Mindestens der 20. Todesfall

Russischer Oligarch stirbt beim Angeln

Montag, 04. Mai 2026 | 08:06 Uhr

Von: mk

Moskau – Nicht nur ein Blick aus dem Fenster ist für manche Oligarchen in Russland riskant. Auch so ein beschauliches Hobby wie Angeln kann eine fatale Wende nehmen. Dies trifft etwa im Fall von Sergey Loiter zu. Der 42-jährige Wirtschaftsführer, der als kaufmännischer Direktor des russischen Technologiegiganten Yandex tätig war, ist erst kürzlich tot aus der Wolga geborgen worden.

Wie das lokale Nachrichtenportal V1.ru berichtet, wurde der Leichnam nach einer fieberhaften Suche am Wochenende aus dem Wasser gezogen. Laut Digi24 ist die Zahl der mysteriösen Todesfälle unter russischen Oligarchen seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mittlerweile mindestens auf 20 angestiegen.

Auch Loiters persönlicher Fahrer, der mit auf dem Boot war, wurde für tot erklärt. Ein Immobilienentwickler, der Loiter bei dem Angelausflug begleitet hat, gilt als vermisst.

Der genaue Unfallhergang bleibt rätselhaft, Ermittlungen wurden in die Wege geleitet. Kopfverletzungen sollen beim Verstorbenen festgestellt worden sein. Offenbar geht man von seinem Sturz aus.

Viele Oligarchen – darunter auch Führungskräfte großer staatsnaher Energieunternehmen wie Gazprom und Lukoil – sind seit Kriegsausbruch bei plötzlichen Stürzen aus Krankenhausfenstern, Balkonen von Luxuswohnungen oder von fahrenden Schiffen ums Leben gekommen.

In anderen Fällen sind wohlhabende Manager in ihren Privathäusern mit tödlichen Schusswunden aufgefunden worden oder sie starben an plötzlichem Herzversagen. Für die lokalen Behörden handelt es sich meist um tragische Unfälle oder persönliche Tragödien. Die Häufung sorgt international dennoch für Aufsehen.

Besondere Beachtung fand der Tod von Jewgeni Prigoschin, dem Anführer der Wagner-Söldner am 23. August 2023 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz. Nur wenige Monate zuvor hatte Prigoschin die russische Militärführung im Ukraine-Krieg öffentlich kritisiert und einen Aufstand seiner Truppen angezettelt. Während Putin im Fernsehen von Hochverrat sprach, kam es im Anschluss doch zu einer Vermittlung durch den belarussischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka.

Das dem Anschein nach begrabene Kriegsbeil mit Putin nützte Prigoschin jedoch wenig. Ein auf die Wagner-Gruppe gemeldetes Geschäftsflugzeug stürzte auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg mit zehn Personen an Bord unter ungeklärten Umständen ab. Laut westlichen Geheimdiensten und einem ehemaligen russischen Geheimdienstmitarbeiter hat der russische Sicherheitsrat die Tötung von Prigoschin angeordnet. Putin sei vorab über die Attentatspläne informiert worden und habe keine Einwände dagegen erhoben.

Druck auf russische Wirtschaft

Unterdessen leidet die russische Wirtschaft immer mehr unter den Folgen des Ukraine-Kriegs. In den ersten zwei Monaten schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent, obwohl die Zentralbank ein Plus von 1,6 Prozent vorhergesagt hatte. Besonders betroffen ist unter anderem der Bausektor.

Einerseits zeigen die westlichen Sanktion Wirkung, während Russland unter der Inflation leidet. Andererseits greift die Ukraine gezielt Ölraffinerien mit Drohnen an, um zu verhindern, dass Kreml-Despot Wladimir Putin seine Kriegskasse mit dem Export von Öl und Gas weiter auffüllt. Auch das fügt der russischen Wirtschaft Schaden zu.

Vertreter der Staatsduma ruft Unternehmen zu Selbstschutz auf

Während Russland derzeit von hohen Ölpreisen profitiert, ist die Verarbeitung laut einem Bloomberg-Bericht so niedrig wie seit mehr als 15 Jahren nicht mehr. Sergej Mironow, der die Fraktion „Gerechtes Russland“ in der Staatsduma anführt, erklärte nun laut russischen Medienberichten, dass Ende März ein lang erwartetes Gesetz in Kraft getreten sei, das privaten Sicherheitsorganisationen erlaube, Kleinwaffen zur Verteidigung kritischer Infrastruktur vor Drohnen zu erwerben.

Das Problem daran: Mächtige Erdölunternehmen haben wie Transneft, Lukoil, Rosneft, Bashneft und Slavneft bereits erhebliche Summen in die Sicherung ihrer Anlagen investiert. Neben Investitionen in Luftverteidigungssysteme gaben sie im vergangenen Jahr rund Millionen US-Dollar für spezialisierte Störtechnologie aus. Von einem lückenlosen Schutzschild von Industriekomplexen ist man aber dennoch weit entfernt. Der Ukraine gelingt es immer wieder, empfindliche Treffer zu landen.

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