Positionspapier vorgestellt

Gesundheitswesen: Freiheitliche präsentieren ihre Wunschliste

Donnerstag, 07. Juni 2018 | 15:47 Uhr

Bozen – Die Freiheitlichen haben heute in Bozen im Rahmen einer Pressekonferenz ihr Positionspapier zur Gesundheit vorgestellt. Der Gesundheitsbereiche stehe vor riesigen Herausforderungen: Ärztemangel, Überalterung der Gesellschaft, überlange Wartezeiten auf Fachvisiten, Schließung bzw. nicht Nachbesetzung einzelner Abteilungen nach Pensionierung der Primare sind nur einige Probleme, die die Freiheitlichen nannten.

„Den Krankenhäusern in Südtirol fehlt jegliche Freiheit. Ohne Eigenständigkeit haben die Krankenhäuser keine Entwicklungschancen mehr und sie sind somit für junge Ärzte nicht mehr attraktiv. Die einseitige Konzentration auf das Krankenhaus Bozen geht zu Lasten einer funktionierenden Gesundheitsversorgung vor Ort“, kritisieren die Freiheitlichen.

Um Südtirols Bürgern ein effizientes und leistungsstarkes Gesundheitswesen anbieten zu können, müsse die primäre Zuständigkeit in allen Bereichen des Gesundheitswesens von Rom eingefordert werden – einschließlich der Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal sowie der Anerkennung von Studientiteln und anderen im Ausland erworbenen Qualifikationen, so die Freiheitlichen. Außerdem seien ihrer Ansicht nach die Zuständigkeiten auf sämtliche Bereiche auszudehnen, die die Kollektivverträge für Ärzte, Pflegepersonal und Krankenhauspersonal betreffen.

Zudem seien die Zuständigkeiten bei Ausschreibungen – bei Beachtung der entsprechenden EU-Bestimmungen ohne Umweg über Rom – einzufordern. Immerhin sei der Gesundheitsbereich einer der größten Haushaltsposten.

Auch die Zuständigkeiten im Bereich des Apothekenwesens und der Zulassung von Medikamenten müsse an das Land übergehen, fordern die Freiheitlichen. Dies bedeute nicht, dass Südtirol eine eigene Zulassungsbehörde aufbauen müsse, sondern dass Südtirol den Import und Verkauf von Medikamenten, die in Österreich, Schweiz oder Deutschland zugelassen sind, automatisch, ohne zusätzliche Prüfung, durchführen könne. Nur so könne dem systematisch ausgehebelten Recht auf Zweisprachigkeit bei sämtlichen Produktbeschreibungen (Beipackzettel) nachgekommen werden.

Sicherung der landesweiten ärztlichen Versorgung

Kernpunkt der freiheitlichen Gesundheitspolitik sei in Zeiten hoher Pensionierungswellen und Ärztemangels die Sicherstellung der flächendeckenden ärztlichen Versorgung in Südtirol, die möglichst dezentral und wohnortnahe erfolgen sollte. Deshalb erheben die Freiheitlichen gleich mehrere Forderungen, die Wortlaut folgen:

– Aufrechterhaltung von Krankenhäusern und keine Schließung von Abteilungen im ländlichen Raum oder Landgemeinden. Unsere bestens funktionierenden, dezentralen Krankenhäuser in der Peripherie dürfen nicht einem Sparzwang und einem blinden Zentralisierungswahn geopfert werden! Denn unsere peripheren Krankenhäuser dienen nicht nur den Einheimischen, sondern auch unseren Urlaubsgästen, die erkranken oder verunfallen. Eine schlechte Gesundheitsversorgung kann sich Südtirol nicht leisten!

– Schluss mit dem „Wasserkopf“ Krankenhaus Bozen: die alleinige Konzentration wesentlicher fachärztlicher Dienstleistungen alleine auf Bozen untergräbt die ärztliche Nahversorgung vor Ort und leistet Chaos und langen Wartezeiten Vorschub!

– Nur hochspezialisierte Fachdisziplinen zentralisieren: nur überörtliche Abteilungen für hochspezialisiere Fachdisziplinen sind zentral gerechtfertigt. Alles anderen Leistungen können sowohl in den peripheren Krankenhäusern oder von niedergelassenen Fachärzten erbracht werden!

– Stärkung der Gesundheitssprengel: Stärkung der Gesundheitssprengel mit mehr Personal wie Krankenschwestern und Hebammen, um wohnortnahe Gesundheitsvorsorge erbringen zu können und die Krankenhäuser zu entlasten!

– Kostenehrlichkeit bei Strukturmaßnahmen: unsere peripheren Krankenhäuser sind zugleich wesentliche Standortfaktoren der lokalen Wirtschaft, die Arbeitsplätze schaffen, sichern und den Menschen ein Leben in ihrer nächsten Heimat ermöglichen. Dies gilt es bei den sog. „Einsparungen“ zu berücksichtigen!

Bessere Zusammenarbeit im Interesse der Patienten

Sowohl die Vernetzung zwischen den Südtiroler Krankenhäusern als auch zwischen den Krankenhäusern und den privaten Fach- und Hausärzten müsse laut den Freiheitlichen reibungslos funktionieren. Ein sicherer und schneller Informationsaustauch könne Leben retten. Die Freiheitlichen fordern in diesem Bereich:

– Einheitliches EDV-System im Südtiroler Gesundheitswesen: sämtliche Südtiroler Krankenhäuser müssen untereinander mit einem einheitlichen EDV-System vernetzt werden. Das bereits seit Jahren gut funktionierende EDV-System des Krankenhauses Bruneck kann als Vorbild für ganz Südtirol dienen. Schluss mit der Geld- und Zeitverschwendung durch verschiedene EDV-Systeme und teure externe Firmen und Berater!

– Vernetzung zwischen Hausärzten, Privatärzten und Gesundheitsbezirk: Hausärzte und Privatärzte müssen Zugriff auf die Daten ihrer Patienten haben.

– Rückvergütungsregelung wieder einführen: Um die öffentlichen Einrichtungen zu entlasten, soll eine enge Zusammenarbeit mit allen medizinischen -auch mit privaten- Einrichtungen gefördert werden und die Rückvergütungsregelung wieder eingeführt und ausgebaut werden. Somit können Krankenhaus-Ambulanzen entlastet sowie OP- und Ambulanz-Wartezeiten reduzieren werden, die Krankenhausärzte hätten mehr Zeit für die Betreuung der stationären Patienten!

– Facharztvisiten durch Privatärzte: dies würde zu einer Entlastung der öffentlichen Krankenhäuser führen und die freie Arztwahl stärken. Durch entsprechende Abkommen mit Privatärzten soll eine sozial verträgliche Regelung gefunden werden, damit jeder Bürger sich die bestmögliche ärztliche Betreuung leisten kann.

– Verhinderung von nosokomialen Infektionen (Krankenhausinfektionen): mit der Auslagerung von Facharztvisiten würde der Zustrom in die Spitäler gebremst und eine Abnahme der sog. „Krankenhausinfektionen“ (nosokomiale Infektionen) erreicht.

– Noch bessere Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Innsbruck und der Medizinischen Universität Innsbruck.

Mitarbeiterfreundliches Gesundheitswesen

Ein leistungsfähiges Gesundheitswesen gebe es laut den Freiheitlichen nur mit motivierten Mitarbeitern, sowohl beim ärztlichen wie beim Pflegepersonal. Sie fordern:

– Freie Arbeitsplatzwahl: Pflege- und ärztliches Personal sollen ihre Abteilung und den Ort ihrer Tätigkeit im Rahmen eines Wettbewerbs grundsätzlich frei wählen können, zentrale Zwangszuweisungen dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen!

– Stellentauschbörse: es soll eine Stellentauschbörse eingeführt werden, um dem Krankenhauspersonal die Möglichkeit der internen Rotation zu bieten!

– Kinderbetreuung verbessern: die Kinderbetreuung des Krankenhauspersonals muss verbessert werden, um bestausgebildeten Eltern eine weitere berufliche Tätigkeit zu ermöglichen!

– Entbürokratisierung des Pflegeberufs: das dreijährige Bachelorstudium erweist sich in vielen Fällen als Rekrutierungshindernis für Pflegeberufe. Die dreijährige Dauer steht in Konkurrenz zu einem Medizinstudium. Aufgrund des Personalmangels muss hier flexibel vorgegangen werden, daher fordern wir die Wiedereinführung der Krankenpflegeausbildung, auch ohne Matura!

Die Freiheitlichen fordern zudem Einsparungen bei der Verwaltung anstatt bei den ärztlichen Diensten. In Sachen Impfungen erkennen die Freiheitlichen zwar die Wichtigkeit einer hohen Impfrate an. Doch ein gesetzlicher Impfzwang widerspreche dem freiheitlichen Grundgedanken. Die Politik müsse sich außerdem bemühen, Jungärzte wieder nach Südtirol zurückzuholen und dem drohenden Hausärzte-Mangel entgegen zu wirken.

Der Hausarzt sollte auch Amtsarzt sein und die Arbeit sowie die Ausbildung von Hausärzten müsse unbürokratischer ablaufen. Bei Umschulungen von Facharzt zu Hausarzt sollte es finanzielle Anreize geben, so die Freiheitlichen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Gesundheitswesen: Freiheitliche präsentieren ihre Wunschliste"


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Obelix
Obelix
Superredner
13 Tage 13 h

Wenn der Stratege mit der Fliege nicht einmal die einheitliche Vormerkstelle zuwege gebracht hat. Aber dafür bezahlte Studien veröffentlichen wie super toll wir hier sind. Gemessen an Kalabrien oder Kampanien. Toller Vergleich. Warum nicht gleich Burkina Faso. Aber die Landesrätin verlässt ja nun das sinkende Schiff. Nachdem sie uns den Sauhaufen eingebrockt hat. Schauen wer hinter ihr aufräumen soll, oder muss.  

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