"Hätte Zeichen für Zukunftsfähigkeit sein können"

Heimatpflegeverband übt Kritik an Olympia

Donnerstag, 05. Februar 2026 | 09:44 Uhr

Von: Ivd

Bozen – In wenigen Tagen ist es so weit: Die Olympischen Winterspiele 2026 starten mit Athleten aus aller Welt. Der Heimatpflegeverband Südtirol wünscht allen Teilnehmer viel Erfolg und drückt insbesondere den Südtiroler Sportlern die Daumen. „Wir hoffen auf faire Wettkämpfe, gute Stimmung und unvergessliche Momente“, so der Verband.

Doch bei aller Begeisterung für den Sport darf eines nicht übersehen werden: Die Spiele wurden als „nachhaltigste Olympiade aller Zeiten“ angekündigt – doch was vielerorts bleiben wird, ist vor allem Asphalt und Beton, beklagt der Verband.

Großchance für nachhaltige Entwicklung verspielt

„Olympia hätte ein Impuls sein können – für regionale Entwicklung, nachhaltige Mobilität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Stattdessen dient das Großereignis als Legitimation für überdimensionierte Infrastrukturprojekte. In Südtirol werden rund 640 Millionen Euro in das olympische Umfeld investiert, davon 192 Millionen Euro aus Landesmitteln. Nur ein Bruchteil dieser Summe fließt in den Sport“, heißt es in einem Schreiben des Heimatpflegeverband Südtirols.

„Laut offiziellen Angaben dominiert der Bereich ‚Mobilität‘ – jedoch nicht zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs, sondern zugunsten des Straßenbaus. So wird etwa die in diesem Zusammenhang vielzitierte Riggertalschleife zur Verbesserung des Bahnverkehrs im Pustertal nicht aus dem Olympiabudget finanziert, sondern über den nationalen Wiederaufbauplan PNRR (Piano Nazionale di Ripresa e Resilienza).“

„Die Olympiagelder fließen hingegen in einen zweistöckigen Kreisverkehr bei Olang, den dreispurigen Ausbau zwischen Kiens und St. Lorenzen, die Umfahrungen in Percha und Toblach sowie eine geplante Straßenbrücke in Innichen. Olympia wird als Fest des Sports verkauft – doch was bleibt, ist ein wenig nachhaltiger Straßenausbau mit hohen Kosten, gesteigerter Kapazität und wachsender Versiegelung“, warnt der Heimatpflegeverband.

Aufrüstung statt Nutzung bestehender Anlagen

Auch in den anderen Austragungsorten hinterlässt Olympia kritische Spuren. In Cortina wurde eine neue Bob- und Rodelbahn errichtet, in Predazzo eine neue Skisprungschanze – mit hohem Energieeinsatz und enormen Baukosten.

Es sei absehbar, dass einige dieser Anlagen nach den Spielen kaum mehr genutzt werden – es drohen mit hoher Wahrscheinlichkeit bald leerstehende „Sportruinen“, so der Verband. „Das ursprüngliche Versprechen, auf bestehende Infrastrukturen zu setzen, wurde nicht eingelöst.“

Auch in Antholz, dem Austragungsort in Südtirol, wurde tief in die Landschaft eingegriffen: Das Biathlonzentrum wurde nahezu vollständig neu errichtet – inklusive unterirdischem Schießstand, neuer Beschneiungsanlage und Speicherbecken. Das Speicherbecken fasst 31.500 Kubikmeter Wasser – und wurde trotz bestehender alternativer Standorte in einem lawinengefährdeten und sensiblen Waldstück errichtet. Eine Maßnahme, die den Nachhaltigkeitsanspruch der Spiele konterkariere.

Ein Zeichen für echte Zukunftsfähigkeit setzen

„Was hätte Olympia sein können? Ein Zeichen für Qualität statt Größe. Ein Impuls für besseren öffentlichen Personennahverkehr und für die Förderung von Schul- und Vereinssport. Stattdessen liegt der Fokus vielerorts auf Prestige, Geschwindigkeit und baulichem Aufrüsten.

Der Heimatpflegeverband Südtirol appelliert daher an Politik und Gesellschaft, aus den Erfahrungen rund um Olympia 2026 zu lernen: Großveranstaltungen müssen wenn schon am Gemeinwohl orientiert sein und sollten zur ökologischen und sozialen Zukunftsfähigkeit der Region beitragen.

Wir freuen uns auf den Sport – aber wir schauen nicht weg“, so der Verband. „Denn was bleibt, ist nicht nur das olympische Feuer, sondern sehr viel Beton. Eine vergebene Chance.“

Bezirk: Bozen

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