Ukraine zielt auf Energieanlagen in Russland (Archivbild)

Ukraine-Krieg dauert nun so lange wie der Erste Weltkrieg

Mittwoch, 10. Juni 2026 | 15:22 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/Ukrinform

Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine dauert bereits so lange wie der Erste Weltkrieg (1914-1918). Der ukrainische Generalstab in Kiew zählte am Mittwoch den 1.568. Tag des Krieges. Ein Ende der von Kremlchef Wladimir Putin 2022 befohlenen Großinvasion in das Nachbarland ist nicht abzusehen. In ihrem Abwehrkampf gegen Russland griff die Ukraine Hunderte Kilometer tief im Hinterland des Gegners Energieanlagen mit Drohnen und Raketen an.

Russland will die Ukraine militärisch und politisch zurück in seinen Machtbereich zwingen. Es hält einschließlich der schon 2014 annektierten Halbinsel Krim knapp ein Fünftel der Ukraine besetzt. Doch in den vergangenen Wochen setzt die ukrainische Armee Moskau gerade mithilfe ihres Drohnen-Arsenals immer stärker unter Druck.

Drohnentreffer lösen Brand in Raffinerie aus

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, über Nacht seien 326 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Zahl ist nicht unabhängig überprüfbar, spricht aber für einen groß angelegten ukrainischen Angriff.

Die nächtlichen ukrainischen Drohnenangriffe trafen unter anderem die Raffinerie von Samara an der Wolga und lösten einen Brand aus, wie Telegramkanäle berichteten. Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Fedorischtschew, schrieb auf Telegram von drei Verletzten und Schäden an mehreren Industrieobjekten. Im Gebiet Wladimir östlich von Moskau wurden nach Behördenangaben zwei Anlagen der Ölindustrie beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf dem Portal X Angriffe auf diese Ziele.

In Tscheboksary an der Wolga, 1.300 Kilometer von Kiew entfernt, sprachen die russischen Behörden von drei Verletzten nach einem Raketenangriff. Dort wurde nach Angaben Selenskyjs ein Rüstungsunternehmen beschossen, das Teile für russische Drohnen und Raketen produziert. Zum Einsatz kamen ukrainische Marschflugkörper des Typs FP-5 Flamingo. “Wir wenden weiter Langstreckensanktionen gegen russische Militärobjekte und die Ölindustrie an”, schrieb der ukrainische Präsident. Es ist der dritte ukrainische Angriff auf die Fabrik. Zuletzt wurde das Rüstungswerk Anfang Mai attackiert. Auch damals setzte die Ukraine Raketen ein.

Die Furcht vor den ukrainischen Drohnen hat inzwischen Sibirien erreicht. In den Regionen Tjumen und Omsk lösten die Behörden Drohnenalarm aus. Omsk, das 2.800 Kilometer von Kiew entfernt liegt, ist Standort der größten russischen Ölraffinerie und mehrerer Rüstungsbetriebe. Es wurde aber nichts über einen tatsächlichen Angriff bekannt.

Geschichtsmuseum in Sewastopol getroffen

In Sewastopol auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim schlug eine Drohne in ein Geschichtsmuseum ein, das Panorama der Belagerung der Stadt im Krimkrieg im 19. Jahrhundert. Der Chef der Besatzungsverwaltung, Michail Raswoschajew, sprach von einem gezielten Angriff auf eine Kultureinrichtung.

Dies wäre indes untypisch für die bisherigen Angriffsmuster der ukrainischen Armee. Umgekehrt hat Russland in mehr als vier Jahren Angriffskrieg viele Museen, Theater, Bibliotheken, Schulen und Kirchen in der Ukraine bei Luftangriffen beschädigt.

Das ukrainische Militär griff außerdem den russisch besetzten Hafen von Mariupol an. Der Hafen sei nach Angriffen auf die Energie-, Reparatur- und Verwaltungsinfrastruktur ohne Strom, teilten die Streitkräfte Kiews mit. Die Nutzung des Standorts als militärischer Logistikknotenpunkt sei dadurch “erheblich eingeschränkt”.

Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vor allem auf Anlagen der russischen Ölindustrie verstärkt, um eine wichtige Einnahmequelle der Regierung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. Dies hat Russland dazu gezwungen, seine Ölförderung zu drosseln. Der Export von Benzin und Kerosin wurde gestoppt. Auf der Krim herrscht zu Beginn der russischen Urlaubssaison Treibstoffmangel.

Verletzte bei russischem Drohnenangriff

Die russischen Drohnenangriffe in der Nacht trafen am schwersten die grenznahe ukrainische Großstadt Charkiw. Die Regionalverwaltung berichtete von 26 Einschlägen binnen kurzer Zeit. Es habe acht Verletzte gegeben. Auch die Stadt Saporischschja wurde getroffen, es gab Gebäudeschäden. Die ukrainische Luftwaffe zählte über Nacht 207 russische Drohnen, von denen 181 abgefangen worden seien.

In Charkiw wurden mindestens sechs Menschen verletzt. Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, und der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Charkiw, Oleh Syniehubow, gaben bekannt, dass in mehreren Stadtteilen Wohngebäude in Brand geraten waren. Eine Drohne traf ein Fahrzeug. Am Dienstag hatten russische Angriffe auf Charkiw Brände in Wohnhäusern, Eisenbahninfrastruktur und Lagerhäusern verursacht. Es gab zehn Verletzte, darunter ein 14-jähriges Mädchen.

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