Schwere Kämpfe um Kostjantyniwka

Gegenseitige Drohnenangriffe: Tote in Ukraine und Russland

Sonntag, 03. Mai 2026 | 13:04 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

In der Ukraine und in Russland sind bei gegenseitigen Drohnenangriffen mindestens vier Menschen getötet worden. Bei russischen Drohnenangriffen im Süden der Ukraine wurden laut Behördenangaben vom Sonntag drei Menschen getötet. Durch ukrainische Drohnen wurde in der Nähe von Moskau ein 77-jähriger Mann getötet, wie der Regionalgouverneur mitteilte. Zudem wurden laut Kiew in Russland wichtige Ölanlagen getroffen.

Der Gouverneur der südukrainischen Region Odessa, Oleh Kiper, teilte in Online-Netzwerken mit, bei Angriffen seien zwei Menschen getötet worden, darunter ein Lastwagenfahrer in einem Hafen. “Feindliche Drohnen haben drei Wohngebäude getroffen, zwei weitere wurden beschädigt”, erklärte er. Auch Einrichtungen und Ausrüstung der Hafeninfrastruktur seien beschädigt worden. Die Rettungsdienste veröffentlichten Fotos von Feuerwehrleuten, die durch die Angriffe ausgelöste Brände bekämpften.

Bei russischen Angriffen auf das Frontgebiet der südukrainischen Region Cherson wurde Behördenangaben zufolge ein weiterer Mensch getötet. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland in der Nacht auf Sonntag 268 Drohnen und eine Rakete auf die Ukraine ab.

Die Ukraine wiederum attackierte Russland mit mindestens 334 Drohnen in 15 Regionen, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Auch die nordwestliche Region Leningrad wurde massiv attackiert. Dort wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung in den vergangenen Wochen mehrere Male für den Export wichtige Ölterminals getroffen, wodurch Ausfuhren im Wert von Milliarden Dollar vereitelt worden seien. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf, die durch den Krieg in der Golfregion gesteigert wurden, sind für die russische Wirtschaft und die Finanzierung der Streitkräfte entscheidend.

Ukraine griff russischen Ostseehafen Primorsk an

Indes griff die Ukraine russischen Angaben zufolge den Ostseehafen Primorsk an. Mehr als 60 Drohnen seien in der Nacht über der nordwestlichen Region Leningrad abgeschossen worden, erklärte Gouverneur Alexander Drosdenko am Sonntag auf Telegram. In Primorsk, einem der wichtigsten russischen Ölexportterminals, sei kein Öl ausgelaufen. Das Feuer, das durch den Angriff ausgelöst wurde, sei inzwischen gelöscht. Der Hafen hat eine Kapazität von einer Million Barrel Öl pro Tag.

Schattenflotte unter Beschuss

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Sonntag mit, zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte seien vor dem Hafen Noworossijsk im Schwarzen Meer getroffen worden. Er veröffentlichte in der Nacht aufgenommene Schwarz-Weiß-Bilder von einer Drohne, die sich einem Tanker nähert. Der verursachte Schaden war unklar.

Unterdessen rücken nach ukrainischen Angaben russische Truppen auf die Stadt Kostjantyniwka in der östlichen Region Donezk vor. Laut dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj versuchen die russischen Truppen mit Infiltrationstaktiken, am Rande der Stadt Fuß zu fassen. Man wehre die hartnäckigen Versuche ab, erklärt Syrskyj weiter. Kostjantyniwka ist Teil eines stark befestigten Verteidigungsgürtels der ukrainischen Armee.

Mehr als 200 Drohnen pro Tag

In seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine greift Russland das Nachbarland fast jede Nacht mit hunderten Drohnen an. Im Gegenzug attackiert die ukrainische Armee regelmäßig die russische Energieinfrastruktur und militärische Ziele. Beide Seiten dementieren Angriffe auf Zivilisten. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurden zehntausende Menschen getötet.

Im April feuerte Russland eine Rekordzahl von weitreichenden Drohnen auf die Ukraine ab, im Durchschnitt mehr als 200 pro Tag, wie eine Analyse von Daten der ukrainischen Luftwaffe durch die Nachrichtenagentur AFP ergab.

Drohnenalarm auch in Estland und Lettland

In den beiden an Russland grenzenden EU- und NATO-Staaten Estland und Lettland erhielten die Bewohner der grenznahen Regionen in der Nacht Handy-Warnungen über eine mögliche Bedrohung des Luftraums. Nach Angaben eines Sprechers der estnischen Armee ist eine Drohne möglicherweise kurzzeitig in den estnischen Luftraum eingedrungen, aber nach derzeitigem Kenntnisstand nicht abgestürzt.

Bei ukrainischen Angriffen waren in jüngster Zeit wiederholt fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teils abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. Verletzte oder größere Schäden gab es dabei nicht.

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