauten Jim Lovell, der an den Missionen Apollo 8 und 13 teilgenommen hatte. “Es ist ein historischer Tag, und ich weiß, wie beschäftigt ihr sein werdet, aber vergesst nicht, die Aussicht zu genießen”, sagte Lovell in der Nachricht, die er kurz vor seinem Tod im vergangenen August aufgezeichnet hatte.

Am Sonntag hatten die Astronauten den Mond aus einer Perspektive gesehen, wie sie nie zuvor ein Mensch auf den Erdtrabanten hatte. Dies berichteten die Crew-Mitglieder per Video, als ihr Raumschiff etwa zwei Drittel der Reise Richtung Mond zurückgelegt hatte.

Die NASA veröffentlichte ein Foto der Astronauten, auf dem der sogenannte Orientale-Krater des Mondes zu sehen ist. Er wird auch als “Grand Canyon” des Mondes bezeichnet. “Es ist ein ganz besonderes Kratergebiet, und bis heute hatte es tatsächlich noch kein Mensch gesehen”, sagte die US-Astronautin Koch in einer Sendung für Kinder in Kanada.

Mondkrater nach gestorbener Ehefrau benannt

Am Samstag hatten die Astronauten bereits von einem fantastischen Blick nicht nur auf den Mond, sondern auch auf die Erde berichtet. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie mehr als die halbe Strecke zum Erdtrabanten zurückgelegt.

Die vier Astronauten benannten einen zuvor namenlosen Mondkrater nach der Ehefrau ihres Kommandanten Reid Wiseman. Der Krater – ein “heller Punkt auf dem Mond” – solle von nun an Carroll-Krater heißen, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen mit tränenerstickter Stimme aus der “Orion”-Kapsel. Damit solle an die 2020 im Alter von 46 Jahren an Krebs gestorbene Ehefrau des “Artemis 2”-Kommandanten Wiseman erinnert werden.

Trump gratuliert “Artemis 2”-Astronauten

US-Präsident Donald Trump gratulierte den vier Astronauten der “Artemis 2”-Mondmission und lud sie nach ihrer Landung auf der Erde zu einem Empfang ins Weiße Haus ein. “Ich freue mich darauf, euch im Oval Office zu sehen”, sagte Trump während einer Live-Schaltung mit der Crew. “Wie ihr wisst, war ich auch ziemlich beschäftigt in letzter Zeit, aber wir werden die Zeit finden.”

Bei dieser Gelegenheit werde er sie auch um ihre Unterschriften bitten, sagte Trump weiter. Das mache er nicht oft – “aber ihr seid wirklich etwas ganz Besonderes”. Trump bezeichnete die Astronauten als “moderne Pioniere” und fragte sie mehrere Fragen – unter anderem, wie es sich angefühlt habe, eine Zeit lang planmäßig ohne die Möglichkeit der Kommunikation mit dem Kontrollzentrum hinter dem Mond unterwegs zu sein. Glover sagte: “Ich habe ein kleines Gebet gesagt, aber dann musste ich weitermachen”. Er fügte hinzu: “Wir waren hier sehr beschäftigt und es war eigentlich sehr schön.”

Die vier Astronauten sind die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) an Bord der “Orion”-Kapsel mit dem Raketensystem “Space Launch System” vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben und sollen nach etwa zehn Tagen im Pazifik wieder auf der Erde aufkommen.

Eine erneute Mondlandung strebt die NASA erst für das Jahr 2028 an. Zuletzt waren US-Astronauten 1972 mit Apollo 17 auf dem Mond gelandet. Danach wurde das kostspielige Programm eingestellt. Der Konkurrent China plant für 2030 eine Mondlandung.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen