Studie

Buch zu Erfahrungen sexualisierter Gewalt in Südtirol erschienen

Donnerstag, 21. Mai 2026 | 17:36 Uhr

Von: mk

Bozen – Eine Studie des Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung der Universität Innsbruck legt den Fokus auf sexualisierte Gewalt in Südtirol unter Berücksichtigung der drei Sprachgruppen. Nachdem im Herbst erste Zwischenergebnisse vorlagen wurde die Forschungsarbeit nun abgeschlossen. Neben der wissenschaftlichen Studie kommen Betroffene auch im Buch “Und niemals hat jemals gesagt: ‘Was passiert hier eigentlich?'” zu Wort. Am 21. Mai wurden wesentliche Inhalte der Studie und des Buches von den Forscherinnen Gundula Ludwig, Julia Ganterer und Laura Volgger gemeinsam mit Soziallandesrätin Rosmarie Pamer und der Direktorin des Amtes für Kinder- und Jugendschutz und Soziale Inklusion, Astrid Wiest, vorgestellt.

Das Buch entstand aus den Interviews mit 31 von sexualisierter Gewalt Betroffenen aller drei Sprachgruppen. Es sei “eine Einladung an die Gesellschaft, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Gesellschaft muss Bescheid wissen, dass Verantwortung übernommen werden muss”, hielt Forscherin Laura Volgger als eine der Forderungen der Betroffenen fest. Denn es gebe ein Ungleichgewicht der Folgen für Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren hätten, und eine weitgehende Folgenlosigkeit für Täter und Täterinnen. Eine wichtige Schlussfolgerung der wissenschaftlichen Studie ist, dass für die Aufarbeitung gesellschaftliche Verantwortung auf drei Ebenen übernommen werden müsse: Dies betreffe die öffentliche Anerkennung, die institutionelle Verantwortung und das soziale Umfeld. Es gebe noch viel zu tun: “Die grundlegende Akzeptanz von Gewalt ist ein Nährboden für sexualisierte Gewalt. Hinzu kommt das fehlende Wissen über Gewaltformen und Körpergrenzen”, hielt Forscherin Julia Ganterer fest. Studienleiterin Gundula Ludwig forderte im Zusammenhang mit der institutionellen Verantwortung den Ausbau niederschwelliger Schutzeinrichtungen oder auch die sensiblere Gestaltung von Abläufen bei Polizei und Justiz, um damit Re-Traumatisierungen zu vermeiden: “Aus der Sicht der Betroffenen ist die Aufarbeitung eine gesellschaftliche Aufgabe, die besser verankert werden muss, gerade weil Strukturen Gewalt auch begünstigen können und gerade oft auch Polizei oder Justiz nicht als Opferschutz, sondern vielmehr als Fürsprecher der Täter wahrgenommen werden.”

“Das Buch und die Studie sind wichtige Meilensteine, denn wir wollen die Stille, die rund um das Thema sexualisierte Gewalt herrscht, brechen. Sexualisierte Gewalt ist kein individuelles Problem, sondern es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft hinzuhören und Betroffene zu unterstützen”, hielt Landesrätin Pamer fest. Es gelte dabei die Gewaltprävention von klein auf zu forcieren und auf allen Ebenen an Schutzkonzepten zu arbeiten.

Amtsdirektorin Astrid Wiest bezeichnete sexualisierte Gewalt als “eine der massivsten Verletzungen der Würde und der Integrität des Menschen, darum sind Sensibilisierung, Prävention und Schutz eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.” Das Amt habe auch darum die Studie, die von 2023 bis 2026 durchgeführt wurde, mit insgesamt 215.000 Euro finanziell unterstützt und arbeite zudem täglich daran, das Thema voranzutreiben und ihm die notwendige Wichtigkeit einzuräumen. Landesrätin Rosmarie Pamer kündigte in diesem Zusammenhang an, dass in der Umsetzung der Neuregelung der Ombudsstellen bereits im Juli der oder die Verantwortliche für den Bereich sexualisierte Gewalt ernannt werden und zeitnah die Tätigkeit aufnehmen soll. “Wir wollen besser hin- und zuhören. Denn: Aufarbeitung kann nur gemeinsam gelingen”, sagte Landesrätin Pamer.

Bezirk: Bozen

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