Von: apa
Der Iran steht nach den jüngsten Angriffen vor einer ungewissen Zukunft. Laut dem Iran-Experten Robert Steele ist die Opposition im Land zersplittert und führungslos. Während Shah-Sohn Reza Pahlavi derzeit an Sichtbarkeit gewinne, sehen viele Iraner und Iranerinnen in ihm nicht zwingend eine Rückkehr zur Monarchie. Stattdessen verkörpere er eher eine symbolische Alternative zum bestehenden System. Gleichzeitig bleibe unklar, welches Ziel die USA mit ihrem Vorgehen verfolgen.
Die Opposition im Iran sei stark zersplittert und organisatorisch schwach, so Iran-Experte Robert Steele der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Gespräch mit APA am Montag. “Es gibt nichts, was man als strukturierte Oppositionsbewegung bezeichnen könnte”, sagt er. Proteste im Land seien bisher meist spontan und ohne zentrale Koordination entstanden; potenzielle Führungspersönlichkeiten würden rasch verhaftet oder mundtot gemacht. Eine organisierte Alternative habe sich daher bisher nicht etablieren können. Einzig der in den USA lebende Reza Pahlavi verfüge über größere Bekanntheit.
Shah-Sohn Reza Pahlavi als Symbolfigur
Allerdings sieht Steele in der Unterstützung für den Monarchen-Sohn nicht unbedingt den Wunsch nach einer Rückkehr zur Monarchie. “Die Menschen in Iran möchten zu einer Zeit zurückkehren, in der der Iran auf der internationalen Bühne respektiert wurde”, meint Steele. Sie würden sich die wirtschaftliche Stabilität der Shah-Jahre zurückwünschen. Der iranische Reisepass erlaubte damals weitreichende Reisefreiheiten. “Heutzutage ist die Wirtschaft in Scherben. Menschen mit einem PhD-Abschluss sind Taxifahrer, weil sie keinen Job finden”, so Steele. Statt sich in die Konflikte anderer Länder einzumischen, würden sich die Menschen lieber damit befassen, die Situation in ihrem eigenen Land zu verbessern.
Pahlavi profitiere dabei von seiner starken medialen Präsenz im Ausland. Besonders der in London ansässige Fernsehsender Manoto TV, einer der meistgesehenen Satellitensender im Iran, verbreite pro-royalistische Inhalte und zeige Dokumentationen mit Archivaufnahmen aus der Zeit vor der Revolution. “Viele sehen das und denken: So könnte unser Land aussehen, wenn es richtig geführt würde”, so Steele. Bei den jüngsten Protesten seien daher auch Sprechchöre für Pahlavi zu hören gewesen – nicht als Mehrheitsbewegung, aber sichtbarer als je zuvor. Seine Unterstützung sei heute größer als in der Vergangenheit, was ihn für manche zur glaubwürdigsten Figur eines möglichen Übergangs mache.
Iran geschwächt, aber kampfbereit
Wie es nun weitergeht, bleibe ungewiss, sagt der ÖAW-Experte – auch weil die Ziele der USA unklar seien. “Bisher hieß es nur, die Angriffe richteten sich gegen die politische und militärische Führung, damit die Iraner ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können. Aber das ist kein konkreter Plan”, so Steele. Ungewiss sei, ob Washington auf eine rasche militärische Schwächung setze oder einen weitergehenden Regimewechsel anstrebe – und ob dafür sogar Bodentruppen infrage kämen.
Zugleich sei das iranische Regime derzeit so geschwächt wie noch nie: Das verbündete Regime von Bashar al-Assad in Syrien sei gefallen, die Verbündeten Hamas und Hisbollah im Nahen Osten stark angeschlagen. Die landesweiten Proteste im Dezember und Jänner hätten zudem den massiven Unmut in der Bevölkerung gezeigt. Die USA hätten insofern den Zeitpunkt ihres Angriffs strategisch gewählt.
Trotzdem warnt Steele davor, die Widerstandskraft des Systems zu unterschätzen. In den vergangenen 47 Jahren habe die Islamische Republik stets den eigenen Machterhalt über alles gestellt – über Reformen, über Menschenrechte, über gesellschaftliche Forderungen. “Ich sehe nicht, dass sich das jetzt ändert. Das Regime wird alles tun, um zu überleben,” so Steele.
( Das Gespräch führte Maria Mayböck/APA.)




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