Von: APA/dpa
Nach Angaben der Oppositionspartei National Unity Platform (NUP) in Uganda ist ihr Präsidentschaftskandidat Bobi Wine einen Tag nach der Wahl in einem Armeehelikopter entführt worden. Ein Armeehubschrauber sei “auf dem Gelände” von Wine gelandet und habe ihn “gewaltsam an einen unbekannten Ort verschleppt”, schrieb die NUP auf X.
Kurz zuvor hätten staatliche Sicherheitskräfte die Stromversorgung zur Residenz von Wine, einem ehemaligen Musiker, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi heißt, unterbrochen und Wines Sicherheitspersonal angegriffen, um gewaltsam in das Haus einzudringen, hieß es weiter. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.
In dem ostafrikanischen Land mit rund 50 Millionen Einwohnern ist bereits seit Dienstagabend das Internet gesperrt und der Zugang zu sozialen Medien blockiert. Zudem verbot die Regierung Journalisten, über eventuelle Proteste und Unruhen zu berichten. Aktivisten hatten bereits im Wahlkampf Repressionen gegen Oppositionskandidaten und ihre Anhänger kritisiert. Das UN-Menschenrechtskommissariat äußerte Besorgnis über “unzulässige Einschränkungen” der Opposition durch staatliche Sicherheitskräfte.
Amtsinhaber regiert seit 40 Jahren – Wine schärfster Gegner
Am Donnerstag waren mehr als 21 Millionen Menschen zu Präsidenten- und Parlamentswahlen aufgerufen. Der 81 Jahre alte Amtsinhaber Yoweri Museveni, der seit 40 Jahren in Uganda regiert, strebt eine siebente Amtszeit als Präsident an. Sein schärfster Rivale ist der 44-jährige Wine, der besonders bei jungen Leuten beliebt ist, die demografisch die Mehrheit der Bevölkerung stellen.
Die staatliche Wahlkommission verkündete am Freitag nach Auszählung von etwa der Hälfte der abgegebenen Stimmen, Museveni liege mit rund 74 Prozent vorn, gefolgt von Wine mit etwa 22 Prozent der Stimmen. Das endgültige Ergebnis wird am Samstag erwartet.
Gewaltakte nach Wahl am Donnerstag
Die Wahlen am Donnerstag waren von massiven technischen Problemen überschattet worden. In vielen Wahllokalen startete der Urnengang mit mehrstündiger Verspätung. Die Opposition beschuldigte die Regierung der Wahlfälschung. Grund für die Verzögerungen waren nicht funktionierende biometrische Geräte zur Feststellung der Identität der Wähler sowie nicht gelieferte Wahlurnen. Einige Wahllokale führten die Probleme auch auf eine von der Regierung am Dienstag verhängte Internetsperre zurück.
Der Generalsekretär der oppositionellen National Unity Platform (NUP), David Lewis Rubongoya, sprach von einer “Farce”. Wine warf der Regierung “massive Wahlfälschung” vor und beschuldigte sie, unter dem Deckmantel der Internetsperre Mitglieder seiner Partei festgenommen zu haben.
In der Nacht auf Freitag kam es in der Stadt Butambala, etwa 55 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kampala, zu gewaltsamen Zwischenfällen. Eine Menschenrechtsaktivistin berichtete unter Berufung auf die Ehefrau eines Parlamentsabgeordneten, Soldaten und Polizisten hätten mindestens zehn Anhänger der Opposition getötet. Die Oppositionellen hätten sich im Haus des Abgeordneten versammelt. Die örtliche Polizei wies diese Darstellung zurück. Ihr zufolge hatte eine Gruppe von Angreifern eine Polizeistation attackiert. Die Polizei habe in Notwehr geschossen, wobei es Tote und Verletzte gegeben habe. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Umstände der Geschehnisse nicht unmittelbar überprüfen.




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