Arbeit im Ruhestand erleichtern - neue Lösung des hds

Moser: “Wer freiwillig weiterarbeitet, bekommt mehr Netto”

Dienstag, 12. Mai 2026 | 10:28 Uhr

Von: mk

Bozen – Rentnerinnen und Rentnern den freiwilligen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt bzw. die Fortsetzung einer beruflichen Tätigkeit erleichtern: Vor kurzem hat der Südtiroler Landtag zum Thema Anreize für längeres Arbeiten im Alter einen Begehrensantrag mehrheitlich angenommen. Nun sieht der Wirtschaftsverbandes hds dazu eine konkrete Lösung vor. Dieser arbeitet aktuell gemeinsam mit SVP-Senator Meinhard Durnwalder an einem entsprechenden Gesetzesvorschlag. Ziel ist es, dem zunehmenden Arbeitskräftemangel gezielt entgegenzuwirken – insbesondere in Regionen und autonomen Provinzen mit strukturell niedriger Arbeitslosigkeit wie Südtirol.

„Viele Betriebe suchen händeringend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gleichzeitig gibt es Menschen im Ruhestand, die bereit wären, weiterhin oder wieder zu arbeiten – oft in Teilzeit, mit Erfahrung, Verlässlichkeit und hoher Motivation. Der Staat darf diese Bereitschaft nicht ausbremsen“, betont hds-Präsident Philipp Moser.

Der Vorschlag des hds sieht ein befristetes Pilotmodell für Gebiete mit niedriger Arbeitslosenquote vor. In diesen Regionen soll für bereits pensionierte Personen mit voll kumulierbarer Pension ein besonderer Beitragsmechanismus gelten: Die auf das zusätzliche Erwerbseinkommen entfallenden Pensionsbeiträge – sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmeranteil – sollen nicht als weitere Pensionsbeiträge gutgeschrieben, sondern als steuerpflichtige, aber beitragsfreie Weiterarbeitsprämie direkt an die pensionierte Person ausbezahlt werden.

„Folgendes Rechenbeispiel zeigt den großen Vorteil dieses Modells auf – und das ohne Mehrkosten für Unternehmer oder Mitarbeiter und somit am Ende eine Win-win-Situation für beide Seiten“, erklärt Moser.

Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro/Monat (netto ca. 2.150 Euro), würde der Rentner laut Vorschlag des hds einen Zusatzlohn von ca. 1.000 Euro/Monat (netto ca. 650 Euro) erhalten. Diese Summe entspricht nämlich dem Beitrag, der normalerweise von Arbeitnehmer und Arbeitgeber für Alters‑, Invaliditäts‑ und Hinterbliebenenrenten in die INPS einbezahlt wurde – jetzt aber der Rentner zusätzlich direkt auf seinem Lohnstreifen bekommen würde und entsprechend versteuert wird.

hds

„Es geht nicht um eine Begünstigung nach dem Gießkannenprinzip und auch nicht um Verdrängung am Arbeitsmarkt“, stellt Moser klar. „Es geht um eine freiwillige, gezielte und zeitlich begrenzte Maßnahme für jene Regionen, in denen Arbeitskräfte fehlen. In Südtirol ist das Problem längst Realität: Offene Stellen bleiben unbesetzt, Betriebe müssen Leistungen einschränken, und wertvolle Erfahrung geht verloren.“

Der bestehende Rechtsrahmen mache Weiterarbeit für viele Pensionistinnen und Pensionisten finanziell unattraktiv. Zusätzliches Einkommen wird progressiv besteuert und mit der Pension zusammengerechnet; gleichzeitig fallen Pensionsbeiträge an, obwohl daraus kein oder nur ein sehr begrenzter zusätzlicher Pensionsnutzen entsteht. „Das ist ein klassischer Fehlanreiz“, so Moser. „Wer arbeitet, muss am Ende auch einen spürbaren Mehrwert haben.“

Der hds verweist darauf, dass der Ansatz keinen Systembruch darstellt, sondern an bereits bestehende Mechanismen im italienischen Sozialversicherungsrecht anknüpft – etwa an den Anreiz zum Aufschub des Pensionsantritts. Dieses Prinzip soll nun gezielt auf bereits pensionierte Personen übertragen werden, jedoch nur in klar definierten Personalmangellagen.

„Erfahrene Arbeitskräfte können gerade im Handel, in der Gastronomie, im Dienstleistungsbereich und in vielen kleineren Betrieben eine wichtige Rolle spielen – nicht als Ersatz für junge Menschen, sondern als Ergänzung dort, wo niemand verdrängt wird, weil die Stellen ohnehin nicht besetzt werden können“, erklärt abschließend Moser.

Bezirk: Bozen

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