Franjo von Allmen: Der Weltmeister ist auch Olympiasieger

Gold auf Stelvio für Weltmeister Von Allmen – Kriechmayr 6.

Samstag, 07. Februar 2026 | 17:26 Uhr

Von: apa

Österreichs Abfahrer sind in der Olympia-Entscheidung in Bormio ohne Medaille geblieben. Beim ersten Höhepunkt der Winterspiele in Mailand/Cortina landeten die Routiniers Vincent Kriechmayr und Daniel Hemetsberger am Samstag auf den Rängen sechs und sieben. Den spektakulären Schlagabtausch auf der berüchtigten Stelvio gewann der Schweizer Weltmeister Franjo von Allmen. Silber und Bronze gingen zwei bzw. fünf Zehntel zurück an die Italiener Giovanni Franzoni und Dominik Paris.

Es wurde das Rennen um die Medaillen zwischen den favorisierten Schweizern und Italienern, für den dreifachen Saisonsieger Marco Odermatt war zwei Zehntel hinter Paris aber kein Platz mehr auf dem Podest. Mit Alexis Monney reihte sich fünf Hundertstel hinter Odermatt ein weiterer Schweizer ein, ehe die beiden besten Österreicher das Feld der Verfolger anführten. Der unmittelbar hinter Von Allmen gestartete Kriechmayr fasste 0,77 Sek. Rückstand auf den siegreichen Eidgenossen aus, bei dem mit Nummer 1 gestarteten Hemetsberger waren es zwei Zehntel mehr.

ÖOC-Routiniers führten lediglich Verfolgerfeld an

Der Oberösterreicher hatte im Donnerstag-Training einen kapitalen Sturz gebaut, sich am Freitag in der Abschluss-Einheit wieder auf die Strecke gewagt und schloss die Konkurrenz schließlich u.a. mit leicht zugeschwollenem Auge mit nicht einmal einer Sekunde Rückstand auf den Sieger ab. “Man muss realistisch sein, nachdem, was davor passiert ist”, sagte der 34-Jährige. “Ich für mich bin sehr zufrieden. Ich habe alles reingehaut, ich war sehr am Limit. Mein Hax’n hat nicht weh getan. Daheim werde ich sehen, dass das noch viel mehr wert war. Ich habe meinen Olympia-Moment gehabt.”

Kriechmayr war im oberen Teil gut dabei, seine Zeit verlor er im Mittelteil. “Das hätte ich mir anders vorgenommen”, meinte der Oberösterreicher im ORF-Interview. “In der Traverse bin ich zu tief geworden. Dann fehlt dir im Mittelteil die Geschwindigkeit, und ich krieg in dem Teil sechs Zehntel. Unten hat es mich noch ein bisschen reingedrückt. Schade, ich habe mir es sicher anders vorgenommen, aber es war schlussendlich zu wenig.” Der 34-Jährige bleibt damit weiter ohne Olympia-Medaille. In Abfahrten war er 2018 und 2022 Siebenter bzw. Achter geworden.

Seine beiden übrigen Landsleute im vierköpfigen ÖOC-Angebot kamen mit Startnummern jenseits der 20 nicht an die Top Ten heran. Der Tiroler Raphael Haaser reihte sich mit 1,89 Sek. Rückstand auf Platz 15 ein, Stefan Babinsky 3,12 Sek. zurück nur auf Position 26. “Vielleicht wollte ich es zu sehr erzwingen”, meinte der Steirer. “Ziemlich schnell nach dem Start hat es mich verdreht und ich habe dann nur noch gekämpft. Es ist ein Rennen, das es nur alle vier Jahre gibt, deswegen hat es für mich eine hohe Wertigkeit. Deswegen ärgert es mich, dass ich es nicht geschafft habe,”

Odermatt: “Habe eine Medaille erwartet”

Als Bester der auch fünfmal in olympischen Männer-Abfahrten siegreichen Franzosen wurde Nils Alegre Achter (+1,19). Schwer enttäuscht war freilich Odermatt: “Ich wusste, dass wenn jemand eine perfekte Fahrt zeigt, wird der Sieg schwierig. Aber eine Medaille habe ich schon erwartet.”

Von Allmen hingegen lief seinem Landsmann erneut den Rang ab, womit dieser weiter auf eine olympische Speed-Medaille warten muss. Der 24-jährige Sieger schlug hingegen wie auf WM-Ebene auch bei den Spielen gleich bei seinem Debüt zu: “Es fühlt sich wie in einem Film an”, erklärte Von Allmen nach seiner beeindruckenden, fast makellosen Fahrt. Ich kann noch gar nicht sagen, was das für mich bedeutet. Ich werde das erst in ein paar Tagen beurteilen können.” Das neue Schmuckstück wurde schnell verwahrt. “Jetzt ist die Medaille bereits im Safe. Ich kenne mich, ich verliere die sonst nur.” So Party machen wie nach dem WM-Titel werde man aufgrund der anstehenden Rennen nicht. “Aber ein bisschen in diese Richtung wird es schon gehen.”

Senkrechtstarter Franzoni hingegen verpasste den ganz großen Coup nur knapp. “Es ist großartig”, äußerte sich der 24-jährige Lokalmatador sehr zufrieden. “Ich war ziemlich ruhig, nur kurz vor dem Start etwas nervöser.” Seinen Lauf habe er dann genossen. “Es ist toll, mit Franjo und Dominik das Podest zu teilen. In dieser Saison Kitzbühel zu gewinnen und hier eine Medaille zu holen, ist unglaublich.” Für den sechsfachen Bormio-Sieger Paris hat Bronze “einen hohen Stellenwert. Die Fahrt war gut, im unteren Teil ein paar leichte Fehler. Ich habe mein Maximum gegeben.”

Fünftes Schweizer Abfahrts-Gold

Kitzbühel-Sieger Franzoni, Odermatt und der in Wengen und bei der Olympia-Generalprobe am vergangenen Sonntag in Crans-Montana siegreich gebliebene Von Allmen hatten sich die Erfolge in den sechs bisherigen Weltcup-Saisonabfahrten aufgeteilt. Beim Höhepunkt des Winters war wie im Vorjahr bei der Saalbach-WM Von Allmen der Beste. Es ist der fünfte Schweizer Olympiasieg in der Männer-Abfahrt und der zweite in Folge nach dem Triumph von Beat Feuz in Peking. Die Österreicher führen das Ranking mit sieben Titeln an, den bisher letzten holte Matthias Mayer 2014.

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