Heimatpfleger und Dachverband warnen

„Aufweichung des Bettenstopps widerspricht zentralen Landesstrategien“

Mittwoch, 25. Februar 2026 | 11:47 Uhr

Von: mk

Bozen – Der Heimatpflegeverband Südtirol und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz sehen die geplante – auch selektive – Verlängerung des Bettenausbaus über 2026 hinaus als gravierenden Widerspruch zu zentralen Grundsatzdokumenten des Landes Südtirol wie dem Klimaplan und der Raumordnung und fordern die Landesregierung auf, am Bettenstopp als Steuerungsinstrument festzuhalten.

Die 2022 eingeführte Bettenstoppverordnung sollte eine Obergrenze für Gästebetten festlegen und der touristischen Überentwicklung klare Grenzen setzen. „Tatsächlich ist die Beherbergungskapazität seither deutlich gestiegen: von rund 235.000 Betten im September 2022 auf nahezu 268.000 Betten im Jänner 2026 – ein Zuwachs von rund 33.000 Betten. Von einem klaren Bettenstopp kann daher bisher nicht wirklich die Rede sein. Vielmehr handelte es sich um einen ‚Bettenstopp auf Raten‘“, so die beiden Umweltverbände. „Bisher hat der angekündigte Bettenstopp das Bettenwachstum sogar befeuert und damit das Gegenteil seiner ursprünglichen Zielsetzung bewirkt.“

Konflikt mit Raumordnung und Klimaplan?

Die geplante Aufweichung des Bettenstopps und die partielle Verlängerung der Frist für Hotelbauprojekte bis 2031 stehen aus Sicht der Verbände in klarem Konflikt mit zwei zentralen Grundsatzpapieren des Landes: dem Landesgesetz „Raum und Landschaft“, das einen sparsamen Umgang mit Grund und Boden als zentrales Prinzip festschreibt, sowie vor allem den Zielsetzungen des Klimaplans Südtirol 2040.

Der Bau zusätzlicher Gästebetten würde mehr Verkehrsaufkommen, steigenden Energieverbrauch, zusätzlichen Bodenverbrauch und höhere CO₂-Emissionen nach sich ziehen. „Bereits heute erreichen die Gästeankünfte rund neun Millionen pro Jahr, wobei 78 bis 84 Prozent der Gäste mit dem privaten Pkw anreisen. Eine weitere Ausweitung der Bettenkapazität würde diese Entwicklung verstärken und zentrale klimapolitische Zielsetzungen unterlaufen“, so die beiden Verbände.

Glaubwürdigkeit der Klimapolitik

Die Verbände warnen daher vor einem Verlust an Glaubwürdigkeit der Klimapolitik: Während die Bevölkerung zu Verhaltensänderungen und einem klimafreundlicheren Lebensstil aufgerufen werde, würde im tourismusintensiven Kernsektor eine weitere Expansion ermöglicht. Dies stehe im direkten Widerspruch zu den Zielen der Dekarbonisierung und Klimaneutralität bis 2040 und privilegiere den Tourismus gegenüber den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung.

„Entwicklung in Maßen statt Aufweichung des Bettenstopps“

Heimatpflegeverband und Dachverband betonen erneut, dass der Bettenstopp keinen Stillstand bedeute. Weiterentwicklungen seien auch innerhalb der bestehenden Regelungen möglich – etwa über qualitative Verbesserungen oder bestehende Kontingente. Kritisch sehen die Verbände die Diskussion um strukturschwache oder abwanderungsbedrohte Gemeinden, in denen eine Verlängerung der Frist möglich sein soll. Eine zu breite Auslegung dieser Kategorien berge die Gefahr, dass der Bettenstopp faktisch unterlaufen werde, heißt es in einer Aussendung.

Die gemeinsam gestartete Petition für den Erhalt des Bettenstopps habe innerhalb weniger Tage rund 10.000 Unterschriften gesammelt und verdeutliche die breite gesellschaftliche Erwartung nach einer maßvollen Tourismusentwicklung. „Der Bettenstopp ist nicht nur ein Instrument der Tourismussteuerung, sondern auch eine Voraussetzung für das Erreichen der Klimaziele des Landes. Eine Aufweichung würde zentrale Vorgaben des Klimaplans untergraben und die Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 weiter erschweren“, betonen Heimatpflegeverband und Dachverband.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 3 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen