Auch Schutz der Ladiner war ein Thema

Autonomiekonvent: Selbstbestimmung sorgt für Wirbel

Samstag, 20. Mai 2017 | 13:28 Uhr

Bozen – Der Konvent der 33 thematisierte in Bozen den Schutz der ladinischen Minderheit und kam zu ähnlichen Vorschlägen wie das Forum der 100.

So seien die Benachteiligungen unter denen die ladinische Minderheit im Autonomiestatut leidet zu beheben. So kann z.B. kein Ladiner Verwaltungsrichter in Südtirol werden, auch hat die ladinische Minderheit keinen garantierten Sitz in der Sechser Kommission oder als Landeshauptmannstellvertreter. In Bezug auf die ladinische Sprache wurde vorgeschlagen, dass als Landessprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch im Autonomiestatut festgehalten werden. In den Gemeinden mit ladinischer Bevölkerungsmehrheit sei die ladinische als Amtssprache in lokalen öffentlichen Körperschaften und privaten Gesellschaften mit öffentlicher Beteiligung zu verwenden. Bei allen übrigen Behörden des Landes sollen Angehörige der ladinischen Volksgruppe auf Anfrage das Recht haben, eine an sie gerichtete Mitteilung, unabhängig von ihrer Amtlichkeit, in ladinischer Sprache zu erhalten. Das ladinische Schulsystem habe sich seit 1948 bewährt und sei beizubehalten, auch wenn eine Entwicklung immer möglich sein sollte.

Die ladinische Toponomastik solle amtlich werden. Politisch soll eine ladinische Vertretung in der Landesregierung und zwei ladinische Vertreter im Südtiroler Landtag garantiert werden. Ebenso sei di Lia di Comuns Ladins als Koordinationsnetzwerk aufzuwerten. Im Sinne einer ladinischen Solidarität soll eine Schutzfunktion für die ladinischen Gemeinden außerhalb Südtirols ausgeübt werden. In Bezug auf eine Einführung der ladinischen Einheitssprache gab es unterschiedliche Ansichten im Konvent der 33. Auch eine Nicht-Anwendung bzw. die Abweichung von derzeit geltenden Proporzbestimmungen für die ladinische Minderheit und die Einführung der Dreisprachigkeitszulage wurden unterschiedlich bewertet.

Der Konvent der 33 diskutiert eine stark wertorientierte Präambel an. Unter anderem soll in der Präambel auf die gemeinsame Geschichte und die gemeinsamen Wurzeln Bezug genommen werden.

Ebenso soll auf das Gruber-Degasperi Abkommen verwiesen werden, die internationale Absicherung der Südtiroler Autonomie. Südtirol soll Begegnungsland zwischen zwei großen Sprach-und Kulturräumen sein. Südtirol soll sich den europäischen Grundwerten verpflichten und aktiv am europäischen Integrationsprozess mitwirken. Ebenso sollen als Werte Gleichheit, Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter und der Generationen, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt aller Sprachgruppen, Verantwortung zum angemessenen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft und die Förderung des harmonischen Zusammenlebens der drei autochthonen Sprachgruppen in der Präambel festgehalten werden. Die Weiterentwicklung der Autonomie und des Minderheitenschutzes in der Präambel sollen ebenso genannt werden. Genauso seien die individuellen und kollektiven Menschenrechte, zu denen unter anderem auch das Selbstbestimmungsrecht im Sinne des Art. 1 Abs. 2 der Charta der Vereinten Nationen gehört, zu achten.

Die Aufnahme des Selbstbestimmungsrechts in die Präambel sowie der Hinweis auf die jüdisch-christlichen Wurzeln im Geiste des Humanismus waren umstritten. Auch wurde darauf hingewiesen, dass der vorliegende Entwurf der Präambel als politische Grundsatzerklärung in Form und Inhalt aus verfassungsrechtlicher Sicht Unstimmigkeiten aufweise und noch überarbeitet werden müsse (z.B. in Bezug auf den alleinigen Hinweis auf die drei Sprachgruppen und die Nichtnennung von Bürgerinnen und Bürger). Die Diskussion zur Präambel wird noch fortgeführt.

Alle weiteren Punkte und die Diskussion sind auf www.konvent.bz.it nachzulesen. Die nächste Sitzung des Konvents der 33 findet am 29. Mai am Sitz der Eurac Research statt und beginnt um 18.00 Uhr.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Autonomiekonvent: Selbstbestimmung sorgt für Wirbel"


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WM
WM
Superredner
3 Tage 22 h

Reden konn mann viel wenn der tog lange ist ausserkemmen wert nix dabei solange die svp es zepter in der hand hot

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
3 Tage 17 h

olm no besser als griane oder bizzo

Nathan
Nathan
Grünschnabel
3 Tage 20 h

Schade, dass hier im Bericht nicht erwähnt wird, dass die italienischen Vertreter im Konvent (Bizzo und Dello Sbarba) gegen den Vermerk der Selbstbestimmung sind. Angeblich habe das in der Südtirol Autonomie nichts zu suchen, wolle man weiterhin an der Seite von Trient sein, sagen die beiden Herren. Nun, abgesehen davon, dass Italien selbst dieses Selbstbestimmungsrecht im Sinne des Art. 1 Abs. 2 der Charta der Vereinten Nationen ratifiziert hat und dementsprechend angenommen hat, verwundert diese Einstellung doch! 

MartinG.
MartinG.
Tratscher
3 Tage 16 h
Das größte Problem des Konvents ist, daß er nicht die reale ethnische und politische Bevölkerung abbildet, sondern das Ergebnis einer “Schnitzeljagd” ist, bei dem es den Schützen, der STF und deren blogendem Beivolk gelungen ist, den Konvent zu “kapern”. Seitdem ist es de facto nur mehr ein Tribunal, das über die Italiener Südtirols zu Gericht sitzt und Vorschläge runterspult, die fast nur dem Programm der deutschen Opposition gleichen. Man wird keine Zukunft auf Nichteinbindung und mA Diskriminierung von 1/4 bis 1/3 der Bevölkerung aufbauen können. An einer Autonomie, die nur als Durchlauferhitzer für den Grenzbalken in Salurn dient, haben außer… Weiterlesen »
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