Von: APA/AFP/dpa
Parallel zur jüngsten Eskalation mit dem Iran hat Israel seine Angriffe im benachbarten Libanon auf die pro-iranische Hisbollah-Miliz fortgesetzt. Die israelische Luftwaffe habe dort mehrere Orte im Süden bombardiert, berichtete die libanesische Staatsagentur NNA. Im Umfeld der Stadt Nabatiyeh seien dabei mindestens vier Menschen getötet worden. Israel greife die Stadt auch mit Artillerie an. Zudem rückten israelische Bodentruppen mit Maschinengewehren im Süden vor.
Aus Sicherheitskreisen hieß es, der schwere Beschuss der Stadt deute darauf hin, dass Israels Armee sich auf einen Vormarsch vorbereite. Auch der Hisbollah-Sender Al-Manar berichtete von neuen israelischen Angriffen auf etwa ein Dutzend Orte im Südlibanon. Die israelische Armee äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.
Nabatiyeh ist mehrheitlich von Schiiten bewohnt und ein wichtiger wirtschaftlicher Knotenpunkt für die Region und auch von symbolischer Bedeutung. Israel hat die Stadt seit den 1980er Jahren immer wieder angegriffen, wie auch im vergangenen Krieg mit der Hisbollah im Jahr 2024. Israels Armee hatte Anrainer vor rund einer Woche aufgefordert, ihre Häuser und die Stadt umgehend zu verlassen. Es gibt Vermutungen, dass israelische Bodentruppen die Stadt bald einnehmen könnten.
Vor gut einer Woche hatten die Truppen bereits Burg Beaufort aus dem 12. Jahrhundert eingenommen, die einen Blick über weite Gebiete im Libanon und die Golanhöhen bietet. Von dieser strategisch guten Position aus wäre auch ein Vormarsch in Richtung Nabatiyeh möglich.
Am gestrigen Sonntag hatte Israels Armee auf Anweisung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz erneut die Vororte von Beirut angegriffen. Der Iran, der wichtigste Unterstützer der Hisbollah im Libanon, griff Israel am selben Abend erneut mit Raketen an.
US-Appell an libanesische Regierung
Der US-Botschafter im Libanon, Michael Issa, bezeichnete den jüngsten israelischen Angriff im Raum von Beirut am Montag als eine “politische Botschaft”. Diese dürfe aber zu keiner noch schwereren Reaktion aus dem Libanon führen. “Wir in den Vereinigten Staaten haben beschlossen, die Konfrontation nicht noch weiter zu eskalieren”, sagte Issa laut einer Mitteilung des libanesischen Staatspräsidenten Joseph Aoun bei einem gemeinsamen Treffen am Montag.
Israels Armee hatte die als Dahieh bekannten Vororte der libanesischen Hauptstadt am Sonntag erneut angegriffen – trotz einer Warnung des Iran, dass solch ein Angriff eine erneute Eskalation nach sich ziehen würde. Am selben Abend griff der Iran dann Israel erneut mit Raketen direkt an. Der Iran ist der wichtigste Unterstützer der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon.
Die direkten Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter US-Vermittlung sollten in Washington weitergehen, sagte Issa laut der Mitteilung von Aouns Büro. US-Präsident Donald Trump spreche “ständig” über den Libanon, die Lage im Land sei für die US-Regierung von großer Bedeutung. In den Verhandlungen sei nun das “Eis gebrochen” und die USA wollten dem Libanon helfen, die “Krise” im Land zu überwinden.
Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit April eine faktisch kaum wirksame Waffenruhe. Israel und die Hisbollah greifen einander weiterhin an. Die libanesische Regierung ist selbst keine Kriegspartei und hat auch nur begrenzt Einfluss auf die Hisbollah.
Tunnelsystem entdeckt
Israels Armee hat zudem eigenen Angaben zufolge ein weitläufiges Tunnelsystem der Hisbollah unter der mittelalterlichen Burg Beaufort aufgedeckt. Die nur wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt gelegenen Tunnel hätten der Miliz als Basis für Einsätze gedient, erklärte die Armee am Sonntag. Das Tunnelsystem sei ein “zentraler Knotenpunkt der Terrororganisation Hisbollah in diesem Gebiet” gewesen, hieß es weiter.
Den Armeeangaben zufolge wurde das Tunnelsystem vom Iran finanziert und so konzipiert, dass es Hunderten Kämpfern Schutz bieten kann. In einem etwa einen Kilometer langen Tunnel hätten israelische Soldaten sechs unterirdische Schächte, einen als Waffenlager genutzten Raum, einen Panzerabwehrraketenwerfer, Panzerabwehrraketen, Munition, Kampfausrüstung, medizinische Ausrüstung sowie Wohnräume mit Duschen, Toiletten, einen Operationssaal und Küchen”, gefunden teilte das Militär mit.
Burg kürzlich eingenommen
Veröffentlichtes Videomaterial zeigt einen schmalen Tunnel, der den unterirdischen Gängen im Gazastreifen ähnelt und mit Betten, Toiletten und Haushaltsgegenständen ausgestattet ist. Israels Armee, die im Süden des Libanon eine Bodenoffensive ausführt, hatte die auf einem Hügel gelegene Burg Beaufort kürzlich eingenommen und sich somit wieder einen strategisch wichtigen Stützpunkt nahe der Grenze zu Israel verschafft.
Israel hatte die Burg bereits während seiner Invasion im Libanon 1982 erobert – nach einem langwierigen Kampf mit palästinensischen Kämpfern, die sich in den Tunneln versteckten. Israel nutzte die Burg bis zu seinem Abzug im Jahr 2000 als wichtigen Beobachtungs- und Abhörposten.




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