"Geburtenstation berührt ganz Italien"

Solidarität aus dem Latium für Sterzings Mütter

Montag, 22. August 2016 | 17:33 Uhr

Sterzing – Heute Morgen kam ein rosafarbener Camper in Sterzing an, an Bord befand sich eine Delegation aus den Castelli Romani, die verschiedene freiwillige Vereinigungen rund um die Geburt und das Stillen vertrat (La Goccia Magica, Città delle Mamme Frascati, Chiara per i Bambini del Mondo). Am Samstagabend brach der Camper von Rom in Richtung Sterzing auf, wo die Insassen den Südtiroler Frauen ihre Solidarität bekunden wollen. Vor dem Sterzinger Krankenhaus wurden sie von zahlreichen Müttern und Vätern empfangen und es kam zu einem regen Austausch: Die Ethik-Kommission von OVOItalia (Osservatorio sulla Violenza Ostetrica Italia) legte den Bericht  von #bastatacere vor, eine Medienkampagne, die dank der Schilderungen unzähliger Mütter sowie des Krankenhauspersonals schwere Fälle von Grenzüberschreitungen und Gewalt in Geburtenabteilungen und Kreißsälen in ganz Italien ans Licht brachte. Diese Kampagne sorgte für Betroffenheit bei Prominenten, Politikern und Personen, die im Gesundheitssektor tätig sind.

Diese Begegnung schlägt somit eine Brücke zwischen dem „Fall“ Sterzing und dem restlichen Italien. „Die Schließung der Geburtenabteilung in Sterzing ist keine rein lokale Angelegenheit. Seit Monaten schon stehen Frauenvereinigungen, die sich auf nationaler Ebene mit Geburten und dem Stillen beschäftigen und gerne aktiv an Entscheidungsprozessen teilnehmen würden, mit den Südtiroler Frauen in Kontakt – um zu verstehen, zu unterstützen, um all jenen Kraft und eine Stimme zu verleihen, die für die Erhaltung der Geburtenabteilung kämpfen und dafür, dass der große Erfahrungsschatz und das Knowhow des Sterzinger Teams rund um eine respektvolle Geburt nicht verloren geht. Im Gegenteil, das Wissen sollte den Politikern künftig als Modell dienen, wie der Geburtensektor in anderen Teilen der Provinz organisiert werden sollte. Auch für Außenstehende ist die Schließung des Sterzinger Kompetenzzentrums im Bereich Geburten, das Krankenhäusern in ganz Italien als Vorbild dient und selbst von renommierten nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen als beispielhaft betrachtet wird, unverständlich und inakzeptabel“, erklärt die Delegation.

In Rom setze sich der Parlamentarier Adriano Zaccagnini, der übrigens nicht aus Südtirol stammt, für die Erhaltung der Sterzinger Geburtenstation ein. Er möchte mittels parlamentarischer Anfrage diese Geburtskultur, die sich in Sterzing etabliert hat, verteidigen und schützen.

„Eines muss klar sein: Es geht nicht darum, die Geburtshilfestation von Sterzing als materielles Gut zu verteidigen“, erklärt Michela Cericco von der Organisation Goccia Magica dei Castelli Romani, „sondern darum, die dort gelebte Philosophie der Geburtshilfe zu verteidigen, die respektvoll mit den Bedürfnissen der Mütter und Kinder umgeht!“ Dieses Zeichen der Solidarität müsse erst als solches verstanden werden, um wirklich zu begreifen, warum die Schließung der Geburtenabteilung von Sterzing nicht nur die direkt betroffenen Frauen – nämlich jene aus den angrenzenden Tälern – auf den Plan rufe, sondern so viele Bürgerinnen und Bürger.

Was fordert nun die Delegation von den lokalen und nationalen Politikern? „Welche Art von ärztlichem Beistand und Unterstützung wünschen sich Eltern bei der Geburt ihrer Kinder und vor welcher Art „flüchten“ sie, indem sie hunderte Kilometer weit reisen, um zu entbinden oder sich gar für eine Hausgeburt entscheiden? Wer sich beim Lesen der Manifeste für die Erhaltung der Sterzinger Geburtenstation nur darauf beschränkt, emotionale oder logistische Aspekte herauszufiltern, der verliert den Blick für die Komplexität und die Reichweite des Problems. Auch der Begriff, der in der Diskussion rund um Sterzing am liebsten verwendet wird, um die Schließung der Geburtenabteilung zu rechtfertigen – der Begriff „Sicherheit“ –, ist nicht ausreichend, um dem Thema gerecht zu werden. Die Trentiner Politiker scheinen mittlerweile erkannt zu haben, dass eine eingehende Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der direkt Betroffenen unumgänglich ist, um künftig angemessene Entscheidungen darüber zu treffen, welche Art von Geburtshilfe sich werdende Mütter und Väter wünschen. Sie haben daher beschlossen, eine Umfrage unter all jenen Müttern durchzuführen, die bislang von ihrer Provinz „geflüchtet“ sind (viele davon sind eben nach Sterzing gegangen), um zu entbinden“, erklärt die Delegation.

Eines stehe jetzt schon fest: Die Sterzinger Geburtenabteilung sei ein Symbol für eine Geburtskultur, die die Entmedikalisierung der Geburten anstrebt, die menschlich und familiär ist und die die menschliche Würde respektiert. „Sie ist ein Ort, an dem die wirtschaftliche Rentabilität nicht über das Recht auf die liebevolle Unterstützung in einem so einschneidenden Moment des Lebens gestellt wird, ein Ort, an dem Ärzte und Hebammen für die Gebärenden da sind und nicht umgekehrt. Auch wenn die Geburtenstation in Sterzing geschlossen wird, sind dies die Forderungen, die ein Teil der Bevölkerung weiterhin stellen wird“, erklärt die Delegation abschließend.

Von: mk

Bezirk: Wipptal

Kommentare

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21 Kommentare auf "Solidarität aus dem Latium für Sterzings Mütter"


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Herb
Neuling
1 Monat 4 Tage
Also wieder einmal typisch Südtirol- Südtiroler Bevölkerung!!!! Also mir sein, a wenn logisch im Sanitären net olls zu 100% kloppet, decht no so eppes von verwöhnt das mor olle still sein miasn! Es seits wohl olle no nia im Auslond in Spitäler gwesen ha? Ausgnummen von insere Nachbarnländer! Sem tat dor uane und ondere Augen mochen wenn er in die 1 Hilfe kimp lei weil ihm a Farzl net weckgeat…..odo an Kopfwea hot vom Forstbier, weil Alkoholproblem hom mir jo a kuans in unseren Landl……70% der männlichen gscheiden Südtiroler von 16-99 sein net Alkoholiker, obo hom a Alkoholproblem……….tiats enkere Augen… Weiterlesen »
tresel
Tratscher
1 Monat 4 Tage

hon viele kommentare gelesen in letschter zeit ober deiner isch net zu überbieten.
schau mol in di erste hilfe wos semm welche leit umgian es sein net insre leit de wegn an drucketen farzl und an roatn nasl ins spitol gian.
kinder wearsch du a net viele kriag hobm sischt follat dir soooooo a schmorn net ein. probier du in an gong liegend wo xxx wildfremde forbei gian und glotzen auf an plotz im kreissal zu wortn und ihn dann viell. zu kriagn. sischt konnsch dein kind jo im keller kriagn oder???

Herb
Neuling
1 Monat 4 Tage

Übrigens das uano mit mein Kommentar net gonz einer Meinung isch konn i no verstian….obo wenn jemond minus druckt…nor hot er entweder nix mit dor Sanitätsdienst zu tian….oder es tuat mor load er isch uanfoch lei neben die Schuach!!!!

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

herb@
i finds schlicht a frechheit a frau in de wehen od. mitten im geburtsvorgong mit an bsoffnen auf der ersten hilfe zu vergleichn, dem a farzl nit weggeat!
scham di oanfoch!!

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage
@Herb a entbindung isch, wenn koane komplikationen zu erwortn sein, (de kennen zwor a unerwortet auftretn ob. sell isch holt seltn) koane kronkheit sem hosch vollkommen recht, desholb dürfte der schwerpunkt nit so an der “technischen perfektion” liegn! die gebärenden brauchn desholb mehr an raum wo sie sich während de oft stundenlongen quälerei de wehen geborgen fühlt, mit pfleger von de sie verständniss u. zuspruch krieg, de geduld hobn, ihr de ongst nehmen u. u. u., desholb isch a kloane geburtenstation mit familierer atmosphäre so wichtig, an fachlicher garantie fahlats jo in sterzing a nit! in brixn konns holt in… Weiterlesen »
tresel
Tratscher
1 Monat 4 Tage

@herb du wearsch der gebildete stadtler sein der sich für eppas besseres hält und glaubt olls zu wissen und verstian. Des wos i gschriebm entwickelt sich aus dem politischen ausa. Wenn amol nochdenksch verstehsch des als stadtler a. Wenn die geburten d.h. mamis mit kind von sterzong noch bx kemm isch brixen überfüllt wenn iatz schon voll isch.

tomsn
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@tresel di luxus sonderbehandlungs geburtnstation sterzing keart geschlossn! I sig net in dass gonz eisicktol und puschtotol in sterzing di kindo kriegn muss lei weil di mami net oan nocht ohne papi schlofn konn! Lächerlich. Und sischt selber 500 e zohln noa kensi schlofn im Einzel- Sonderbehandlungszimmer!

tresel
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Bisch beleidigt oder wos moansch iatz?

Herb
Neuling
1 Monat 4 Tage

@tresl
Ach Tresl du kimsch sicher von an Toul ausi, sem konn i die schun verstian!!!

Herb
Neuling
1 Monat 4 Tage

@Staenkerer

I woas iats in Fall von dor Tresl jo nit genau, sollets aso sein, wia sie erzählt donn hot sie in der Hinsicht a Recht! Des muan i jo obo gor nitta…..I hon lei gsog das mir genua Spitäler in Südtirol hoben plus mit Geburtenstationen sell muass woll a jeder einsechen! Woasch viele schreiben do eppes zom ohne Hintergründe zu wissen! In Sterzing isches wegen eppes gonz onderes gongen a……Politische Sache……

Staenkerer
Superredner
1 Monat 4 Tage

@tresel du sogsch es! i möcht amoll den tonz erlebn wenn des oaner von de “dauergratisfrauen” passiern sollte! semnraumt der monn an kreißsool eigenhändigvlaar um plotz zu mochn … ob. de brauchn sicher nie wortn!

Kurt
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

do @herb hots afn Punkt broucht!

tresel
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Einige sogn mitn minus dass sie net einverstondn sein und andere schreibm eppas. I bin mehr fürs schreibm.

jo
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

..und ich wünsch dir was..! Abwarten!

Herb
Neuling
1 Monat 4 Tage

@tresel ich das richtig

Basti
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

A bessere Idee wia fu Rom auer zu kemmen Sterzing wars di Stocker in den Camper mit Rom oi zu nemmen nor konnse sem ihrem Hobby nochgian und sinnlose Steuergeldeinsporungen ban Gesundheitswesen mochn. Dort verschwindet mehrer Geld wia ba ins do.

wellen
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Wos welln de do? Gewalt und Grenzüberschreitungen in die Kreissäle anprangern? Jo bleibt decht unten und setzt enk dort ein, statt mit insern Steuergeld gratis in Sterzing zu entbinden und die Mander a no zu beherbergen. Des isch inser Geld und für insere Frauen nötig.

Ludwig11
Neuling
1 Monat 4 Tage

Jo wieso fohren de nitt zur Marthe noch Boazen ??

1 Monat 3 Tage

Brauchen keine Solidarität von Italienern. Die sollen ihren “Sau….” selber aufräumen, wir unseren. Südtirol wählt einfach ihre Italophilen und Abzocker bei den nächsten Landtagswahlen ab. Hoffentlich bereiten sich die Oppositionsparteien mit einem alternativen Regierungsprogramm vor,.

Herb
Neuling
1 Monat 3 Tage
Liebe Tresel i konn die jo verstian! Wia gsog wenn des bei dir so passiert isch, find is sehr schlimm! Wenn i die do irgendwia verletzt hon, mecht i mi bei dir und ollen ondern entschuldigen!!! Obo i will jo lei damit sogen das es ins in Südtirol Spitalmässig wircklich gut geht, a wenn wia gsog sicho nit olls perfekt isch!!! Obo wo isch sell heit auf der Welt a?! In ondere Länder hom se echt net denn luxus wia mir do hoben glabs mir! Mir hom 3 Hubschrauber…….2 Notärzte in Bozen, jeweils einen in Meran,Brixen,Schlanders,Sterzing,Innichen,Bruneck……….auf 500.000 Einwohnern!! Klor herscht… Weiterlesen »
Albu
Neuling
1 Monat 3 Tage
Habt ihr den artikel überhaupt gelesen? Es geht nicht darum, dass sterzing offen bleiben muss. Es geht um die zukunft der geburtshilfe, um die forderung nach einem würdevollen, selbstbestimmten gebären für alle frauen. Die zustände in italien sind vielerorts katastrophal, 90% kaiserschnitte, traumatisierte frauen, denen nahegelegt wird, nicht zu stillen… Südtirol war auf dem weg zu einem guten standard, sterzing ist ein vorzeigebeispiel und die kompetenzen und erfahrungen, die sich das personal dort angeeignet hat, sollte bei der gestaltung der zukunft der geburtshilfe in südirol als orientierung dienen. Die frauen aus rom erhoffen sich, dass auch italien endlich nachzieht und… Weiterlesen »
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