Erinnerung an die Folterungen

„Ich war kein Mensch mehr…“

Dienstag, 27. Juli 2021 | 12:47 Uhr

Bozen – Die Süd-Tiroler Freiheit erinnert an die schweren Folterungen, die nach der Feuernacht vor 60 Jahren in Südtirol begangen wurden. Dutzende Südtiroler wurden von den Carabinieri misshandelt. Franz Höfler (28) und Anton Gostner (42) starben an den Folgen der Torturen. Die Bewegung startet daher eine Erinnerungs-Aktion und bekräftigt eine alte Forderung.

Die Schilderungen von damals machen noch heute sprachlos: an Lippen und Genitalien ausgedrückte Zigaretten, tagelanges Stehen mit ausgestreckten Armen, Faustschläge und Fußtritte am ganzen Körper, tagelanger Entzug von Essen, Trinken und Schlaf, Folter mit Zangen und Riemen, Einflößen von Salzwasser und Fäkalien in den Mund, Elektroschocks, Streckfolter… Die Misshandlungen erfolgten mit ausdrücklicher Billigung der italienischen Behörden. Innenminister Mario Scelba lobte den „Einsatz“ der Carabinieri mit den Worten: „Il plauso della nazione tutta” (der Applaus der ganzen Nation). Die Carabinieri wurden für ihre Taten ausgezeichnet und befördert. Niemand wurde jemals zur Rechenschaft gezogen.

Um an diese schrecklichen Taten zu erinnern, startet die Süd-Tiroler Freiheit eine Online-Kampagne. Dabei werden einige Briefe auf der Webseite der Bewegung veröffentlicht, in denen die Opfer ihre Misshandlungen auf eindrückliche Weise schilderten. Außerdem wird vor einigen Gebäuden, in denen damals gefoltert wurde, für einige Tage eine Installation aufgestellt. Ein blutverschmiertes Hemd und eine Erklärtafel sollen an die damaligen Ereignisse erinnern. Denn vielen Frauen der Freiheitskämpfer wurde oft die zerfetzte und blutige Kleidung ihrer Männer nachhause geschickt.

Freiheitskämpfer endlich heim lassen

„Die Folterungen der Südtiroler Freiheitskämpfer durch die Carabinieri sind und bleiben eine brutale Verletzung der Menschenrechte und der Menschenwürde, die nie vergessen werden dürfen“, betonen die Landtagsabgeordneten Sven Knoll und Myriam Atz Tammerle.

An die mahnende Erinnerung an die grausamen Folterungen knüpfen die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit daher auch die Aufforderung an Italien, den noch immer im Exil lebenden Freiheitskämpfern endlich die Begnadigung bzw. Amnestie zu gewähren. „Italien schuldet Süd-Tirol dieses Zeichen der Wiedergutmachung! Es muss endlich ein Schlussstrich gezogen und die Freiheitskämpfer heimgelassen werden!“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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14 Kommentare auf "„Ich war kein Mensch mehr…“"


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anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Und die Diskriminierung der Deutschen Sprache geht fröhlich U munter weiter

algunder
algunder
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

und mir sein jetz im johr 2021 und net 1960
es hilft lei uans
LOS VON ROM

inni
inni
Superredner
1 Monat 21 Tage

hoi algunder … und wia solln sell gian? Ajo, wenn sich die Schützn mit die Feierwehrsleit zomtian, nor kannts vielleicht gelingen … und mitn Knoll Sven als Führer … 😜

inni
inni
Superredner
1 Monat 22 Tage

Das Bild, das er in seinem Buch und in dem TV-Interview mit der Tochter des ermordeten Carabiniere über sich abgegeben hat, ist für mich kein gutes. Er soll froh sein, in Freiheit leben zu dürfen. Im Unterschied zu vielen anderen Freiheitskämpfern, die für ihre Taten Folterung und Haft erleiden mussten, hat Steger für seine Taten nichts dergleichen erfahren.

Stolzz
Stolzz
Tratscher
1 Monat 22 Tage

Die damaligen Aktivisten haben meinen größten Respekt! Allerdings würde ich mir von ihm heute etwas versöhnlichere Worte wünschen, wenn es auch schwierig für ihn ist. Was ich mir auch wünschen würde, dass der Mord am Carabiniere Tiralongo lückenlos aufgeklärt wird. Die Südtirol-Aktivisten haben damit nämlich nichts zu tun, so jedenfalls erzählen es damalige Zeitzeugen. Italien hat ihnen den Mord aus politischem Opportunismus zugeschoben.

info
info
Superredner
1 Monat 22 Tage

Das waren schlimmste Verletzungen der Menschenwürde, die verurteilt gehören.
Die bis heute im Ausland Flüchtigen haben sich daraus jedoch das Recht gedreht, andere Menschen anzugreifen und zu töten, was sie zu Terroristen macht, großteils ohne Reue und ohne Einsicht. Und teils nicht mit den lautersten Motiven, aber da scheint die STF keine Berührungsängste zu haben.
Nur eine ehrliche Aufarbeitung wird zum wünschenswerten Schlussstrich führen.

The Hunter
The Hunter
Tratscher
1 Monat 22 Tage

wo isch die Ehrliche Aufarbeitung von seitn Italiens?? Solln sie amol die Folterknechte zur rechnschoft ziachn de Leit Togelong af geausamste Weise gefoltert hobn und dorvir vom Staat no mit Auszeichnungen belohnt wordn sein. Männer Foltern und in die Fraun is zwrissene und blutige Gewand schickn isch an schäbikeit net zu übertreffn

algunder
algunder
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

richtig sou !
mocht weiter!!!!!
i hoff bei den nägstn wohln donkn enk di leit !!
mit vollgas in die freiheit!!!

Italo
Italo
Superredner
1 Monat 22 Tage

Tramm weiter

The Hunter
The Hunter
Tratscher
1 Monat 22 Tage

@Italo wenn dir des net passt konsch jo mit vollgas iborn Stifl oidn und und untn die Folterknechte huldigen.

Südtirol ist nicht Italien

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

©Italo. Bozen hat gegen die Tram gestimmt.

Zugspitze947
1 Monat 22 Tage

Es wäre allerhöchste Zeit,aber große Hoffnung habe ich da leider nicht !  Italia wird eines Tages dafür bezahlen müssen dass man die Demokratie in den 60ern mit Füssen getreten hat und die geheimen Akten immer noch unter Verschluß hält 😡👌😡

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 22 Tage

Hallo nach Südtirol,

das ist politisches Juckpulver für alle welche diese Geschichten am liebsten in einem bodenlosen Eimer entsorgen würden.
Aber schnell mit Kerzen und Menschenketten bei der Hand sind für bedrohte Völker irgendwo in tiefen Urwäldern dessen Namen sie kaum schreiben oder deren Wohnsitz auf einem Globus verorten können.

Für mich persönlich steht es ausser Frage die damaligen Aktivisten haben unter Einsatz ihrer Lebens für ureigenste Völkerrechte gekämpft, das Recht auf Gebrauch der deutschen Sprache verteidigt und zum jetzigen Zustand massgeblich beigetragen.

Mein ehrendes Andenken haben sie

Auf Wiedersehen in Südtirol

Savonarola
1 Monat 22 Tage

für diese Opfer haben die heutigen Verfechter der Menschenrechte eigentlich herzlich wenig übrig. Es geht immer nur um die Rechte anderer.

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