Besorgnis nach Drohneneinschlag in Galati

NATO unterstützt Rumänien gegen russische Drohnen

Freitag, 29. Mai 2026 | 23:23 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Nach einem Drohnenvorfall sichert die NATO Rumänien Unterstützung und den Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten zu. Zuvor hatte eine russische Drohne in der Stadt Galați nahe der Grenze zur Ukraine ein Hochhaus getroffen. Zwei Personen wurden verletzt. Es hagelte internationale Proteste, unter anderem von NATO und EU. Russland wies die Vorwürfe zurück, warnte aber die europäischen Staaten vor weiteren Drohnenvorfällen. Österreich bestellte den russischen Botschafter ein.

Nach Angaben der NATO kam die Drohne, die in das Wohnhaus in Rumänien einschlug, aus Russland. Der Sprecher des NATO-Oberkommandos der Alliierten Streitkräfte in Europa (Shape), Martin O’Donnell, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Drohne sei “russisch”.

Russlands Präsident Wladimir Putin wies jedoch den Vorwurf zurück, russische Drohnen hätten Rumänien beschossen. “Niemand kann sagen, woher der eine oder andere Flugapparat stammt, bevor keine Expertise vorgenommen wurde”, sagte Putin vor russischen Journalisten in Kasachstans Hauptstadt Astana. Wahrscheinlich sei eher eine ukrainische Drohne vom Kurs abgekommen, behauptete er. In der Vergangenheit seien auch in Finnland, dem Baltikum und Polen verirrte ukrainische Drohnen heruntergekommen – und jedes Mal sei zunächst Russland beschuldigt worden. Moskau sei aber zur Aufklärung des Falls bereit, fügte Putin hinzu. Dazu forderte der Kremlchef die Übergabe der Drohnentrümmer.

Verteidigungsrat einberufen

Zuvor hatte der rumänische Präsident Nicușor Dan den Nationalen Verteidigungsrat einberufen, um “angemessene” Maßnahmen gegen Russland zu erörtern. Der EU- und NATO-Staat warf Russland nach dem Einschlag eine “schwere und unverantwortliche Eskalation” vor. Bukarest werde die notwendigen diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um auf diesen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und die Verletzung seines Luftraumes zu reagieren, teilte das Außenministerium mit.

Rumänien wird es nach den Worten von Dan nicht hinnehmen, dass der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf seine Bevölkerung übergreife. Das Land berief den russischen Botschafter ein. Außerdem wurde der russische Konsul in der Hafenstadt Constanța von Rumänien ausgewiesen, das dortige Konsulat werde geschlossen. Das russische Außenministerium kündigte eine rasche Reaktion auf die Konsulatsschließung an.

Meinl-Reisinger bestellt russischen Botschafter ein

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verurteilte den Angriff auf der Online-Plattform X auf “das Schärfste!”. Der russische Drohnenangriff auf Wohngebäude in Rumänien sei eine weitere gefährliche Eskalation und “absolut verwerflich”, schrieb Stocker. Man stehe in “voller Solidarität hinter unseren Freunden und Partnern in Rumänien” und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung. Österreich unterstütze zudem uneingeschränkt die gemeinsamen europäischen Bemühungen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Verteidigungsfähigkeiten gegen die Bedrohung durch Drohnenangriffe.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bestellte nach dem Drohnenangriff den russischen Botschafter in Österreich ein. Sie verurteilte in einem Statement den Angriff und sagte, dass Europa sich nicht einschüchtern lassen werde. “Jeder neue Angriff lässt Europa nur enger zusammenrücken.”

NATO-Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten

Rumänien informierte die Verbündeten und NATO-Generalsekretär Mark Rutte über den Vorfall. Zudem habe man darum gebeten, den Transfer von Drohnenabwehrkapazitäten nach Rumänien zu beschleunigen, teilte das Außenministerium in Bukarest mit. Die NATO stellte Rumänien einen Ausbau der Abwehrfähigkeiten in Aussicht.

NATO-Generalsekretär Rutte sprach Rumänien die “uneingeschränkte Solidarität” der NATO aus, wie er am Freitag im Onlinedienst X schrieb. Das rücksichtslose Verhalten Russlands sei eine Gefahr für alle und der Einschlag zeige erneut, dass die Auswirkungen des illegalen Angriffskrieges nicht an den Grenzen Halt machten. Die NATO sei bereit, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu verteidigen. Das Bündnis werde seine Abschreckung und Verteidigung stärken und die Ukraine weiterhin unterstützen.

Der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, schrieb auf X: “Wir stehen an der Seite unseres NATO-Verbündeten Rumänien und verurteilen dieses rücksichtslose Eindringen in sein Territorium.” Er nannte Russland dabei namentlich nicht. Seine Gedanken seien bei den Verletzten. Die USA würden jeden Zentimeter des NATO-Territoriums verteidigen.

Neben den USA und Österreich kritisierten auch Frankreich, Deutschland und Großbritannien die Verletzung des NATO-Luftraums scharf. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot warf Moskau eine “unverantwortliche Handlung” vor. Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete das Geschehen als “extrem gefährlich”. Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte: “Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen.”

Unterstützung “in jeder erforderlichen Weise”

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach davon, mit dem Drohneneinschlag in Rumänien habe Russland erneut eine Grenze überschritten. “Wir stehen voll und ganz solidarisch an der Seite Rumäniens und seines Volkes”, erklärt sie in einem Beitrag auf X. “Während wir unsere Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen, insbesondere an unserer Ostgrenze, weiter verstärken, werden wir den Druck auf Russland weiter erhöhen.”

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sicherte Rumänien Unterstützung “in jeder erforderlichen Weise” zu. Zudem drang er auf neue, wirksame Sanktionen der EU gegen Russland. Die Strafmaßnahmen müssten so stark sein, dass Russland die erheblichen Verluste durch seine Angriffe im eigenen Land spüre, schrieb Selenskyj auf X.

Einschlag wenige Kilometer von ukrainischer Grenze

Das Verteidigungsministerium in Bukarest erklärte, Russland habe in der Nacht auf Freitag in der Ukraine in Grenznähe erneut zivile Ziele und Infrastruktur mit Drohnen angegriffen. Eine davon sei in den rumänischen Luftraum eingedrungen und über dem Hochhaus in Galați abgestürzt. Die Drohne habe sich vier Minuten lang im rumänischen Luftraum befunden, sagte Brigadegeneral Gheorghe Maxim auf einer Pressekonferenz. Sie sei so tief geflogen, dass sie vom Radar kaum zu orten gewesen sei.

Ein auf Explosionen spezialisiertes Ermittlerteam machte sich in der Nacht auf den Weg zum Einsatzort. Zwei Kampfflugzeuge der Luftabwehr vom Typ F-16 seien um 01:19 Uhr vom Militärstützpunkt Fetești aufgestiegen, unterstützt von einem Hubschrauber der rumänischen Luftwaffe.

Auf die Frage, warum die Streitkräfte des Landes die Drohne trotz Sichtung auf dem Radar nicht abgeschossen hätten, erklärte der rumänische Verteidigungsminister Radu Miruta, ein Abschuss über bewohntem Gebiet hätte noch mehr Schaden angerichtet und Menschenleben gefährdet als der Absturz selbst. Schwierig sei ein Abschuss auch, weil Rumänien bei derartigen Manövern den Luftraum eines anderen Staates nicht verletzen dürfe. Zugleich beklagte das Verteidigungsministerium, dass man aufgrund rechtlicher Einschränkungen Radargeräte nicht an den geeignetsten Stellen platzieren könne. Eine 53 Jahre alte Bewohnerin und ihr 14-jähriger Sohn erlitten leichte Brandwunden. Galați liegt an der Donau, die Grenzen zur Republik Moldau und zur Ukraine sind jeweils nur wenige Kilometer entfernt.

Mehrfach russische Drohnentrümmer im Grenzgebiet gefunden

Russland greift die benachbarte Ukraine immer wieder mit zahlreichen Drohnen an. Dabei gab es auch einzelne Fälle, bei denen Drohnen den Luftraum von NATO-Staaten verletzten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bukarest verletzten russische Drohnen 28-mal den rumänischen Luftraum, seit Russland mit den Angriffen auf ukrainische Häfen an der Donau begann. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen Russlands Angriffskrieg. Rumänien grenzt auf einer Länge von 650 Kilometern an die Ukraine.

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