Wieder israelische Angriffe auf Beirut

Israel weitet Offensive gegen Hisbollah im Libanon aus

Dienstag, 03. März 2026 | 21:43 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters/AFP

Am vierten Tag des Iran-Kriegs hat Israel seine Militäroffensive im Libanon gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz ausgeweitet. Nach AFP-Informationen rückten israelische Soldaten am Dienstag in Grenzregionen im Südlibanon vor. Die israelische Luftwaffe flog unterdessen weitere Angriffe auf Hisbollah-Hochburgen, nach Armeeangaben wurden seit Montag bereits mehr als 160 Ziele beschossen. Die Hisbollah meldete ihrerseits weitere Angriffe auf Ziele in Israel.

Verteidigungsminister Israel Katz kündigte die Einrichtung einer Pufferzone zum Schutz von Gemeinden im israelischen Grenzgebiet an. Katz zufolge sind die israelischen Streitkräfte angewiesen, “vorzurücken und weitere strategische Stellungen im Libanon unter Kontrolle zu bringen.” Als “vorausschauende Verteidigungsmaßnahme” verstärkte die Armee nach eigenen Angaben ihre Truppenpräsenz. Seit Montag werden Ortschaften und Städte im israelischen Grenzgebiet von der Hisbollah unter Beschuss genommen.

Israel erklärte weiterhin, keine groß angelegte Bodeninvasion im Libanon zu planen. Zugleich erklärte die Armee, “alle Optionen” seien auf dem Tisch.

Pufferzone im Libanon

Die israelische Armee kündigte überdies die Schaffung einer Pufferzone im Libanon an. Diese solle die Einwohner im israelischem Grenzgebiet zum Libanon vor “jeder Bedrohung” schützen, erklärte am Dienstag Armeesprecher Effie Defrin in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus libanesischen Sicherheitskreisen erfuhr, drangen israelische Bodentruppen bereits in eine Grenzregion im Südlibanon vor. Das Vorrücken der israelischen Bodentruppen erfolge in der Grenzregion von Kfar Kila und dem Khiam-Tal, sagte ein libanesischer Armeevertreter, der anonym bleiben wollte.

Auf der anderen Seite der Grenze zog die libanesische Armee nach Angaben aus Militärkreisen Soldaten von mehreren erst unlängst errichteten Grenzposten zurück. Nachdem es zu einer “Eskalation” seitens der israelischen Armee gekommen sei, habe die Armee die Soldaten aus Sicherheitsgründen von den Stellungen in ihre Hauptstützpunkte zurückgerufen, hieß es gegenüber AFP.

Israel: Bisher mehr als 160 Hisbollah-Ziele getroffen

Unterdessen flog die israelische Luftwaffe weitere Angriffe auf als Hisbollah-Hochburgen geltende Vororte im Süden von Beirut. Wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete, erfolgten die Attacken ohne vorherige Evakuierungsaufforderung und verursachten “erhebliche Schäden an Gebäuden”.

Die israelische Armee erklärte, sie habe “mehrere Terrorziele der Hisbollah” ins Visier genommen. Am Dienstag in der Früh hatte die Armee von Angriffen auf “Kommandozentralen und Waffenlager der Hisbollah in Beirut” geschrieben. Zuvor hatte die israelische Armee die Bewohner von 31 Dörfern im Süden des Libanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen und Einsätze gegen die Hisbollah angekündigt.

Insgesamt wurden nach jüngsten Angaben des israelischen Militärs seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe mit der Hisbollah mehr als 160 Ziele der pro-iranischen Miliz getroffen. Unter anderem seien Kämpfer der als Hisbollah-Eliteeinheit geltenden Radwan-Brigade attackiert worden. Der höchstrangige getötete Vertreter ist nach Armeeangaben bisher Hisbollah-Geheimdienstchef Hussein Mukalled.

Hisbollah griff erstmals seit Kriegsbeginn Großraum Tel Aviv an

Erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs feuerte die Hisbollah-Miliz wieder Raketen auf den Großraum der israelischen Großstadt Tel Aviv. Die israelische Armee teilte nach Sirenengeheul in der Küstenmetropole mit, es seien mehrere Geschosse identifiziert worden, die vom Libanon aus nach Israel geflogen seien. Die Luftabwehr habe die meisten davon abgefangen. Ein Geschoss sei auf offenem Gebiet niedergegangen.

Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, ein Mann habe Verletzungen erlitten, als er beim Rennen in den Schutzraum gestürzt sei. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die Hisbollah reklamierte ihrerseits weitere Angriffe auf Ziele in Israel für sich. Wie ein AFP-Journalist berichtete, wurde in der grenznahen Ortschaft Juval ein Haus von einer Rakete getroffen. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurde ein Mensch durch Glassplitter verletzt. Die Miliz attackierte zudem nach eigenen Angaben mehrere israelische Militäreinrichtungen. Am Dienstagnachmittag erklärte sie, einen Panzer der Armee ins Visier genommen zu haben.

Die Hisbollah drohte Israel mit einem erneuten offenen Krieg. Die “Ära der Geduld ist vorbei”, sagte der hochrangige Hisbollah-Funktionär Mahmud Komati in einer Mitteilung der Organisation. Lange Zeit habe sich die Hisbollah zurückgehalten. Doch der Staat sei nicht in der Lage, das Land vor den anhaltenden israelischen Angriffen zu schützen. “Wir können die Tötung unserer Bürger und die Zerstörung unserer Häuser nicht länger dulden”, sagte Komati. Wenn Israel eine Konfrontation suche, “dann soll es ein offener Krieg sein”.

UNO: 30.000 Menschen im Libanon verließen ihre Wohnungen

Die israelische Regierung hat bisher keine Evakuierung der Ortschaften in Grenznähe angeordnet. Auf libanesischer Seite verließen nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mindestens 30.000 Menschen ihre Wohnungen. Dies beruhe auf “konservativen Schätzungen”.

Nach Schließungen der US-Vertretungen in Saudi-Arabien und Kuwait wird indes auch der Betrieb an der US-Botschaft im Libanon vorerst eingestellt. Grund seien Spannungen in der Region, teilte die Botschaft am Dienstag mit. Ein Termin für die Wiederöffnung wurde nicht genannt.

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