Psychische Gesundheit als Teil der Grundversorgung

Ein Hausarzt ist nicht genug: Grüne fordern Einführung von Basispsychologen

Montag, 09. Februar 2026 | 12:15 Uhr

Von: mk

Bozen – Der Gesetzentwurf der Grünen zur Einrichtung eines Dienstes für Basispsychologie wird am Dienstag im IV. Gesetzgebungsausschuss des Südtiroler Landtags behandelt. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, einen niederschwelligen und flächendeckenden Zugang zu psychologischer Unterstützung zu gewährleisten und psychische Gesundheit als integralen Bestandteil des Rechts auf Gesundheit anzuerkennen. Er wurde heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Psychologenkammer der Öffentlichkeit vorgestellt.

In den vergangenen Jahren habe die psychische Belastung stetig zugenommen, besonders unter jungen Menschen, zeigen sich die Grünen im Südtiroler Landtag überzeugt. Bei der Pressekonferenz wurden entsprechende Daten vorgelegt. Laut der PASSI-Erhebung des Obersten Gesundheitsinstituts in Italien (ISS) aus den Jahren 2023 und 2024 wiesen demnach vier Prozent der befragten Südtirolerinnen und Südtiroler depressive Symptome auf. Eine weitere Studie des Instituts für Allgemeinmedizin aus dem Jahr 2025 hat aufgezeigt: Fast 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Südtirol zeigen Hinweise auf psychische Belastungen. „Zugleich stehen im öffentlichen Gesundheitswesen in Italien lediglich drei Psychologen pro 10.000 Einwohner zur Verfügung, während der europäische Durchschnitt bei zehn bis zwölf liegt. Somit ist der Zugang zu Behandlung häufig noch zu schwierig, denn nicht jede und jeder kann sich eine private Betreuung leisten“, erklären die Grünen.

Grüne

Genau diese Lücke soll ihr Gesetzentwurf schließen – durch einen niedrigschwelligen Erstversorgungsdienst, eingebettet in die hausärztliche Grundversorgung und nah an den Menschen. Der Entwurf sieht die Einführung von Basispsychologinnen und -psychologen in jedem Gesundheitsbezirk, die eng mit anderen sozialgesundheitlichen Diensten zusammenarbeiten.

„Wie sich jede Bürgerin und jeder Bürger an seinen Hausarzt wenden kann, so soll sich jede Bürgerin und jeder Bürger in Zukunft auch an einen Basispsychologen bzw. an eine Basispsychologin wenden können. Der Dienst soll einfach zugänglich sein und frühzeitig eingreifen. Ein niederschwelliges Angebot reduziert nämlich Leid und verringert das Risiko für psychische Erkrankungen. Psychische Gesundheit darf nicht vom Einkommen abhängig sein, sondern muss als integraler Bestandteil des Rechts auf Gesundheit anerkannt werden“, so Zeno Oberkofler, Erstunterzeichner des Gesetzentwurfs.

Die Psychologenkammer der Autonomen Provinz Bozen setzt sich seit Langem für die Einführung der Basispsychologin bzw. des Basispsychologen ein und unterstützt – wie bereits in der Vergangenheit –überparteilich, in ihrer Funktion als öffentliche, subsidiäre Körperschaft des Staates mit fachlicher Kompetenz und Erfahrung alle Schritte und Initiativen, die in diese Richtung gegangen sind und weiterhin gehen, einschließlich der aktiven Teilnahme am technischen Arbeitstisch der Autonomen Provinz Bozen.

„Angesichts der zunehmenden psychischen Belastungen,die wir insbesondere bei Jugendlichen und Familien beobachten, stellt die Basispsychologie eine notwendige Antwort dar: ein wohnortnahes, leicht zugängliches und zeitnahes Angebot, das in der Lage ist, psychisches Leiden frühzeitig zu erkennen und einer Verschärfung der Probleme vorzubeugen.

Die strukturelle Einführung der Basispsychologin und des Basispsychologen bedeutet, für Familien einen sicheren Hafen zu schaffen. Sie bedeutet, die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Diensten zu unterstützen, die aufgrund der hohen Nachfrage teilweise überlastet sind, verspätete Interventionen und damit vermeidbare Kosten zu reduzieren und die psychische Gesundheit zu einem tatsächlich wirksamen Recht für alle zu machen“, erklärt die Präsidentin der Psychologenkammer der Autonomen Provinz Bozen, Francesca Schir.

„Mit diesem Vorschlag wollen wir einen Paradigmenwechsel einleiten“, erklären die Grünen-Landtagsabgeordneten Zeno Oberkofler, Brigitte Foppa und Madeleine Rohrer. „Psychische Gesundheit muss zu einem strukturellen Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsversorgung werden. Sie ist Teil der Gesamtgesundheit des Menschen und darf nicht in den Hintergrund gedrängt werden.“

Die Grünen hoffen nun auf eine konstruktive Debatte im Gesetzgebungsausschuss, damit der Entwurf weiterentwickelt und als konkrete Antwort auf ein immer drängenderes Bedürfnis der Südtiroler Bevölkerung vorangebracht werden kann.

Bezirk: Bozen

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