Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Nach den nächtlichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran ist nun offen, wie es mit den Bemühungen um Frieden weitergeht. Beide Seiten beschossen einander in der Nacht auf Freitag und gaben sich gegenseitig die Schuld dafür. US-Präsident Donald Trump betonte aber, die Waffenruhe sei weiter in Kraft. Eine Reaktion Teherans auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Kriegs steht noch aus, wird aber für Freitag erwartet.
Das iranische Militärkommando warf den USA vor, einen Öltanker, ein weiteres Schiff sowie zivile Gebiete angegriffen und damit die seit einem Monat geltende Waffenruhe gebrochen zu haben. Der Iran werde auf jeden Angriff ohne Zögern und mit aller Härte reagieren, hieß es in einer in den staatlichen Medien verbreiteten Erklärung vom Freitag. Das US-Militär sprach dagegen von einem Akt der Selbstverteidigung nach unprovozierten Angriffen aus Teheran.
Zehn Seeleute bei US-Angriff verletzt
Bei dem US-Angriff auf ein iranisches Frachtschiff wurden laut iranischer Nachrichtenagentur Mehr zehn Seeleute verletzt. Weitere fünf weitere würden vermisst, hieß es am Freitag. Such- und Rettungskräfte suchten weiter nach den Vermissten. Das Schiff habe sich in der Nähe der Gewässer von Minab befunden und sei infolge der Angriffe in Brand geraten. Ob das Frachtschiff direkt angegriffen worden war, blieb zunächst unklar.
Vergeltungsschläge als “kleiner Denkzettel”
Trump erklärte, drei US-Zerstörer hätten die Meerenge unter Beschuss erfolgreich passiert. Dabei seien die amerikanischen Schiffe nicht beschädigt worden, den iranischen Angreifern sei jedoch großer Schaden zugefügt worden. Die US-Vergeltungsschläge bezeichnete der Präsident als “kleinen Denkzettel”. Der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr zufolge wurde in der Hauptstadt Teheran die Luftabwehr aktiviert. Inzwischen habe sich die Lage auf den iranischen Inseln und in den Küstenstädten an der Straße von Hormuz jedoch wieder normalisiert, berichtete der staatliche Sender Press TV.
US-Präsident Trump forderte die Islamische Republik erneut auf, schnell eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen. Ansonsten werde das US-Militär iranische Einheiten in Zukunft noch viel härter und viel gewaltsamer treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Der Iran werde “von WAHNSINNIGEN angeführt, und hätten sie die Chance, eine Atomwaffe einzusetzen, würden sie es ohne Frage tun – aber diese Gelegenheit werden sie nie bekommen.”
Rubio erwartet iranische Antwort am Freitag
Nach den Worten von Außenminister Marco Rubio rechnen die USA noch am Freitag mit einer Antwort des Iran auf den jüngsten US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges. “Wir werden sehen, was die Antwort beinhaltet”, sagt Rubio vor Journalisten in Rom. “Die Hoffnung ist, dass es etwas ist, das uns zu einem ernsthaften Verhandlungsprozess führt.”
Die Absichtserklärung, auf die der Iran reagieren soll, ist eine Seite lang und enthält 14 Punkte. Ziel ist es dabei unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden demnach auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormuz Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden.
Der US-Außenminister verwies in Italien auch auf Berichte zu iranischen Versuchen, sich die Kontrolle über die von ihm weitgehend unpassierbar gemachte Straße von Hormuz zu sichern. “Das wäre tatsächlich inakzeptabel”, sagte der US-Außenminister. Die Welt müsse sich fragen, was sie zu tun bereit sei, wenn der Iran versuche, die Kontrolle über eine internationale Wasserstraße zu “normalisieren”.
Teheran prüft US-Vorschlag
Der iranische Außenminister Abbas Araqchi warf den Vereinigten Staaten nach der nächtlichen Eskalation vor, eine Verhandlungslösung zu torpedieren. “Immer wenn eine diplomatische Lösung auf dem Tisch liegt, entscheiden sich die USA für leichtsinnige militärische Abenteuer. Ist das eine plumpe Einschüchterungstaktik?”, schrieb Araqchi auf X.
Pakistan: Dauerhaftes Kriegsende hat Priorität
“Unsere Priorität ist, dass sie ein dauerhaftes Ende des Krieges verkünden. Die restlichen Fragen könnten geklärt werden, sobald sie zu direkten Gesprächen zurückkehren”, sagte ein hochrangiger pakistanischer Regierungsvertreter, der an der Vermittlung beteiligt ist, der Nachrichtenagentur Reuters. Anstelle eines umfassenden Abkommens arbeiteten beide Seiten an einer Übergangsregelung, um eine Rückkehr zu einem offenen Krieg zu verhindern und die Schifffahrt durch die Straße von Hormuz zu sichern.




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