Die Zukunft der Zillertalbahn bleibt umstritten

Zillertaler “Wasserstoffbahn” – Landesregierung bleibt dabei

Dienstag, 01. August 2023 | 17:24 Uhr

Von: apa

In der Debatte um das derzeit in Tirol heiß diskutierte Zillertaler Projekt “Wasserstoffbahn” hat ein Gespräch zwischen Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) und dessen Stellvertreter Georg Dornauer (SPÖ) am Dienstag keine Kehrtwende gebracht. Beide bekannten sich demnach zum Beschluss pro “Wasserstoffbahn”. Allerdings sollten die Grundlagen finanziell und technisch durch eine unabhängige Stelle bewertet werden. Das solle das Vertrauen in das Projekt wiederherstellen, hieß es.

Bereits bei der Entscheidungsfindung sei klar gewesen, dass jede Variante ihre Vorteile habe, so Mattle und Dornauer in einer gemeinsamen Stellungnahme. In der Speichertechnologie Wasserstoff liege jedoch “großes Entwicklungspotenzial” für die Zukunft. Zuletzt hätte es jedoch in der Bevölkerung einen “merkbaren Vertrauensverlust” in das Projekt gegeben, verwiesen die Chefs der Tiroler ÖVP und SPÖ auf die Ablöse des Vorstandes der Zillertalbahn. Nun wolle man das “Vertrauen zurückgewinnen”, ein “Höchstmaß an Sachlichkeit schaffen” sowie die “einhundertprozentige Nachvollziehbarkeit der politischen Entscheidung für die Tiroler Bevölkerung gewährleisten”.

Aus diesem Grund vereinbarten Mattle und Dornauer demnach eine “finanzielle und technische Bewertung aller relevanten Grundlagen betreffend Zillertalbahn” durch eine unabhängige Stelle. Details dazu wurden nicht bekanntgegeben, jedoch habe der Landeshauptmann bereits in der Vorwoche dieses Anliegen den Verantwortlichen der Zillertalbahn mitgeteilt und auch Kontakt mit Universitäten aufgenommen. Die Ergebnisse der Bewertung würden der Öffentlichkeit bekanntgeben, hieß es in einer Aussendung.

Scharfe Kritik kam von den Tiroler Grünen. Klubobmann Gebi Mair sah einen “Schildbürgerstreich”, das “Schlamassel” bzw. die Fehlentscheidung bei der Zillertalbahn solle offenbar nun “auch noch schöngerechnet werden”. Die Grünen forderten einmal mehr eine technologieoffene Neuausschreibung. “Die ÖVP will sonst immer technologieoffen sein, hier gilt das plötzlich nicht mehr”, wunderte sich Mair. Und die SPÖ grabe “die Grube, in die sie sich selbst gesetzt hat, nur noch tiefer”, kritisierte der Tiroler Grünen-Chef.

Zillertalbahn-Aufsichtsratschef und ÖVP-Nationalratsabgeordneter Franz Hörl zeigte sich indes ob des Ergebnisses des Mattle/Dornauer-Gespräches “zeitlich befristet sehr zufrieden”, wie er gegenüber der APA erklärte. Schließlich habe man sich erneut politisch zur “Wasserstoffbahn” bekannt. Mit der Entscheidung noch mal zu prüfen, könne er “gut leben”. “In absehbarer Zeit” brauche es aber natürlich eine endgültige Entscheidung, nachdem wegen der Grünen in der vorherigen Landesregierung bereits “drei Jahre verloren” worden seien.

Vor dem Spitzengespräch hatte Hörl noch einmal Druck gemacht. Die Landesregierung möge bei ihrer bisherigen Entscheidung pro “Wasserstoffbahn” bleiben. “Die Beschlusslage ist eindeutig, jetzt muss gehandelt werden”, hatte er die schwarz-rote Tiroler Landesregierung gegenüber der APA an ihren vor kurzem gefassten Grundsatzbeschluss pro Wasserstoff erinnert. Es liege alles auf dem Tisch. Wer jetzt glaube, die Arbeit der vergangenen Jahre noch einmal von vorn beginnen zu wollen, der “riskiert nicht nur den Öffentlichen Personennahverkehr im Zillertal, sondern verliert auch seine politische Glaubwürdigkeit”, richtete Hörl auch seinen eigenen Parteifreunden aus.

Der Hintergrund: Laut Berichten der “Tiroler Tageszeitung” und des “Kurier” war vor dem Gespräch von Mattle und Dornauer eine mögliche “technologieoffene Ausschreibung” im Raum gestanden. Dornauer hatte zwar zu dem Grundsatzbeschluss der Landesregierung auf Wasserstoffantrieb gestanden, aber gegenüber der “TT” darauf verwiesen, dass es seither doch einige Entwicklungen gegeben habe, die Fragen aufwerfen würden. Er hatte dabei auf den aufgeflogenen falschen Doktor-Titel eines abgetretenen Zillertalbahn-Vorstandes sowie beträchtliche Mehrkosten angespielt. Zuletzt war auch bekannt geworden, dass offenbar nie ernsthaft die Variante eines Akku-Zuges geprüft wurde. Mattle indes hatte bisher – zumindest öffentlich – stets betont, an dem Projekt festhalten zu wollen.

Zuletzt war von geschätzten Mehrkosten bis zu 180 Mio. Euro, gerechnet auf 30 Jahre, im Vergleich zu einer Bahn mit Oberleitung, die Rede gewesen. Landeshauptmann Mattle ließ bei Verkündung des Grundsatzbeschlusses wissen, dass man die Mehrkosten bewusst in Kauf nehme und sprach von einer “bewussten Entscheidung für Innovation und Fortschritt”. Tirol müsse beim Thema Wasserstoff Vorreiter werden. Die Mehrkosten würden 2,7 Mio. Euro pro Jahr betragen.

Damit die “Wasserstoffbahn” endgültig auf Schiene kommt, sollte nun “ein gesamthaftes Konzept” ausgearbeitet und Verhandlungen mit dem Bund hinsichtlich der Mitfinanzierung aufgenommen werden, hatte es geheißen. Auf der 32 Kilometer langen Strecke der Zillertalbahn sollen jährlich 900.000 Liter Diesel eingespart werden. Als Startjahr visierte man im Tal zuletzt das Jahr 2027 an.