Von: APA/dpa/Reuters
Die israelische Luftwaffe hat am Sonntag erneut Attacken auf Ziele im Iran geflogen. Man habe eine neue Angriffswelle gegen militärische Infrastruktur im ganzen Land gestartet, teilte die Armee in der Früh auf Telegram mit. In der Nacht hatten Israels Kampfflugzeuge erstmals ein Öllager in der Hauptstadt Teheran bombardiert. In sozialen Medien kursierten Aufnahmen, die einen massiven Feuerball und aufsteigende, dunkle Rauchschwaden zeigten.
Die israelische Armee erklärte, die iranischen Streitkräfte nutzten die Tanks für ihre militärische Infrastruktur. Nach Angaben des iranischen Staatssenders IRIB bestätigten die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Iran, die Bombardierung einer Ölraffinerie.
Teherans Himmel verdunkelt
Der Himmel in Teilen Teherans verdunkelte sich. Dichte Rauchschwaden stiegen auf und verdüsterten am Sonntagmorgen den bewölkten Himmel, wie auf Bildern zu sehen war und Augenzeugen berichteten. “Obwohl wir heute in Teheran eine Wolkendecke haben, ist die derzeitige Dunkelheit des Himmels nicht natürlich und wird durch eine Kombination aus Rauch und Wolken verursacht”, sagte der Leiter des Zentrums für Krisenmanagement des iranischen Wetterdienstes der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA zufolge.
Die den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim warnte vor gesundheitlichen Schäden durch Schwefel- und Stickoxide in der Atmosphäre, die in Verbindung mit Regen gefährlich werden könnten. In dem Fall sollten die Menschen nach Möglichkeit das Haus nicht verlassen.
Trump droht mit Zerschlagung von iranischer Führung
US-Präsident Donald Trump erteilte unterdessen Verhandlungen mit dem Iran eine Absage und drohte mit der Zerschlagung der gesamten Staatsführung und des Militärs. Angesichts der Luftangriffe auf die Islamische Republik könnte die Frage nach Diplomatie irrelevant werden, sagte Trump am Samstag (US-Ortszeit) vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. “Irgendwann wird wohl niemand mehr übrig sein, der sagen könnte: ‘Wir ergeben uns.'”
Laut einem Agenturbericht hat sich der Expertenrat im Iran weitgehend über die Nachfolge des getöteten obersten Führers Ali Khamenei geeinigt. Es müssten aber noch einige Hürden bei dem Nachfolgeprozess ausgeräumt werden, sagte das Expertenratsmitglied Ayatollah Mohammadmehdi Mirbaqeri der Nachrichtenagentur Mehr zufolge. Laut iranischen Medien ist strittig, ob für die endgültige Entscheidung eine persönliche Zusammenkunft des Gremiums zwingend erforderlich ist.
Sterbliche Überreste von Soldaten in den USA
Am Samstag (US-Ortszeit) trafen die sterblichen Überreste von sechs im Iran-Krieg gestorbenen Soldaten in den USA ein. Auf israelischer Seite gab es offiziellen Angaben zufolge bisher zehn Tote. Der Iran hatte am Freitag erklärt, mindestens 1.332 iranische Zivilisten seien in dem Krieg ums Leben gekommen.
Nachdem im Streit über das iranische Atomprogramm keine Einigung erzielt worden war, hatten die USA und Israel vor gut einer Woche mit Angriffen auf den Iran begonnen. Trump begründet den größten US-Militäreinsatz in Nahost seit der Invasion des Irak 2003 mit einer unmittelbaren Bedrohung der USA durch den Iran. Beweise liefert er nicht. Der Iran reagiert mit Attacken auf US-Einrichtungen in der Region, wobei auch zivile Ziele in den Golfstaaten getroffen wurden.
Todesopfer in Dubai gemeldet
In Dubai teilten die Behörden am Samstagabend mit, ein Mann sei ums Leben gekommen, nachdem bei einem Luftabwehrmanöver Trümmerteile auf ein Fahrzeug gefallen seien. Bei einem anderen Zwischenfall gingen demnach Trümmerteile an der Fassade eines Hochhauses in der Dubai Marina nieder. Niemand wurde verletzt.
In Kuwait wurde das Gebäude der Behörde für Sozialversicherungen bei einem mutmaßlich iranischen Angriff getroffen. Es habe Schäden am Gebäude gegeben, teilte die Behörde in der Nacht mit. Man könne deshalb am Sonntag keine Besucher empfangen, in anderen Filialen seien Besuche aber weiterhin möglich. Zahlungen würden weiterhin elektronisch abgewickelt. Kuwaits Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe drei Raketen abgefangen. Zudem sei an “einigen zivilen Einrichtungen” Schaden durch herabfallende Trümmerteile nach Abwehreinsätzen entstanden.
Arabische Fernsehsender verbreiteten Aufnahmen aus der Nacht, die einen schweren Brand an dem Hochhaus über mehrere Stockwerke und auf dem Dach zeigen. Der Nachrichtenkanal Al-Arabiya zeigte die stark beschädigten oberen Stockwerke des Gebäudes nach dem Brand.
Kuwait meldet Tod von Feuerwehrleuten
Kuwait wird seit einer Woche zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten besonders stark angegriffen. Kuwaits Feuerwehr meldete am Sonntag den Tod von zwei Feuerwehrleuten, die “im Einsatz” ums Leben gekommen seien. Details wurden nicht genannt. In Kuwait kamen bei Angriffen bisher auch sechs dort stationierte US-Soldaten ums Leben.
Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Samstag und Sonntag iranische Drohnenangriffe. Iranischen Staatsmedien zufolge attackierten die iranischen Revolutionsgarden zudem US-Streitkräfte auf einem Stützpunkt in Bahrain.
Bahrain: Wasser-Entsalzungsanlage beschädigt
Der Iran traf bei seinen Angriffen in den Golfstaaten auch eine wichtige Anlage für die Aufbereitung von Trinkwasser. Bei einem Drohnenangriff sei eine Anlage zur Wasser-Entsalzung beschädigt worden, teilte Bahrains Innenministerium am Sonntag mit. Es handle sich um “iranische Aggression, die sich willkürlich gegen zivile Ziele” richte.
Ähnlich wie weitere der Golfstaaten ist das kleine Land Bahrain für seine Wasserversorgung stark auf die Entsalzung von Meerwasser angewiesen. Die Arabische Halbinsel ist eine sehr trockene Region mit nur wenigen natürlichen Süßwasser-Ressourcen. Die rund 400 Anlagen in den Golfstaaten, die vor allem mit Öl und Gas betrieben werden, produzieren etwa 40 Prozent des weltweit entsalzten Wassers.
Kritik nach Entschuldigung Pezeshkians
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hatte sich am Samstag bei den Nachbarstaaten für die Angriffe entschuldigt, stieß damit aber bei Hardlinern im eigenen Land auf Kritik. Er hatte auch ein Ende der Attacken in Aussicht gestellt, solange der Iran aus den betreffenden Ländern nicht angegriffen werde.
Am Sonntag erklärte Pezeshkian, seine Äußerungen seien von den Feinden des Iran falsch interpretiert worden. Sicherheitschef Ali Larijani wies Spekulationen zurück, dass es in iranischen Führungskreisen Differenzen über die Kriegsstrategie gebe.




Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen