Austausch zur Zukunft der biologischen Landwirtschaft

Bioland-Seminar 2026 am Ritten

Freitag, 30. Januar 2026 | 14:52 Uhr

Von: Ivd

Ritten/Südtirol – Beim Bioland-Seminar 2026 am Ritten kamen Vertreterinnen und Vertreter des Biolandbaus aus Südtirol, Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen, um über die zukünftige Ausrichtung einer ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich tragfähigen Landwirtschaft zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch über Kooperation und Zusammenarbeit über Betriebs-, Verbands- und Landesgrenzen hinweg.

Eröffnet wurde das Seminar mit Grußworten von Alma Calliari (Bioland Südtirol), Daniel Gasser (Südtiroler Bauernbund) und Landesrat Luis Walcher. Dabei wurde die Bedeutung der Weiterentwicklung der Biostrategie betont. Landesrat Walcher verwies auf die Rolle der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Handel, Tourismus und Gastronomie für die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten.

Reinhard Verdorfer, Geschäftsführer von Bioland Südtirol, ordnete die Diskussion in den aktuellen Marktkontext ein. In Südtirol würden rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bewirtschaftet, während der Anteil von Bioprodukten im Einkaufskorb der Konsumentinnen und Konsumenten bei etwa 5 bis 6 Prozent liege. Aus seiner Sicht sei es notwendig, Flächenentwicklung, Produktionsmengen und Marktentwicklung stärker miteinander zu verbinden. Als zentrale Handlungsfelder nannte er die Sichtbarkeit von Bio im Handel, die stärkere Einbindung von Gastronomie und öffentlicher Gemeinschaftsverpflegung sowie Vereinfachungen bei Kontroll- und Zertifizierungsverfahren. Auch die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) biete hierfür Ansatzpunkte.

Internationale Perspektiven brachten Vertreter der Bioverbände aus der Schweiz, Österreich und Deutschland ein. Urs Brändli (Bio Suisse) stellte die Strategie 2030–2040 vor und verwies auf globale Entwicklungen wie den Fokus auf Bodengesundheit, Ernährung und Gesundheit sowie die Abgrenzung gegenüber Greenwashing. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Marktmechanismen und Konsumentscheidungen.

Barbara Riegler, Bundesobfrau von Bio Austria, ging auf strukturelle Entwicklungen in Österreich ein. In den vergangenen drei Jahren hätten rund 1.000 Bio-Betriebe aufgegeben, während die Nachfrage nach Bioprodukten gestiegen sei. Sie sprach sich für eine stärkere länderübergreifende Zusammenarbeit der Bioverbände aus, um Märkte gemeinsam zu bearbeiten und Zugänge für Betriebe zu erleichtern. Das Jahr 2026, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Bäuerinnen erklärt, solle dafür genutzt werden.

Jan Plagge, Präsident von Bioland e.V., bezeichnete die Bio-Allianz als Reaktion auf steigenden Wettbewerbsdruck, klimatische Herausforderungen und wirtschaftliche Belastungen. Er verwies auf die Rolle der Verbände bei der Qualitäts- und Herkunftssicherung sowie auf die Positionierung gegenüber neuen gentechnischen Verfahren.

Ein Praxisbeispiel stellte der Unternehmer Johannes Gutmann vor, Gründer der Biokräuterhandels GmbH Sonnentor. Er schilderte die Entwicklung des Unternehmens seit der Gründung 1988 und hob die Bedeutung langfristiger Partnerschaften und einer wertorientierten Unternehmensstrategie hervor.

Das Bioland-Seminar 2026 diente dem fachlichen Austausch über aktuelle Herausforderungen und mögliche gemeinsame Strategien im Biolandbau. Die Diskussionen machten deutlich, dass viele Fragestellungen nur im Zusammenspiel verschiedener Akteure bearbeitet werden können.

Bezirk: Salten/Schlern

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