Von: mk
Bozen – Der Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen der Jahre 2020–2023 und Feststellung der Verantwortlichkeiten des Südtiroler Landtages ist am heutigen Mittwochvormittag unter dem Vorsitz von Brigitte Foppa zusammengetreten. Im Rahmen einer Panel-Anhörung gaben mehrere Fachleute aus dem Gesundheitswesen Südtirols, anderer Regionen Italiens und Österreichs per Videokonferenz ihre Expertise ab.
Zugeschaltet waren Herwig Ostermann, Universitätsprofessor und tätig am Department Public Health der UMIT Tirol (Österreich), Maria Rosaria Capobianchi, Direktorin des KOE-Labors für Virologie und Biosicherheitslabore des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten (INMI) „L. Spallanzani“, Maurizio Federico, Forschungsleiter am Nationalen Zentrum für Globale Gesundheit des Istituto Superiore di Sanità (ISS) in Rom und Monica Oberrauch, ehemalige Präsidentin der Ärztekammer Südtirol und Hausärztin in Brixen.
„Prof. Ostermann und Dr. Capobianchi, welche der während der Pandemie in der Provinz Bozen eingesetzten Expertenkommission angehörten“, berichtet die Vorsitzende Brigitte Foppa, „sprachen über die verschiedenen Phasen der Pandemie und darüber, dass jede dieser Phasen durch völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen gekennzeichnet war. Die Kampagnen und getroffenen Entscheidungen hingen stark vom Zeitpunkt, den verfügbaren Erkenntnissen und auch davon ab, dass man sich mit der Variante Omicron in völlig anderen Bedingungen befand als bei den ersten Varianten. Dies wurde auch von Dr. Federico bestätigt.“
Den verschiedenen Virusvarianten entsprachen laut Experten unterschiedliche Phasen der Krankenhausauslastung, unterschiedliche medizinische Reaktionen in Bezug auf Impfstoffe und Medikamente sowie unterschiedliche Bedingungen aufgrund der ergriffenen sozialen Maßnahmen; Quarantäne und Schließungen haben die Situation ständig verändert. „Fast alle Experten haben betont, wie wichtig es ist, einen ständigen wissenschaftlichen und interdisziplinären Dialog aufrechtzuerhalten.“
„Ein weiterer Punkt, der heute zur Sprache kam“, so die Vorsitzende weiter, „ist die Rolle der Politik, die angesichts all dieser Variablen, Entscheidungen treffen musste und dabei nicht nur den wissenschaftlichen Konsens, sondern auch die emotionalen Bedingtheiten der Gesellschaft berücksichtigen musste: In Italien herrschte große Impfbegeisterung, und erst danach wurde über die Nebenwirkungen nachgedacht.“
Die Experten, insbesondere Dr. Federico, wiesen zudem darauf hin, dass „in Italien, sowohl unter der vorherigen als auch unter der aktuellen Regierung, nicht genügend Mittel und Ressourcen für Forschungsprojekte bereitgestellt werden, was jedoch notwendig wäre, um Entscheidungen besser zu begleiten und auch Meldungen einzelner Bürger zu bearbeiten, beispielsweise in Bezug auf Long Covid oder die Kollateralwirkungen von Impfstoffen.“ Alle Fachleute erinnerten auch daran, dass Italien eines der am stärksten betroffenen Länder gewesen sei, was zur Ausbreitung von Panik geführt habe, und dass dies auch die Reaktionen der Institutionen stark beeinflusst habe.
Was den Beitrag von Dr.in Oberrauch betrifft, berichtet Foppa: „Die Ausschussmitglieder haben ihr Fragen zu den Disziplinarmaßnahmen gegen kritische Ärzte gestellt. Sie antwortete, dass die Ärztekammer verpflichtet sei, den Vorgaben des Ministeriums zu folgen.“
Die Thematik der Massentests wurde auch am heutigen Vormittag diskutiert: „Diese, so hieß es, seien nützlich, um die epidemiologische Lage der Bevölkerung zu erfassen, weniger jedoch, um einzelne Menschen zu isolieren, da sie nur anzeigen, ob eine Person mit dem Virus in Kontakt gekommen ist, und wir wissen heute, dass die Ansteckung vor allem in den ersten Tagen erfolgt. Aus diesem Grund werden sie von den Fachleuten auch kritisch gesehen. Es wurde gesagt, dass es nicht ausreicht, sich auf die Tests zu beschränken, sondern dass die Maßnahmen in ihrer Gesamtheit bewertet werden müssen.“
Foppa sagte abschließend: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass heute Vormittag eine kritische Analyse des gesamten Systems vorgenommen wurde, was heute nicht nur zulässig, sondern auch notwendig ist.“ Die Arbeiten des Ausschusses werden am Nachmittag mit weiteren Anhörungen fortgesetzt.




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