Russland greift mit ballistischen Raketen an - Ukraine attackiert zwei Raffinerien

“Es ist das letzte Mittel, diesen blutigen Krieg in die Länge zu ziehen”

Dienstag, 14. Juli 2026 | 08:24 Uhr

Von: APA/dpa

Die Ukraine hat in der Nacht auf Dienstag eine Raffinerie in der russischen Teilrepublik Baschkortostan in der Nähe des Uralgebirges angegriffen. Eine massive Attacke auf das Industriegebiet in Salawat bestätigte Republikchef Radij Chabirow auf Telegram. Tote und Verletzte gibt es seinen Angaben nach nicht. Der Krisenstab der südrussischen Region Krasnodar meldete indes einen weiteren Angriff auf die Raffinerie nahe der Siedlung Afipskaja.

Die Anlage sei in Brand geraten, teilte der Stab auf seinem Telegramkanal mit. Details zu den Schäden gibt es bisher nicht. Zum Vorfall in Salawat hieß es: “Es gibt einige Rauchherde, die durch das Herabstürzen von Drohnentrümmern hervorgerufen wurden”, schrieb Chabirow. Die Feuerwehr sei beim Löschen. Medienberichten zufolge sind die Brände in der Ölverarbeitungsanlage ausgebrochen.

Salawat liegt mehr als 1.400 Kilometer von der Front entfernt. Die zum Ölkonzern Gazpromneft gehörende Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von mehr als sieben Millionen Tonnen Rohöl im Jahr. Im September 2025 wurde sie bereits zweimal angegriffen. Nach Angaben Chabirows arbeitete sie anschließend aber weiter störungsfrei.

Die Ukraine hat in den letzten Monaten ihre Angriffe auf Objekte der Ölindustrie in Russland verstärkt. Die Folgen sind deutlich spürbar. Die Ölverarbeitung ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen. Viele Tankstellen sind leer, andere geben Treibstoff nur noch in begrenzten Mengen aus. Autofahrer müssen lange anstehen, um überhaupt tanken zu können.

Russische Luftschläge gegen Kiew

Das russische Militär griff in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen an, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwierig abzuwehren sind. Im Zentrum der Dreimillionenstadt waren gut ein halbes Dutzend Explosionen zu hören. Nach Behördenangaben brachen in mindestens zwei Stadtteilen Brände aus, teils ausgelöst durch herabgestürzte Trümmerteile.

Auch andere Städte waren Ziele russischer Angriffe. In Saporischschja werden bei einem Drohnenangriff den Rettungsdiensten zufolge elf Menschen verletzt. In der Region Charkiw gibt es nach Angaben des Gouverneurs sechs Verletzte. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor.

Kurz zuvor hatten in Paris mehrere Mitgliedstaaten der sogenannten Koalition der Willigen eine Initiative zur Stärkung der ukrainischen Flugabwehr ins Leben gerufen. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen Russlands Invasion.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warb dabei für die Schaffung eines neuen europäischen Flugabwehrsystems zur Abwehr russischer ballistischer Raketen innerhalb von zwölf Monaten. “Wir haben in der Ukraine eine (Flugabwehr-)Rakete, doch das ist nur Teil eines Systems”, sagte der Staatschef bei einem Auftritt in Paris im Rahmen der sogenannten Koalition der Willigen. Eine Massenproduktion werde günstig sein, versprach er. Vorher hatte Selenskyj die Europäer zur Lieferung von Radaren und “anderen kritisch wichtigen Komponenten” aufgefordert.

Ballistische Raketen letztes Mittel Russlands?

Einmal mehr bezeichnete Selenskyj dabei den Einsatz von ballistischen Raketen als letztes Mittel der Atommacht Russlands. “Es ist real das letzte Mittel, diesen blutigen Krieg in die Länge zu ziehen”, sagte Selenskyj. Sein Land benötige täglich Mittel zur Abwehr dieser ballistischen Raketen. Zugleich beklagte er den Mangel an Flugabwehrraketen für das US-amerikanische Patriot-System. “Sie sind qualitativ hochwertig, aber knapp”, bedauerte er. Die USA würden aufgrund der iranischen Angriffe zuerst die eigenen Arsenale auffüllen und die Verbündeten am Persischen Golf beliefern.

Für den kommenden Winter bat Selenskyj um zusätzliche Lieferungen von Flugabwehrraketen. “Wir haben berechnet, dass in diesem Paket 100 Patriot-Raketen pro Monat sein sollten – 300 Raketen für den Winter”, sagte der Staatschef laut einer Mitteilung zu den Gesprächen. Je mehr Schutzmittel die Ukraine habe, umso weniger Gründe habe Russland, den Krieg bis in den Winter zu ziehen.

Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher Unterstützung gegen eine russische Invasion. Dank der westlichen Hilfe, dabei vor allem aus Deutschland, wurde die ukrainische Flugabwehr modernisiert.

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