Russland greift mit ballistischen Raketen an - Ukraine attackiert zwei Raffinerien

“Es ist das letzte Mittel, diesen blutigen Krieg in die Länge zu ziehen”

Dienstag, 14. Juli 2026 | 08:24 Uhr

Von: APA/dpa

Nach Angriffen der Ukraine auf die von Russland kontrollierte Halbinsel Krim wird in der Großstadt Sewastopol stundenlang der Strom abgeschaltet. Wie die örtlichen Behörden am Dienstag mitteilten, gibt es vorerst nur noch für zwei Stunden Strom, gefolgt von sechsstündigen Ausfällen. “Ich verstehe, wie schwierig dies ist”, schrieb der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram.

“Deshalb tun wir alles in unserer Macht stehende, um die Lage zu stabilisieren.” Zugleich rief Raswoschajew die Bevölkerung auf, möglichst auf Geräte mit hohem Stromverbrauch zu verzichten. Ende Juni wurden nach ukrainischen Angriffen schon einmal Stromausfälle in der größten Krim-Stadt bekannt.

Zu Beginn der Urlaubssaison war zudem der Treibstoff in der Schwarzmeer-Region knapp geworden und wird rationiert. Ende Juni wurde für die Krim und Sewastopol der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Behörden schlossen alle Ferienlager und setzten den Tourismus bis zum 1. September aus.

Die Ukraine zielt mit ihren Schlägen auf Energie- und Logistikinfrastruktur darauf ab, Moskaus Kontrolle über die Halbinsel zu schwächen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte hingegen, die Angriffe sollten Zwietracht in der russischen Bevölkerung säen. Russland hatte die Krim bereits 2014 annektiert. Die meisten Staaten erkennen die Zugehörigkeit der Region zu Russland jedoch nicht an.

Zwei Raffinerien in Russland attackiert

Die Ukraine griff in der Nacht auf Dienstag auch eine Raffinerie in der russischen Teilrepublik Baschkortostan in der Nähe des Uralgebirges an. Eine massive Attacke auf das Industriegebiet in Salawat bestätigte Republikchef Radij Chabirow auf Telegram. Tote und Verletzte gibt es seinen Angaben nach nicht. Der Krisenstab der südrussischen Region Krasnodar meldete indes einen weiteren Angriff auf die Raffinerie nahe der Siedlung Afipskaja. Die Anlage sei in Brand geraten, teilte der Stab auf seinem Telegramkanal mit. Details zu den Schäden gibt es bisher nicht.

Die Ukraine hat in den letzten Monaten ihre Angriffe auf Objekte der Ölindustrie in Russland verstärkt. Die Folgen sind deutlich spürbar. Die Ölverarbeitung ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen. Viele Tankstellen sind leer, andere geben Treibstoff nur noch in begrenzten Mengen aus. Autofahrer müssen lange anstehen, um überhaupt tanken zu können.

Russische Luftschläge gegen Kiew

Das russische Militär griff in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen an, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwierig abzuwehren sind. Im Zentrum der Dreimillionenstadt waren gut ein halbes Dutzend Explosionen zu hören. Nach Behördenangaben brachen in mindestens zwei Stadtteilen Brände aus, teils ausgelöst durch herabgestürzte Trümmerteile.

Am Morgen teilte die ukrainische Luftwaffe mit, dass fünf von acht anfliegenden Raketen der Typen Iskander und S-400 abwehrt worden seien. Auch zwei Marschflugkörper Ch-59/69 und 108 von 135 Drohnen seien abgefangen worden. Bei Luftangriffen in den Tagen zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe aus Munitionsmangel keine ballistischen Raketen aus Russland abschießen können.

Russland attackiert auch andere ukrainische Regionen

Auch andere Städte waren Ziele russischer Angriffe. In Saporischschja wurden bei einem Drohnenangriff den Rettungsdiensten zufolge elf Menschen verletzt. In der Region Charkiw gab es nach Angaben des Gouverneurs sechs Verletzte. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Kurz zuvor hatten in Paris mehrere Mitgliedstaaten der sogenannten Koalition der Willigen eine Initiative zur Stärkung der ukrainischen Flugabwehr ins Leben gerufen. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen Russlands Invasion. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warb dabei für die Schaffung eines neuen europäischen Flugabwehrsystems zur Abwehr russischer ballistischer Raketen innerhalb von zwölf Monaten. Eine Massenproduktion werde günstig sein, versprach er. Vorher hatte Selenskyj die Europäer zur Lieferung von Radaren und “anderen kritisch wichtigen Komponenten” aufgefordert.

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