Warum Profi-Tennisspieler vor dem Aufschlag die Bälle begutachten

Geheimes Ritual auf dem Tennis-Court

Donnerstag, 29. Januar 2026 | 07:13 Uhr

Von: luk

Wer Tennis auf Topniveau verfolgt, kennt die Szene: Vor dem Aufschlag lässt sich der Profi mehrere Bälle von Balljungen oder Ballmädchen zuwerfen, dreht sie in der Hand, drückt sie, schaut sie an. Dann schickt er ein oder zwei kommentarlos zurück. Für Außenstehende wirkt das wie eine Marotte. Tatsächlich steckt dahinter ein entscheidender Teil des Profisports.

Der wichtigste Grund heißt Kontrolle. Neue Tennisbälle unterscheiden sich trotz Normen minimal in Härte, Filzstruktur und Gewicht. Für Spielerinnen und Spieler, die mit über 200 km/h servieren, können diese Unterschiede spürbar sein. Härtere Bälle springen höher und schneller ab, weichere lassen sich besser kontrollieren. Das ist ein Vorteil, je nach Spielstil.

Hinzu kommt der Filz. Gebrauchte Bälle sind oft “flauschiger” weil sich der Filz schon abarbeitet. Sie bieten mehr Luftwiderstand. Das verlangsamt den Ball leicht, sorgt aber für mehr Spin.

Spieler wählen in der Regel die neueren, also die weniger flauschigen Bälle für ihren ersten Aufschlag. So haben sie weniger Luftwiderstand und mehr Geschwindigkeit. Flauschigere Bälle nehmen sie für den zweiten Aufschlag, um kein Doppel-Foul zu verursachen.

pixabay/Bastian Riccardi

Der Faktor Abnutzung ist also entscheidend: In den meisten Turnieren werden die Bälle alle sieben bis neun Spiele gewechselt. Auf diesen Niveau verlieren die Tennisbälle innerhalb weniger Ballwechsel Druck und der Filz franst aus – auch ungleichmäßig. Profis wählen beim Service daher oft die am wenigsten gespielten Bälle – für mehr Tempo, Präzision und Sicherheit.

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Nicht zu unterschätzen ist auch der mentale Aspekt. Das Auswählen der Bälle ist Teil der festen Routinen vieler Spieler. Es hilft, sich zu fokussieren, den Rhythmus zu finden und in Drucksituationen Ruhe zu bewahren. Rafael Nadal etwa war berühmt für seine exakt einstudierten Abläufe. Das Ballritual gehörte dazu.

Was für Zuschauer wie Pedanterie aussehen kann, ist für die Profi-Spieler also ein feiner, aber wirkungsvoller Unterschied. Im Tennis entscheiden nämlich oft Zentimeter.

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