Von: mk
Moskau/Kiew – Nicht registrierter Starlink-Terminals, die Russland genutzt hat, sind in der Ukraine durch SpaceX gesperrt worden. Das schafft den russischen Streitkräften Probleme, wie russische Militärblogger bestätigen. Drohnen, die auf das Internet angewiesen sind, haben bekanntermaßen seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Angriffskrieg Russlands auf sein Nachbarland dauert seit Februar 2022 an.
Die US-amerikanische Denkfabrik „Institute for Study of Wars“ (ISW) erklärt, dass laut Z-Bloggern die kürzlich erfolgte Starlink-Sperre russische Kampfhandlungen in der Ukraine behindere.
Ein russischer Militärblogger schreibt etwa, russische Einheiten hätten in verschiedenen, nicht näher bezeichneten Abschnitten der Front Kommunikationsprobleme und würden Spenden in Form von Funk- und Satellitenausrüstung benötigen, berichtet n-tv. Ein weiterer Blogger bezeichnete die Sperre als “äußerst bedauerlich”: Wären Kommandeure “klug” gewesen, hätten sie schon vor langer Zeit die Gefahren der Abhängigkeit von Starlink erkannt, so der Blogger.
Die Ukraine will nach Starlink des Weiteren Mesh-Netzwerke für russische Drohnen blockieren. Offenbar sind die Leistungsfähigkeit solcher Netzwerke für die Steuerung der Fluggeräte und damit auch deren Gefahr nicht zu unterschätzen.
Ein Mesh-Netzwerk ist ein intelligentes WLAN-System, bei dem mehrere Knotenpunkte (Mesh-Router/Repeater) zusammenarbeiten und ein einziges, nahtloses Netzwerk mit einem einzigen Netzwerknamen und einem Passwort bilden.
“Sie verstehen, wie es funktioniert: Wenn eine Shahed-Drohne mit GPS-Daten fliegt, kann sie beispielsweise das Zentrum eines Umspannwerks treffen. Wenn eine Shahed-Drohne jedoch während des Angriffs online gesteuert wird, kann ein Pilot in Russland sie genau auf denselben kritischen Punkt im Umspannwerk – denselben Transformator – im selben Winkel lenken”, sagt Serhij Beskrestnow, ein Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, in einem Interview mit dem ukrainischen Radiosender NV.
Weiter Angriffe auf Energieinfrastruktur und Zivilbevölkerung
Unterdessen geht Moskaus Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur mit unverminderter Härte weiter. So sind Produktionsanlagen des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz in den Regionen Poltawa und Sumy in der Ukraine beschädigt worden. Die Anlagen in Poltawa seien den zweiten Tag in Folge beschossen worden, erklärte der Chef des Unternehmens, Serhij Korezkyj, auf Facebook. Wie n-tv schreibt, habe es sich laut Korezkyj um den 20. Angriff seit Jahresbeginn gehandelt.
Angriffe auf die Zivilbevölkerung, die als Kriegsverbrechen gelten, werden ebenfalls fortgesetzt. Bei massiven russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf die Ukraine sind in der Nacht auf Montag nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet worden. In der Stadt Bohoduchiw in der östlichen Region Charkiw starben eine Mutter und ihr zehnjähriger Sohn, wie die örtliche Staatsanwaltschaft mitteilte. In der Hafenstadt Odessa im Süden kam ein Mensch ums Leben, in der nördlichen Region Tschernihiw wurde ein 71-jähriger Mann getötet.
100.000 Menschen in Belgorod ohne Wasser
Doch auch bei der Zivilbevölkerung in Russland scheinen die Folgen des Krieges immer mehr anzukommen. In der westrussischen Großstadt Belgorod, in der rund 300.000 Menschen leben, ist nach Angriffen aus der Ukraine laut Behörden die Wasserversorgung teilweise zusammengebrochen. An zwei Wasserentnahmestellen ist am Montag die Stromzufuhr ausgefallen, teilte die Stadtverwaltung mit. Wie Bürgermeister Walentin Demidow erklärte, waren rund 100.000 Menschen ohne Wasser.
Die Stadt Belgorod, die an der Grenze zur Ukraine liegt, wird von russischen Truppen einerseits als Aufmarschgebiet genutzt, andererseits wird ukrainisches Territorium von dort auch immer wieder beschossen. Seit Kriegsbeginn ist die Region deshalb eine der am schwersten zerstörten Gebiete in Russland.
Lohnrückstände in Russland häufen sich
Doch die Bevölkerung in Russland spürt auch zunehmend die wirtschaftlichen Folgen des Krieges. Wie das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation unter dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine auf Facebook mitteilt, haben sich in Russland die Lohnrückstände im Vergleich zum Vorjahr um das 2,3-Fache erhöht. Dadurch wurde ein Rekordwert in den vergangenen neun Jahren erreicht. Der vom Kreml gegen die Ukraine entfesselte Krieg treffe zunehmend Russland selbst, in erster Linie die einfachen Menschen, hieß es in dem Beitrag. Mehr als 14.700 Russen hätten bis zum Jahresende ihren verdienten Lohn nicht erhalten.
Zugleich haben die russischen Behörden in dem besetzten Gebiet Luhansk in der Ukraine beschlossen den digitalen Rubel einzuführen, um keine Papiergeldscheine mehr drucken zu müssen. Dies erklärte der Leiter der Luhansker Regionalverwaltung, Oleksij Charchenko, auf Telegram. Die Zahlung mit digitaler Währung soll obligatorisch werden. Wie die ukrainische Plattform Ukrinform schreibt, ist das Gebiet unglücklicherweise größtenteils vom Internet abgeschnitten. Dessen Nutzung ist demnach stark eingeschränkt.




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