Von: apa
Am Dienstag ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen Beran A. wegen eines mutmaßlich verhinderten Terroranschlags auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion fortgesetzt worden. Der zweite Verhandlungstag begann mit der Befragung des Zweitangeklagten Arda K. Die beiden Anhänger der radikalislamischen Terror-Miliz “Islamischer Staat” (IS) sollen mit einem Dritten Teil einer anschlagsbereiten Terror-Zelle gewesen sein. Arda K. gab das zu.
Prozessgegenstand ist neben dem mutmaßlich verhinderten Swift-Attentat ein Anschlag in Mekka. Beran A. und der mitangeklagte Arda K. sollen ihren ehemaligen Schulfreund Hasan E. zu dem Terrorakt bewogen haben. Das stellte Arda K. in Abrede. Er habe keinen psychischen Tatbeitrag zum Vorgehen von Hasan E. geleistet: “Es war umgekehrt. Er hat mich dazu gebracht.” Arda K. und Beran A. zogen von ihren geplanten Anschlägen in Istanbul bzw. Dubai in letzter Sekunde zurück.
Ihr gemeinsamer Tatplan sah laut Anklage vor, am 11. März 2024 getrennt voneinander in Mekka, Istanbul und Dubai zeitgleich Polizisten oder Sicherheitsleute zu töten. Während Beran A. und Arda K. jeweils unverrichteter Dinge aus Dubai und Istanbul zurückkehrten, stach Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee in Mekka einem Sicherheitsbeamten ein Messer in den Hals und verletzte vier weitere Personen, ehe er überwältigt werden konnte. Der 21-Jährige wartet seither in einem Gefängnis in Saudi-Arabien auf den Ausgang seines von den saudischen Behörden geführten Strafverfahrens. Die beiden Angeklagten bestritten am ersten Verhandlungstag, Hasan E. in seinen Absichten unterstützt zu haben.
“Das Ziel war, dass sich die Welt fragt, warum drei Muslime in drei muslimischen Ländern Anschläge machen”, sagte Arda K. am Dienstag vor Gericht. Man hätte “ein Zeichen” setzen wollen, und “muslimische Geschwister” wie die Uiguren oder Palästinenser “rächen” wollen.
“Mein einziger radikalislamistischer Freund”
Er habe die Schule abgebrochen, “weil ich damals radikal war”, räumte Arda K. vor den Geschworenen ein. Hasan E. sei “mein einziger radikalislamistischer Freund” gewesen, mit dem er “sehr eng” war. Dieser habe ihn beeinflusst. Er habe mit diesem “über alles Mögliche sprechen können”, während er mit anderen Freunden “Spaß hatte”. Er habe “keinen Sinn in der Schule und die Matura zu machen” gesehen, schilderte der in Wien aufgewachsenen Sohn eines türkischen Vaters und einer slowakischen Mutter.
Hasan A. habe ihm das Gedankengut des IS nahe gebracht. Auf die Frage, ob er Mitglied des IS gewesen sei, erwiderte Arda K: “Kann man so sagen.” In der Schule habe er von einem Tschetschenen IS-Material bekommen. Später habe er sich auch mit Beran A. angefreundet. Dieser sei im Sommer 2023 “auf der schiefen Bahn gewesen”, er habe ihm daher “Inshallah, lass dich nicht vom geraden Weg abbringen” mitgeteilt. Er hätte für Beran A. “ein Vorbild” sein wollen.
“Jeder, der sich dem IS nicht unterordnet, muss bekämpft werden”, übernahm Arda K. von Hasan E. “Der Hasan mochte generell Saudi-Arabien nicht”, weil in jedem muslimischen Land die Scharia herrschen müsse, erinnerte sich Arda K.
LSE führte Präventivgespräch
Der 21-Jährige gab zu, dass er sich im Dezember 2023 mit Ausreiseplänen nach Syrien beschäftigte: “Ich hatte den Willen.” In der Schule war die radikale Gesinnung des Burschen aufgefallen. Die Schulleitung verständigte das Wiener Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE), weil er Berührungen mit Mitschülerinnen vermied. Der Staatsschutz führte mit Arda K. ein Präventivgespräch.
Im Jänner 2024 habe ihm Hasan E. von seinem Vorhaben erzählt, “in Mekka einen Anschlag zu begehen.” “Ich war zu dem Zeitpunkt radikal, aber ich war nicht bereit, auf Menschen los zu gehen”, behauptete Arda K. Sein Freund habe jedoch erklärt, dass er “schon zu tief drinnen” sei und man auch ihn, Arda K., festnehmen werde.”Willst du zehn, zwanzig Jahre hinter Gitter sein, oder eine ‘gute Sache’ machen und dann hast du es hinter dir”, hätte Hasan E. zu ihm gesagt. Arda K. sei es daher “logisch vorgekommen, wenn ich zeitgleich mit ihm einen Anschlag mache”.
Da Hasan E. befürchtete, Arda K. könnte für ihn “eine Last in Mekka” sein, habe dieser ihm als Anschlagsziel Istanbul vorgeschlagen und Tickets nach Istanbul gebucht, gab der Angeklagte zu Protokoll: “Dort gibt es alle fünf bis zehn Meter Polizisten und Wachebeamte.” Hasan habe ihm aufgetragen “Arda, du nimmst ein Messer und läufst auf einen Beamten los, dann wird man dich durchlöchern”. Ziel sei es gewesen, “dass ich dort draufgehe.” Wie beim Prozessauftakt Ende April schon Beran A., stellte auch Arda K. Hasan E. als die treibende Kraft unter den Dreien dar: “Man muss ja auch Verantwortung für die eigenen Taten übernehmen, aber es hat schon ein psychischer Druck geherrscht.”
“Das Wichtige war, dass wir das zeitgleich ausführen”
Erst als er in Istanbul war, habe er erfahren, dass Hasan auch Beran A. “miteingebaut” habe. Dieser sei nach Dubai geflogen. Das Wichtige war, dass wir das zeitgleich ausführen”, betonte Arda K. Zur vereinbarten Uhrzeit – “17.00 Uhr oder so” – habe er “nicht auf einem Menschen losgehen können und alles (gemeint: ein Messer, das Handy, alle Ausweise, Anm.) weggeworfen”: Auf die Frage, warum er den Anschlag nicht ausgeführt habe, erwiderte der 21-Jährige: “Weil ich kein Mörder bin.” Vorzuwerfen habe er sich, Hasan E. nicht von seinen Anschlagsplänen abgebracht zu haben. “Fakt ist: Ich hätte ihn aufhalten können”, so der Angeklagte.
Von Swift-Anschlagsplänen aus den Medien erfahren
Von dem mutmaßlichen vereitelten Anschlag auf das Taylor Swift-Konzert habe er aus den Medien erfahren, sagte Arda K. aus. Als er von “einem 19-Jährigen aus Ternitz mit nordmazedonischen Wurzeln” gelesen habe, habe er sofort an Beran A. gedacht. Im nächsten Bericht sei dann auch ein Bild gewesen, da sei es ihm klar gewesen. Zum Ende ihrer Befragung wollte die Vorsitzende von ihm wissen, was er “als freier Mann” zuerst tun würde. “Ich wurde halt zwei Wochen vor der Matura festgenommen. Das ist ein bisserl blöd”, betonte Arda K., sich auf seine Ausbildung fokussieren zu wollen.




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