Integration der Guten – ein Kommentar

Terror in Wien: Böses Erwachen

Donnerstag, 12. November 2020 | 10:01 Uhr

Wien – Für die angebliche „sicherste Hauptstadt Europas“ war der islamistische Terroranschlag in Wien ein böses Erwachen. Nachdem vier Zivilisten getötet worden waren, begannen hektische Bemühungen, eine Wiederholung einer solchen Tragödie zu verhindern. Solche Anschläge sind aber nicht neu. Seit bald zwei Jahrzehnten werden europäische Städte von Anschlägen, deren Urheber sich auf verschiedene islamistische Terrorgruppen berufen, heimgesucht. Bisherige Bemühungen, der Gewalt Einhalt zu gebieten, fruchteten wenig.

APA/GEORG HOCHMUTH

Dies könnte sich nach den beiden jüngsten Anschlägen in Frankreich und Österreich aber ändern. Ein gemeinsamer Schulterschluss zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron soll eine Verbesserung des Schutzes der EU-Außengrenzen in die Wege leiten. Diese Initiative kann aber nur ein kleiner Teil eines ganzen Maßnahmenpakets sein. Bei der Untersuchung der Hintergründe des Anschlags in Wien kam heraus, dass von der österreichischen Justiz und ihrer Exekutive im Vorfeld der Tat viele Fehler und Versäumnisse begangen worden waren. Nicht weitergereichte Informationen und milde Gerichte hatten dazu geführt, dass ein junger, bereits einschlägig aufgefallener Täter als harmlos eingestuft worden war.

Wesentlich ist daher, dass Terroristen-dichte EU-Außengrenzen nur dann einen Sinn ergeben, wenn jedes Land seine Hausaufgaben macht. Der wichtigste Punkt aber ist eine funktionierende Integration der bereits in den EU-Ländern lebenden Muslime. Diesen Menschen, die in ihrer übergroßen Mehrheit mit dem Islamismus der Terroristen nichts zu tun haben, muss vermittelt werden, dass sie ein wertvoller Teil unserer Gesellschaft sind. Zugleich muss aber auch unmissverständlich klar sein, dass jene, die unsere Werte wie Demokratie, Gleichberechtigung, freie Meinungsäußerung und die Trennung von Staat und Religion, die allesamt das Fundament Europas darstellen, mit Füßen treten, nicht Teil unserer Gemeinschaft sein können.

APA/HELMUT FOHRINGER

In diesem Fall sollten die wehrhaften Demokratien des Alten Kontinents ruhig so viel Kante zeigen, solche Personen der Staatengemeinschaft zu verweisen. Dies wäre gerade auch im Interesse der friedlichen Mehrheit der Muslime, die längst im wahrsten Sinne des Wortes zu uns gehören und Teil unserer Gemeinwesen sind. Unser Europa wird viel stärker von den Gründern des Impfstoffunternehmens Biontech – dem Forscher- und Humanmediziner-Ehepaar mit türkischen Wurzeln Ugur Sahin und Özlem Türeci – geprägt, als von einem 20-jährigen Attentäter. Was wir brauchen, ist eine „Integration der Guten“.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Terror in Wien: Böses Erwachen"


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eisern
eisern
Tratscher
17 Tage 1 h

Integration muss man wollen. Wenn ich in ein fremdes Land gehe vergesse ich nicht meine Wurzeln, respektiere aber die Gesellschaft meines Gastlandes. Das ist leider oft ein Problem für viele Gäste.

Staenkerer
16 Tage 5 h

isch wie mit der sproche: de des gostlonds zu erlernen werd wichtig sein für gost und gostgeber, ober koaner verlongt das man deswegn de muttersproch verlernt!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
16 Tage 10 h

Ja, besserer Schutz der EU-Außengrenzen ist auch erforderlich. Allerdings sind die Mörder von Paris, Wien nicht “frisch” eingewandert, sondern dort geboren.
Auch die Killer in Hanau, Halle, Norwegen. Einheimische.

Und jetzt kein Aufschrei “Ohh, das ist was ganz Anderes, kann man nicht miteinander vergleichen !”.

Doch. Es ist egal, welchem -ismus man zum Opfer fällt.
Und wie es sich aktuell darstellt, war die Katastrophe in Wien vermeidbar.

Die Angehörigen der Ermordeten und Verletzten sollten vor Gericht die staatlichen Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Auch dort muss es ein böses Erwachen in aller Öffentlichkeit geben.

Staenkerer
16 Tage 5 h

…..und a in wien, wie so oft, zu lasche richter!
nutztn koane gsetze wenn se nit ungewendet wern!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
15 Tage 22 h

@Staenkerer
Möchte kein Richter, psychologischer Begutachter in so einem Fall sein.
Nur, wären die Morde passiert, wenn die Behörden den Hinweisen über den Munitionskaufversuch, die Kontakte mit deutschen IS-Anhängern nachgegangen wären ? Noch 3 Monate später – kurz vor den Morden – nimmt das Bürschchen an einem “Deradikalisierungskurs” teil. Da hätt er wegen Bewährungsauflagenverstoß längst eingekastelt sein müssen.

Savonarola
16 Tage 22 h

das böse Erwachen gab es höchstens für die Gutmenschen

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 3 h

Das gibt’s jedesmal, wenn jemand auf Nazi-Rhetorik zurückgreift.

Kingu
Kingu
Grünschnabel
16 Tage 5 h
Die Leute lassen sich nun mal in unserer Gesellschaft steuern und tolerieren Menschen in ihrem eigenen Land, die nichts anderes wollen, als wie mit den Einheimischen nichts zu tun haben. Als ich in Tirol mein Studium machte, war es mir fast unmöglich überhaupt eine Bindung zu Türken aufzubinden und ich spreche hier von der kognitiven Elite der Einwanderer und diese haben sich selbst von Einheimischen und eben anderen Ausländern wie mir abgeschottet. Daneben war es kein Problem mit Serben und anderen Ausländer zu kommunizieren, die Krone setzte aber einer aus meiner Klasse auf, als wir eine Buchvorstellung hatten (jeder konnte… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
15 Tage 21 h

@Kingu
Im Rückblick: ich war auch Ausländer und lernte andere kennen, die sich bis zur Unkenntlichkeit assimilierten. Und solche, die einen trotzigen, albernen Stolz auf die Heimat entwickelten. Ein gesunder Mittelweg wär halt gut. Wie immer im Leben.

Kingu
Kingu
Grünschnabel
15 Tage 3 h
Ich kann nur von meiner persönlichen Erfahrung sprechen, ich habe selbst als Ausländer in Österreich, Norwegen und der Schweiz gelebt, stets versucht die Sprache (Norwegen) oder den Dialekt zu sprechen. Eine Assimilierung ist jedenfalls etwas, was ich nie in mein Leben gesehen habe, selbst als ich nur mehr Schwyzerdütsch gesprochen habe und als christlicher Mitteleuropäer unter den Einheimischen nicht auffalle, ist es für mich noch keine Assimilierung. Für mich fällt Assimilierung durch Dienst an den Bürgern auf, also Feuerwehrdienst, Rettungsdienst, freiwilliger Zivildienst. Darüber hinaus sind sehr viele stolz auf ihre Heimat, dann frage ich mich warum sie in Südtirol sind.… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
15 Tage 44 Min

@Kingu
Ich glaube, wir kommen dem Thema “Radikalisierung” da etwas näher. Jemand (egal ob Aus- oder Inländer) der in einer Gesellschaft aufgenommen/angekommen ist – Arbeit, FwF,… – hat ein gewisses Wir-Gefühl. Ist Jemand vermeintlich/tatsächlich Außenseiter zieht er sich in Parallelgesellschaften zurück.
Kann harmlos oder eine radikale Sekte, Partei, Religion sein.
Deshalb meine These: Es sind nicht nur die EU-Außengrenzen besser zu schützen. Wir müssen in den EU-Ländern gefährliche Parallelgesellschaften aufweichen. Weniger Knast für Kleinkriminelle, keine Kurse, sondern sinn- und kontaktstiftende gemeinnützige Arbeit unter Aufsicht bis die Lektion sitzt.

Krabbe
Krabbe
Tratscher
14 Tage 22 h

“…unsere Werte wie Demokratie, Gleichberechtigung, freie Meinungsäußerung und die Trennung von Staat und Religion…”

Genau da liegt der Hund begraben. Der Islam sieht exakt diese Punkte nicht vor, bzw. steht denen sogar diametral gegenüber! Entweder es gibt einen säkularisierten Islam, der in der Tat aber so entkernt werden muss, bis es kein Islam mehr ist, oder die Integration von Muslime wird einfach nicht funktionieren. Zweiteres ist unzweifelhaft der Fall, wenn man sich quer durch Europa ansieht, welches Element Banlieus, Parallelgesellschaften, Integrationsverweigerer und letztendlich Sozialtransferempfänger vereint.

Neumi
Neumi
Kinig
14 Tage 21 h
Jede Religion wird zum Problem, wenn man sie auf Punkt und Strich befolgt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Islam nicht vom Christentum. Auch für uns müssten alle andersgläubigen Heiden sein und wer der christlichen Leere widerspricht, ist ein Ketzer. Wir haben das “Glück”, dass unsere fanatischen Anhänger gewisser christlicher Glaubensrichtungen heute im Gegensatz zu früher (Hexenhammer) nur noch sich selbst und ihren Familien schaden (wie z.B. durch das Ablehnen von Bluttransfusionen). Auch hat unsere Religion in frühen Zeiten den Fortschritt um Jahrhunderte zurückgeworfen (nach dem Wechsel zum Christentum ging unglaublich viel Wissen verloren) und lange Zeit blockiert, während andere… Weiterlesen »
Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
13 Tage 2 h

Neumi@ Das der Islam Wissenschaft fördert ist mir ganz neu, wenn wir auf die ganzen islamischen Länder schauen habe ich persönlich einen anderen Eindruck.

Neumi
Neumi
Kinig
13 Tage 1 h

Geschrieben hab ich was anderes, kritisier das bitte und nicht deine Interpretation.

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