Von: APA/AFP/dpa/Reuters
Nach einer von Israel angekündigten Ausweitung des Militäreinsatzes im Libanon sind bei neuen Angriffen mehrere Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Drohnenangriff auf die Libanesische Universität am Standort im Süden Beiruts wurden am Donnerstag zwei Beschäftigte getötet, wie die Nachrichtenagentur ANI meldete. Bei Angriffen auf das Wohngebiet Aramun südlich von Beirut wurden laut Gesundheitsministerium fünf Menschen getötet und fünf weitere verletzt, darunter ein Kind.
Der Uni-Campus liegt am Rand der südlichen Vororte Beiruts. Das Gebiet gilt als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah. Donnerstagnachmittag griff die israelische Armee auch mitten im Zentrum von Beirut an.
“Was heute an der Fakultät für Naturwissenschaften geschehen ist, ist ein Verbrechen, das nach allen Maßstäben zu verurteilen ist”, erklärte der libanesische Präsident Joseph Aoun nach dem Angriff auf die Universität. Es sei “ein neues Kapitel der gezielten Angriffe auf Zivilisten.”
Durch mehrere Angriffe wurde ein Gebäude im Zentrum der libanesischen Hauptstadt getroffen, wie AFP-Journalisten beobachteten. Auf Bildern von AFPTV war zu sehen, wie dunkler Rauch über dem Zentrum Beiruts aufstieg. Die israelische Armee bestätigte, dass sie “terroristische Infrastruktur” der pro-iranischen Hisbollah-Miliz angegriffen habe. Auch ein Büro einer mit der Hisbollah verbundenen Finanzgesellschaft wurde laut AFP-Reportern getroffen.
Zuvor hatte die israelische Armee die Bevölkerung dazu aufgerufen, das Zentrum von Beirut zu verlassen. Es war der erste Angriff auf die Innenstadt von Beirut mitten am Tage seit Beginn des Iran-Krieges.
Attacken auch im Süden des Landes
ANI meldete außerdem mehrere weitere israelische Angriffe auf Gebiete im Süden des Landes. Die israelische Armee hatte den Evakuierungsaufruf für den Südlibanon ausgedehnt.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz hatte laut einer Erklärung seines Ministeriums Aoun zuvor gewarnt, dass Israel Gebiete im Südlibanon einnehmen und dort selbst für Sicherheit sorgen werde, falls die libanesische Regierung nicht in der Lage sein sollte, den Südlibanon zu kontrollieren und die Hisbollah-Miliz davon abzuhalten, den Norden Israels zu bedrohen und anzugreifen.
Zahl der Toten gestiegen
Unterdessen erhöhte sich die Zahl der Todesopfer nach dem israelischen Angriff von Donnerstagfrüh auf das Küstengebiet Ramlet al-Baida in Beirut auf zwölf, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte. Weitere 28 Menschen wurden demnach verletzt.
Ein AFP-Journalist sah in Ramlet al-Baida beschädigte Fahrzeuge und Blutflecken auf dem Gehsteig. Eine Augenzeugin sagte, sie habe mehrere Leichen gesehen. Die Frau hatte in einem Zelt in der Nähe übernachtet, da sie vor israelischen Angriffen in einer anderen Gegend im Libanon geflohen war.
Der israelischen Armee zufolge hatten die Hisbollah und der Iran in der Nacht auf Donnerstag erneut angegriffen. Die libanesische Miliz habe mit rund 200 Raketen und 20 Drohnen angegriffen, sagte Armeesprecher Nadav Shoshani. Aus dem Iran seien zugleich mehrere ballistische Raketen abgefeuert worden. Der Raketenangriff der Hisbollah sei der größte seit Beginn des Iran-Krieges, sagte Shoshani weiter. Bereits am Mittwochabend hatte die Hisbollah nach israelischen Angaben mehr als 100 Raketen auf Israels Norden abgefeuert.
Libanon-Einsatz “wird nicht kurz sein”
Nach den Worten von Israels Generalstabschef Eyal Zamir bereitet sich sein Land auf eine längere militärische Auseinandersetzung mit der Hisbollah vor. “Dieser Einsatz wird nicht kurz sein”, sagte Zamir nach einer Lageeinschätzung im Norden Israels. Er kündigte zudem an, zusätzliche Truppen an die israelisch-libanesische Grenze zu verlegen.
Zamir betonte, die Terrormiliz habe mit ihren Angriffen auf israelische Ziele einen schweren Fehler begangen und werde “weiterhin einen hohen Preis dafür zahlen”. Die libanesische Regierung setze ihre Autorität innerhalb ihres Territoriums nicht durch – “deshalb werden wir es tun”, erklärte Zamir weiter.
Verteidigungsminister Israel Katz hatte sich erst kürzlich ähnlich geäußert und dem Libanon mit der Ausweitung des Einsatzes sowie mit der Einnahme von Gebieten gedroht. Sollte die Regierung in Beirut nicht in der Lage sein, die Hisbollah davon abzuhalten, auf israelische Orte zu feuern, werde Israels Armee “das Gebiet einnehmen und die Sache selbst in die Hand nehmen”, sagte Katz.
Im Zuge des US-israelischen Krieges gegen den Iran war auch der militärische Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel wieder eskaliert.




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