"Besser über die eigene Sicherheit nachdenken

Putin-Sprecher bedroht NATO-Mitglied Polen

Montag, 06. Juli 2026 | 08:03 Uhr

Von: mk

Moskau – In einem Interview im Rahmen der russischen Fernsehsendung „Vesti“ hat Kremlsprecher Dmitri Peskow eine kaum verhohlene Drohung gegen Polen ausgesprochen. Wörtlich warnte er das NATO-Mitglied, „über die eigene Sicherheit nachzudenken“.

Peskow warf Polen vor, die Ukraine militärisch zu unterstützen und auf eigenem Territorium die Produktion von Drohnen zu erlauben, die für die Ukraine bestimmt seien und „auf uns abgefeuert werden und unsere Soldaten treffen“. Um seine Drohung zu bekräftigen, erklärte Peskow, das russische Verteidigungsministerium sei bereits darüber im Bilde, wo sich die Produktionsstätten der Drohnen in Polen befänden. „Warschau tut gut daran, besser über die eigene Sicherheit nachzudenken“, so der Kremlsprecher.

Sprach Moskau bislang stets von einer „Spezialoperation“ in der Ukraine und stellte den Gebrauch des Begriffs „Krieg“ für die Invasion des Nachbarlandes unter Strafe, geht die russische Führung nun einen neuen Weg und spricht ebenfalls von einem Krieg. Dass die Spezialoperation zu einem Krieg ausgeartet sei, sei allerdings die Schuld des Westens, der Kiew unterstütze. Diese Position bekräftigte auch Peskow im Interview.

Zuvor hatten US-amerikanische Geheimdienste Polen vor einer gezielten russischen Sabotageaktion oder Provokation gewarnt. Eine solche „begrenzte und leicht zu leugnende“ Aktion könnte dazu dienen, den Zusammenhalt und die kollektive Reaktionsfähigkeit des NATO-Bündnisses auf die Probe zu stellen.

Peskows Drohungen gegen Polen kommen auch politisch zur Unzeit. Wie n-tv berichtet, entspinnt sich in Warschau ein innenpolitischer Streit wegen einer Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen an die Ukraine, die bereits im Frühjahr erfolgt sein soll. Die nationalkonservative PiS und andere rechte Oppositionsparteien kritisieren, dass die Entscheidung am Parlament und am Präsidenten vorbei getroffen worden sei. Zudem brauche Polen die PAC-3-Munition für das US-Flugabwehrsystem als „Schlüsselelement der Verteidigung des polnischen Luftraums gegen ballistische Raketen und andere hochentwickelte Bedrohungen“ selbst. Die Regierung müsse die Sache sofort aufklären, verlangte der ehemalige Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak, mittlerweile PiS-Fraktionschef, in einem Beitrag auf der Plattform X.

Der aktuelle polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz ließ derweil offen, ob Polen Raketen aus eigenen Beständen abgetreten oder der Ukraine lediglich den Vortritt bei Bestellungen in den USA gelassen habe. Dass Russland gerade jetzt Drohungen gegen Polen ausspricht, dürfte kein Zufall sein.

Der russische Krieg gegen die Ukraine dauert mittlerweile länger als der Erste Weltkrieg und der Große Vaterländische Krieg – wie der deutsch-sowjetische Krieg als Teil des Zweiten Weltkriegs in Russland genannt wird. Während Russland an der Front kaum vorankommt und immense Verluste erleidet, nimmt die Ukraine vermehrt die russische Energieinfrastruktur ins Visier. Eigenen Angaben zufolge hat die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Kernland fast verdoppelt.

Entsprechende Aussagen des ukrainischen Digitalministers Mychajlo Fedorow werden von einer Datenanalyse der Financial Times bestätigt. Seit Jahresbeginn seien russische Raffinerien mindestens 194-mal getroffen worden – elfmal häufiger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch die russische Logistik wird von der Ukraine weiter attackiert. Laut Fedorow schwäche die Zerstörung von Depots sowie Transport- und Nachschubwegen die Fähigkeit des Gegners erheblich, seine Einheiten an der Front zu versorgen.

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