US-Verteidigungsminister Hegseth

Iran und USA drohen einander mit Wiederaufnahme der Kämpfe

Dienstag, 05. Mai 2026 | 21:05 Uhr

Von: APA/AFP

Nach dem Beginn des US-Militäreinsatzes zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormuz haben der Iran und die USA einander mit Drohungen überzogen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Qalibaf erklärte, die Armee seines Landes habe mit den Angriffen “noch nicht einmal begonnen”. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth warnte vor der “vernichtenden Feuerkraft der USA”. Die VAE meldeten unterdessen Beschuss aus dem Iran, Teheran dementierte umgehend.

Parlamentschef Qalibaf bekräftigte die Ansicht Teherans, dass sein Land im Konflikt die Oberhand habe. “Wir wissen genau, dass die Fortsetzung der gegenwärtigen Situation für die Vereinigten Staaten unhaltbar ist, obwohl wir noch nicht einmal begonnen haben”, erklärte Qalibaf, der auch bei den Verhandlungen über ein Kriegsende die iranische Delegation anführt. Die “bösartige Präsenz” der USA am Persischen Golf werde abnehmen.

Die USA hatten am Montag einen Militäreinsatz zur Sicherung der für den Öl- und Gashandel immens wichtigen Straße von Hormuz mit dem Namen “Projekt Freiheit” begonnen. Ziel ist laut US-Präsident Donald Trump, wegen der iranischen Blockade festsitzende Schiffe aus der Meerenge hinaus zu “geleiten”.

Die US-Armee erklärte am ersten Einsatztag, dass mindestens sechs iranische Kleinboote angegriffen und zahlreiche Drohnen und Raketenangriffe abgewehrt worden seien, was Teheran dementierte. Iranische Medien hatten zuvor Raketenangriffe auf ein US-Militärschiff sowie Warnschüsse in der Nähe von US-Zerstörern gemeldet – was wiederum Washington zurückwies.

Der dänische Frachtriese Maersk meldete am Dienstag die erfolgreiche Durchfahrt eines seiner Schiffe. Der Frachter habe unter US-Flagge die Straße von Hormuz passiert, der Transit unter Eskorte des US-Militärs sei “ohne Zwischenfälle” verlaufen. Das iranische Militär hatte damit gedroht, alle US-Streitkräfte anzugreifen, die sich der Handelsroute nähern oder in sie einfahren.

USA beobachteten die Lage genau

US-Verteidigungsminister Hegseth sagte in Washington, zwar halte die vor knapp einem Monat mit dem Iran vereinbarte Waffenruhe derzeit noch, die USA beobachteten die Lage jedoch genau. US-Generalstabschef Dan Caine unterstrich, das US-Militär sei jederzeit bereit, “größere Kampfhandlungen” gegen den Iran wieder aufzunehmen, falls Präsident Donald Trump den entsprechenden Befehl erteile.

Hegseth machte zugleich klar, dass die USA von anderen Staaten einen Einsatz erwarteten, um den Frachtschiffsverkehr durch die Straße von Hormuz zu ermöglichen. “Wir sorgen dafür, dass sich die Lage stabilisiert, damit der Handel wieder in Gang kommt, aber wir erwarten, dass die Welt ihren Beitrag leistet”, sagte Hegseth und fügte an: “Zum geeigneten Zeitpunkt – und das wird bald sein – werden wir die Verantwortung wieder an euch übergeben.”

Iranische Attacke auf die Emirate

In der Golfregion setzten sich die militärischen Auseinandersetzungen unterdessen fort. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) teilten am Dienstag mit, dass ihre Luftabwehr den zweiten Tag in Folge im Dauereinsatz sei. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Abu Dhabi bekämpften die Systeme aktiv “Bedrohungen durch Drohnen und Raketen”, die direkt aus dem Iran abgefeuert worden seien. Am Montag war bei einem laut emiratischen Behörden vom Iran ausgehenden Drohnenangriff bereits eine Ölanlage im Emirat Fujairah beschädigt worden.

Das iranische Zentralkommando Khatam al-Anbiya wies die Vorwürfe zurück, in den vergangenen Tagen Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verübt zu haben. Zugleich warnte es vor einer “vernichtenden Reaktion”, sollten die VAE gegen den Iran vorgehen. Die Regierung in Abu Dhabi meldete dagegen den zweiten Tag in Folge Raketen- und Drohnenbeschuss aus dem Iran.

Auf diplomatischer Ebene startete der französische Präsident Emmanuel Macron einen weiteren Versuch einer Deeskalation. Er werde bald das direkte Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian suchen, sagte Macron in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Macron verurteilte die jüngsten iranischen Angriffe auf die Emirate scharf und forderte Teheran auf, die Blockade der Straße von Hormuz umgehend zu beenden.

Der iranische Außenminister Abbas Araqchi setzte unterdessen seine diplomatischen Reisen fort. Wie das Außenministerium in Teheran mitteilte, sollte er am Dienstag nach China reisen, um dort seinen Kollegen Wang Yi zu treffen. Im Vorfeld der Gespräche hatte Araqchi gesagt, die jüngsten Ereignisse in der Straße von Hormuz zeigten, dass es “keine militärische Lösung für eine politische Krise” gebe. Er machte das “militärische Abenteurertum” der USA für die erneuten Spannungen verantwortlich.

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