Schwere Kämpfe um Kostjantyniwka

Gegenseitige Drohnenangriffe: Tote in Ukraine und Russland

Sonntag, 03. Mai 2026 | 20:42 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

In der Ukraine und in Russland sind bei gegenseitigen Drohnenangriffen mehrere Menschen getötet worden. Bei russischen Angriffen im Süden der Ukraine kamen laut Behördenangaben vom Sonntag drei Menschen ums Leben. Durch ukrainische Drohnen wurde in der Nähe von Moskau ein 77-jähriger Mann getötet, wie der Regionalgouverneur mitteilte. Zudem wurden laut Kiew in Russland wichtige Ölanlagen getroffen.

Der Gouverneur der südukrainischen Region Odessa, Oleh Kiper, teilte in Online-Netzwerken mit, bei Angriffen seien zwei Menschen getötet worden, darunter ein Lastwagenfahrer in einem Hafen. “Feindliche Drohnen haben drei Wohngebäude getroffen, zwei weitere wurden beschädigt”, erklärte er. Auch Einrichtungen und Ausrüstung der Hafeninfrastruktur seien beschädigt worden. Die Rettungsdienste veröffentlichten Fotos von Feuerwehrleuten, die durch die Angriffe ausgelöste Brände bekämpften.

Bei russischen Angriffen auf das Frontgebiet der südukrainischen Region Cherson wurde Behördenangaben zufolge ein weiterer Mensch getötet. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland in der Nacht auf Sonntag 268 Drohnen und eine Rakete auf die Ukraine ab.

Weiterer Toter in Dnipro

In der südostukrainischen Industriestadt Dnipro ist mindestens ein Mensch bei russischen Raketenangriffen getötet worden. Elf weitere seien verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, bei Telegram mit. Sechs Verletzte mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Nach Auskunft von Bürgermeister Borys Filatow wurden bei dem Angriff ein Studentenwohnheim, zwei Hochschulgebäude und mehrere Wohnhäuser beschädigt.

Auch in der rund 50 Kilometer südlich gelegenen Großstadt Saporischschja wurden nach Behördenangaben mindestens fünf Menschen bei russischen Drohnenangriffen verletzt.

Verschiedene Regionen attackiert

Die Ukraine wiederum attackierte Russland mit mindestens 334 Drohnen in 15 Regionen, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Auch die nordwestliche Region Leningrad wurde massiv attackiert. Dort wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung in den vergangenen Wochen mehrere Male für den Export wichtige Ölterminals getroffen, wodurch Ausfuhren im Wert von Milliarden Dollar vereitelt worden seien. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf, die durch den Krieg in der Golfregion gesteigert wurden, sind für die russische Wirtschaft und die Finanzierung der Streitkräfte entscheidend.

Infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs sind in der grenznahen russischen Region Belgorod mindestens zwei Menschen getötet worden. Eine Frau sei zudem mit Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow bei Telegram mit. Zuvor wurde nach Angaben der Besatzungsbehörden des russisch besetzten Teils der südostukrainischen Region Saporischschja in der Kleinstadt Kamjanka-Dniprowska ein Jugendlicher durch eine Drohne getötet. Der Ort befindet sich unweit des Ufers des Flusses Dnipro, der in seinem Unterlauf russische von ukrainischen Truppen trennt.

Ukraine griff russischen Ostseehafen Primorsk an

Unterdessen griff die Ukraine auch den Ostseehafen Primorsk an. Die Infrastruktur des Ölterminals sei am Sonntag erheblich beschädigt worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. In einem Telegram-Beitrag erklärte er, die Ukraine habe ein Raketenschiff der Karakurt-Klasse, ein Patrouillenboot und einen Öltanker in der Ostsee angegriffen. “Jeder dieser Erfolge schränkt Russlands Kriegspotenzial weiter ein”, fügte er hinzu.

Mehr als 60 Drohnen seien in der Nacht über der nordwestlichen Region Leningrad abgeschossen worden, erklärte Gouverneur Alexander Drosdenko am Sonntag auf Telegram. In Primorsk, einem der wichtigsten russischen Ölexportterminals, sei kein Öl ausgelaufen. Das Feuer, das durch den Angriff ausgelöst wurde, sei inzwischen gelöscht. Der Hafen hat eine Kapazität von einer Million Barrel Öl pro Tag.

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieinfrastruktur und andere Ziele in den vergangenen Monaten ausgeweitet, während die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Krieges ins Stocken geraten sind. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte laut russischem Fernsehen, die globalen Ölpreise könnten weiter steigen, wenn die Ukraine weiter Russlands Ölinfrastruktur angreife.

Schattenflotte unter Beschuss

Selenskyj teilte am Sonntag ebenfalls mit, zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte seien vor dem Hafen Noworossijsk im Schwarzen Meer getroffen worden. Er veröffentlichte in der Nacht aufgenommene Schwarz-Weiß-Bilder von einer Drohne, die sich einem Tanker nähert. Der verursachte Schaden war unklar.

Unterdessen rücken nach ukrainischen Angaben russische Truppen auf die Stadt Kostjantyniwka in der östlichen Region Donezk vor. Laut dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj versuchen die russischen Truppen mit Infiltrationstaktiken, am Rande der Stadt Fuß zu fassen. Man wehre die hartnäckigen Versuche ab, erklärt Syrskyj weiter. Kostjantyniwka ist Teil eines stark befestigten Verteidigungsgürtels der ukrainischen Armee.

Mehr als 200 Drohnen pro Tag

In seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine greift Russland das Nachbarland fast jede Nacht mit hunderten Drohnen an. Im Gegenzug attackiert die ukrainische Armee regelmäßig die russische Energieinfrastruktur und militärische Ziele. Beide Seiten dementieren Angriffe auf Zivilisten. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurden zehntausende Menschen getötet.

Im April feuerte Russland eine Rekordzahl von weitreichenden Drohnen auf die Ukraine ab, im Durchschnitt mehr als 200 pro Tag, wie eine Analyse von Daten der ukrainischen Luftwaffe durch die Nachrichtenagentur AFP ergab.

Drohnenalarm auch in Estland und Lettland

In den beiden an Russland grenzenden EU- und NATO-Staaten Estland und Lettland erhielten die Bewohner der grenznahen Regionen in der Nacht Handy-Warnungen über eine mögliche Bedrohung des Luftraums. Nach Angaben eines Sprechers der estnischen Armee ist eine Drohne möglicherweise kurzzeitig in den estnischen Luftraum eingedrungen, aber nach derzeitigem Kenntnisstand nicht abgestürzt.

Bei ukrainischen Angriffen waren in jüngster Zeit wiederholt fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teils abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. Verletzte oder größere Schäden gab es dabei nicht.

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