Jubiläumsfeier der Alpinivereinigung "Alto Adige"

Heimatbund: „Wo bleibt Aufarbeitung der eigenen Geschichte?“

Sonntag, 10. Juni 2018 | 17:00 Uhr

Bozen – Heute Vormittag fand in Bozen eine Feier zum 90. Gründungstag der Sektion Bolzano der Alpinivereinigung ANA statt. Mit dabei waren unter anderem auch die Alpinisektionen der anderen mehrheitlich von Italienern bewohnten Gemeinden der Provinz. Im Umzug waren sie mit den Gemeindestandarten präsent. Mit der Trikoloreschleife und dem Alpinihut marschierte auch der Bürgermeister von Bozen in den ersten Reihen mit. „Es bleibt fraglich, was bzw. wie viel die Alpini über ihre eigene Geschichte wissen“, erklärt der Obmann des Südtiroler Heimatbunds (SHB), Roland Lang, in einer Aussendung.

Lang hat den Umzug auch selbst beobachtet. „Was die meisten Mitmarschierenden nicht wussten oder nicht wissen wollten, ist dass die Gründung der ‚Associazione Nazionale Alpini‘ nicht nur im Zusammenhang mit der Einweihung des ‚Siegesdenkmals‘ durch den italienischen König Vittorio Emanuele, sondern auf Initiative des faschistischen Abgeordneten und Präsidenten der ANA sowie des Reichsfrontkämpferverbandes ‚Opera Nazionale Combattenti‘ (ONC), Angelo Manresi erfolgte. Er war ein rücksichtloser und brutaler Förderer der Entnationalisierungsmaßnahmen in Südtirol und der systematischen Eliminierung der Deutsch-Südtiroler“, erklärt Lang

Einer von Manresis Standartsätzen lautete: „Es muss getrachtet werden, dass die deutschspachigen Kinder nicht in ihren Familien gefangen bleiben, sondern in gesunde Erziehungsmilieus rein italienischen Charakters hineingebracht werden. Spiel, Sport, Balilla, Kindergarten, Schule müssen Herz und Sinn des Kindes rasch italianisieren.“

Die ANA Gründung und Einweihung des Faschistentempels seien nicht nur im Zeichen des Sieges gegen Österreich und der gewaltsamen Einverleibung Südtirols gestanden, sondern wie Tiroler Zeitungen von damals berichteten, ganz im Zeichen der Furcht vor Attentaten (Innsbrucker Nachrichten 13. Juli 1928).

„Wie zu erwarten, waren die Südtiroler der gesamten Veranstaltung völlig fern geblieben. Nur einige Musikkapellen hatte man mit mehr oder minder offenen Drohungen mit ihrer Auflösung dazu gezwungen, teilzunehmen“, betont Lang.

Noch heute rühme sich die Alpini-Vereinigung „Alto Adige“ auf ihrer Internetseite (http://www.ana-altoadige.it/index.php/storia), am selben Tag gegründet worden zu sein, an dem das Siegesdenkmal eingeweiht wurde und natürlich auch zahlreich daran teilgenommen zu haben.

„Die mehr als fragwürdige, kritiklose und geschichtlich nationalistisch angehauchte Jubiläumsfeier der ANA am heutigen Herz-Jesu-Tag und Bekenntnistag zur Einheit Tirols wirft mehr als einen Schatten auf die heutige Realität in Südtirol. Da die ANA in Bozen am 12. Juli 1928 gegründet wurde, hätte es zahlreiche Ausweichmöglichkeiten auf andere Sonntage gegeben“, schließt Roland Lang.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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3 Kommentare auf "Heimatbund: „Wo bleibt Aufarbeitung der eigenen Geschichte?“"


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Tabernakel
12 Tage 10 h

Und was unternimmt die STF? Spass-Reisen nach Katalonien?

Mitgequatscht
Mitgequatscht
Tratscher
12 Tage 4 h

Wenn man zusieht wie Eltern versuchen ihren Kleinkindern italienisch beizubringen, bevor sie richtig deutsch sprechen, könnte man meinen die Italianisierung se geglückt. Gott sei dank nur bis man beginnt wirklich zuzuhören und wieder einmal merkt, dass die deutschsprachigen Südtiroler die sich als vollblut-Italiener betrachten meist recht wenig Ahnung von der Sprache haben…

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
9 Tage 16 h

Die Aufarbeitung der Geschichte wird von systembezahlten “Historikern” geschrieben die schreiben was von ihnen erwartet wird. Mit der Wahrheit hat es wenig zu tun.

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