Epstein wurde im Juli 2019 festgenommen

Die Österreich-Aspekte im Fall Epstein

Freitag, 06. März 2026 | 11:08 Uhr

Von: apa

Nach der Veröffentlichung der “Epstein Files” sind auch Aspekte aufgetaucht, in denen der verurteilte Sexualstraftäter Verbindungen zu Österreich hatte. So gibt es einen offenbar gefälschten österreichischen Pass, einen Kurztrip nach Wien und Zuwendungen an ein in Wien ansässiges Institut. Auch heimische Personen tauchen in den tausenden Seiten an Gerichts-, Ermittlungs- und Beweisdokumenten auf.

Der derzeitige Erkenntnisstand wurde vor allem durch das Sichten des unvorstellbar großen Aktenkonvoluts von heimischen Journalisten und Journalistinnen aufgebracht. An vielen Strängen wird auch noch weiterhin recherchiert.

Der geheimnisvolle Pass

Bereits bei einer Razzia in Epsteins New Yorker Stadthaus am 6./7. Juli 2019 – kurz nach seiner Festnahme am 6. Juli 2019 – wurde ein offenbar gefälschter Pass in einem Tresor gefunden. Das Dokument wurde angeblich am 21. Mai 1982 von der Bundespolizeidirektion Wien auf den Aliasnamen Marius Robert Fortelni ausgestellt und war bis 1987 gültig. Als Geburtsort wurde Wien angegeben, als Wohnort Dammam in Saudi-Arabien. Epsteins Foto auf dem Pass wurde nicht mit dem üblichen Prägestempel beglaubigt, sondern einfach eingeklebt.

Bereits 2022 antwortete Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) auf eine parlamentarische Anfrage, dass Erhebungen die Existenz des gegenständlichen österreichischen Reisepasses “bislang nicht bestätigen konnten, weshalb auch keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen”. In den “Epstein Files” finden sich zwar keine weiteren Details zu dem Dokument, dafür aber Fotos und detaillierte Scans des Passes.

Etwaige Aufenthalte von Epstein in Österreich

In den Files befinden sich auch Bezüge zu österreichischen Skiresorts, wobei völlig unklar ist, ob Epstein diese auch tatsächlich besucht hat. Im Jänner 2012 schrieb ein Absender, dessen Namen in dem Mail geschwärzt wurde, an Epstein über seinen Aufenthalt im Montafon in Vorarlberg. Er geht auch offenbar auf eine Bekanntschaft mit zwei Minderjährigen ein. “Also ich habe zwei 15-jährige Schweizer Kids kennengelernt und bin mit ihnen gefahren und habe sie gefilmt – total süß! Sie machen alles, was ich ihnen vorschlage, sehr gehorsame Jungs, lol”, heißt es in dem E-Mail. Am 3. März 2012 wird in einem Email Zürs erwähnt, allerdings ohne nähere Angaben dazu.

Geheimer Trip nach Wien

Belegt ist in den Akten allerdings eine Reise, die Epstein am 22. März 2019 für nur fünf Stunden nach Wien unternahm – nur vier Monate vor seiner Festnahme. Als registrierter Sexualstraftäter wäre Epstein eigentlich dazu verpflichtet gewesen, internationale Reisen den US-Behörden zu melden, was er aber nicht getan hatte. Laut Flugdaten und Informationen der österreichischen Flughafenpolizei landete Epstein um 17.00 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat, begleitet von drei jungen Frauen. In Wien besuchte er das Café Landtmann. Offenbar traf er dort den Wissenschafter Karl Sigmund, den Doktorvater des später schwer belasteten Wissenschafters Martin Nowak. Gegenüber “ORF Wissen” gab Sigmund an, er habe Epstein getroffen, weil er sich “ein persönliches Bild machen wollte”. “Bei den Treffen ging es ausschließlich um wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Fragen.

In Wien dürfte auch ein Treffen mit Steve Bannon und dem damaligen slowakischen Außenminister Miroslav Lajčák geplant gewesen sein, das aber nicht zustande kam. In den Files findet sich auch ein Austausch in einem Messenger-Dienst zwischen einer geschwärzten Person und Bannon, in dem diese gegenüber dem ehemaligen Berater von US-Präsident Donald Trump behauptete, dass ihn “Kurz treffen wolle”. “Ich möchte ihn treffen”, schrieb Bannon zurück. Tatsächlich gab es aber keinen bekannten Kontakt zwischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Bannon, und auch nicht mit Epstein.

Ein Kurz-Sprecher hatte vor einigen Monaten dazu gesagt: “Sebastian Kurz kennt weder Epstein, noch Bannon (…) Solche Spielchen sind Teil des Politikzirkus. Irgendjemanden in irgendetwas hineinzuziehen, auch wenn es noch so absurd ist.”

Das International Peace Institut

Epstein war durch finanzielle Zuwendungen in das International Peace Institute (IPI) involviert. Das IPI ist ein unabhängiger, internationaler Think-Tank mit Sitz in New York, der auch ein regionales Büro in der Wiener Innenstadt hatte. Epstein-nahe Stiftungen sollen demnach zwischen 2011 und 2019 Spenden an das IPI in der Höhe von insgesamt rund 650.000 US-Dollar geleistet haben, berichtete “Der Standard”. Zudem soll sich der verurteilte Sexualstraftäter für den Ankauf von Immobilien interessiert haben.

Der damalige Präsident des IPI, der norwegische Spitzendiplomat Terje Rød-Larsen, räumte später ein, Fehler bei der Annahme dieser Spenden gemacht zu haben; er erklärte, dass dies ein “Fehlurteil” sei und trat letztlich zurück. Gegen Rød-Larsen und seine Ehefrau, die Diplomatin Mona Juul, laufen derzeit in Norwegen Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts. Epstein hatte die Kinder des Paares auch in seinem Testament bedacht.

Epstein dürfte sich von den Kontakten wohl noch bessere internationale Beziehungen versprochen haben: In den Mails wird Epstein etwa als Teilnehmer an einer vom IPI organisierten Gesprächsrunde zur Mongolei angeführt, das Institut lud Epstein aber auch zum Wiener Opernball 2011 ein, den der Sexualstraftäter aber nicht besuchte.

Personen mit Kontakt zu Epstein

Es gibt bisher nur wenige Personen aus Österreich, die tatsächlich mit Epstein Kontakt hatten. Oberflächlichen Mailverkehr gab es aber den Files zufolge mit “Heute”-Herausgeberin Eva Dichand. So gab es 2012 eine Einladung zur amfAR-Gala, die aber nicht direkt von Dichand, sondern von einer beiden bekannten dritten Person erfolgte. Im Oktober 2012 tauschten sich Epstein und Dichand über eine Pariser Kunstmesse aus, kurz darauf lud der Sexualstraftäter Dichand auf eine seiner Inseln ein. Dichand bestreitet vehement, Epstein näher zu kennen.

Ihr Anwalt Michael Rami stellte in einem Statement gegenüber Medien fest: “Meine Mandantin kann sich an eine Korrespondenz mit Herrn Epstein beim besten Willen nicht erinnern. Ihre Erklärung dafür ist, dass sie offenbar Herrn Epstein vor etwa 15 Jahren anlässlich einer Kunstmesse oberflächlich kennengelernt hat und daraus die Ihnen offenbar vorliegende, ohnehin nur flüchtige E-Mail-Korrespondenz resultierte.” Niemals habe Dichand Epstein besucht oder umgekehrt. Von den Vorwürfen und Epsteins Verurteilung erfuhr Dichand laut ihrem Anwalt erst Jahre später durch Medienberichte.

Freistellung von Harvard

Der österreichische Biomathematiker Martin Nowak ist Ende Februar 2026 wegen seiner Verbindungen zu Epstein von der US-Eliteuniversität Harvard freigestellt worden. Nowak hatte häufige persönliche Kontakte mit dem New Yorker Multimillionär gehabt, der ihm großzügige Spenden für seine Forschung zukommen ließ und ihn auch in seinem Testament bedachte.

Derzeit prüft ein Ethik-Komitee der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die Mitgliedschaft von Nowak und dessen Doktorvater Sigmund. Das Komitee dürfte im April eine diesbezügliche Empfehlung vorlegen, eine Entscheidung soll unmittelbar danach fallen. Sigmund bat die ÖAW selbst um eine Prüfung seiner Mitgliedschaft.

Nowak war wegen seiner Verbindungen zu Epstein, dem er an seinem Institut sogar ein eigenes Büro zur Verfügung stellte, bereits 2020 vorübergehend von der Universität Harvard beurlaubt worden.

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