Mehr als 600 Athleten am Start des Marlene Südtirol Sunshine Race

MTB: Mathias Flückiger und Loana Lecomte siegen in Nals

Samstag, 10. April 2021 | 19:54 Uhr

Nals – Mehr als 600 Athleten standen am Start der dritten Etappe der Internazionali d’Italia Series. Wie angekündigt war es eine richtige Generalprobe vor dem Weltcupauftakt. Der Schweizer und die Französin konnten einen riesen Erfolg einfahren, vor Schurter und Ferrand Prevot

Der Klassiker des italienischen MTB erlebte am Samstag, den 10. April 2021 den wichtigsten und prestigeträchtigsten Tag seiner Geschichte. Seit 20 Jahren sind Nals und das Marlene Südtirol Sunshine Race eine feste Station für die Topathleten der Mountainbike Szene. Jedoch noch nie zuvor konnte das Südtiroler Event, dritte Etappe der Internazionali d’Italia Series, mit einer so beeindruckenden Startliste aufwarten.

Auf der von den Südtiroler Apfelplantagen umgebenen Strecke traten 600 Athleten in den verschiedenen Kategorien an: darunter die besten Nachwuchssportler der Welt, welche an der UCI Junior Series teilnahmen, sowie die weltbesten Athleten in den Open Kategorien.

Ein Wettkampfstag auf höchstem Niveau, welcher im Frauenfeld die U23-Weltmeisterin Loana Lecomte belohnte, die die Elite-Weltmeisterin Pauline Ferrand Prevot hinter sich lassen konnte. Bei den Herren setzte sich der Nals-Experte Mathias Flückiger durch, der in Nals in den letzten Jahren immer das gewisse Etwas fand, mit welchem es ihm Gelang die Legende Nino Schurter auf den zweiten Platz zu verweisen.

Alice Russolo

OPEN HERREN: FLÜCKIGER ÜBERRASCHT ALLE

Bei den Open Herren stand heute ein Weltklassefeld am Start des Marlene Südtirol Sunshine Race. Alle Top 10 der UCI-Weltrangliste waren anwesend, angefangen bei den beiden Hauptprotagonisten von Capoliveri, Henrique Avancini (Cannondale Factory Racing) und Nino Schurter (Scott-SRAM), aber auch Weltmeister Jordan Sarrou und Heimfavorit Gerhard Kerschbaumer (Specialized Factory Racing), der Gesamtführende der Internazionali d’Italia Maxime Marotte (SantaCruz-FSA) und viele weitere.

Auf der körperlich anspruchsvollen Strecke war ein Rennen mit hohem Rhythmus vorausgesagt und dies war es auch. Ab der ersten Runde wurde von den Favoriten ein sehr hohes Tempo angesetzt, welches die Spitzengruppe schnell auseinander riss. Erst 12, dann 10 und ab der dritten Runde waren es nur noch 8 Athleten: neben Avancini, Schurter, Marotte und Sarrou auch Mathias Flückiger (Thomus RN), Titouan Carod und Filippo Colombo (Absolut Absalon) und Ondrej Cink (Kross Orlen).

In der vorletzten Runde dann die Wendung: Henrique Avancini verlor Boden auf die Ersten, und kurz darauf mussten auch Sarrou und Carod einige Sekunden einbüßen. Das Rennen entschied sich am letzten Anstieg: “Flückiger beschleunigte und gewann etwas Zeit – sagte Marotte – ich konnte vor dem Singletrail nicht überholen und blieb hinter Colombo. Dadurch verlor ich ein paar Meter. Am Ende des Anstiegs schaffte ich es zu überholen und wieder auf Nino aufzuschließen, aber da war Flückiger schon weg.”

Dem Schweizer gelang es, sein zweites Marlene Südtirol Sunshine Race nach 2018 zu gewinnen: Diesmal kam hinter ihm Nino Schurter (+0,04) ins Ziel, vor Marotte, der an Cink (+0,11) vorbeisprintete und dadurch die Führung in der Gesamtwertung der Internazionali d’Italia Series behielt. Nur den neunten Platz gab es für Avancini, hinter einem Lars Forster (Scott-SRAM), welcher durch seinen schlechten Start eine riesen Aufholjagd startete. Bester Italiener war Nadir Colledani (MMR), Sechzehnter, nur Sechsundzwanzigster, ein glanzloser Gerhard Kerschbaumer, der nie um die Führungspositionen mitkämpfen konnte.

Alice Russolo

“Es ist schön zurückzukommen und hier zu gewinnen. Mir gefällt die Strecke hier in Nals, es ist ein sehr natürlicher Kurs, mit einem sehr langen Anstieg, auf dem ich mich großartig fühle”, sagte Flückiger, 32, Weltcupsieger in Mont Sainte-Anne 2018 und Albstadt 2019. “Es war mein Saisondebüt, und normalerweise tue ich mich in den ersten Rennen etwas schwer: Diesmal war das eindeutig nicht der Fall, und es ist der perfekte Einstieg zum ersten Weltcup-Rennen.”

Ein weiterer zweiter Platz, der dritte in Folge bei den Rennen der Internazionali d’Italia Series gab es für Nino Schurter, auch bedingt durch einen folgenlosen Sturz in der ersten Runde. Aber dennoch war er zufrieden mit dem ersten Block der Saisonrennen in Italien: “Es war ein gutes anspruchsvolles Rennen und ich kann mit dem zweiten Platz heute zufrieden sein. Meine Beine reagieren gut, die beiden Rennen Capoliveri und Nals waren zwei technisch sehr unterschiedliche Wettkämpfe: jetzt geht es zum Weltcup. Nach Italien werde ich im August zurückkommen, um in Val di Sole um das Regenbogentrikot zu kämpfen.”

Alice Russolo

DAMEN OPEN: LECOMTE DOMINIERT DAS WELTMEISTER PODIUM

In den Erklärungen am Vorabend wollte sich Pauline Ferrand-Prevot (Absolute Absalon) nicht über ihre Verfassung bei ihrem vierten Saisonstart äußern. Jedoch hatte sie bei den Favoritinnen einen Namen genannt: Loana Lecomte (Massi).

Die Weltmeisterin hatte Recht, denn ihre Landsfrau, die amtierende U23-Weltmeisterin, dominierte buchstäblich das Open Rennen der Damen.

Vom Start an hatte Lecomte das Tempo forciert und sich vom Rest der Gruppe abgesetzt. Dahinter war Ferrand-Prevot neben Sina Frei (Specialized Factory Racing) die einzige Athletin, die zunächst auf Schlagdistanz blieb. Doch am Ende der dritten Runde lag Lecomte über eine Minute vor der Weltmeisterin, fast zwei Minuten vor Frei und zweieinhalb Minuten vor dem Quartett Anne Terpstra (Ghost Factory Racing), Jolanda Neff (Trek Factory Racing), Mona Mitterwallner (Trek-Vaude) und Kate Courtney (Scott-SRAM).

Für die 21-jährige Französin, die 2020 in Nove Mesto bereits Weltcup-Siegerin bei der Elite war, war es im wahrsten Sinne des Wortes eine Triumphfahrt. “Es war toll, hier zu gewinnen, aber ich habe nicht erwartet, es auf diese Weise zu tun”, sagte Lecomte. – “Ich habe mich gut gefühlt, aber Athletinnen dieses Niveaus zu distanzieren, ist wirklich ein gutes Zeichen im Hinblick auf die Weltcuprennen. Letztes Jahr war der erste Sieg im Weltcup wichtig, aber jedes Jahr ist anders: Dieser Sieg heute bedeutet mir sehr viel. Ich fahre nicht viele Rennen in Italien, aber ich hoffe, das wird sich in Zukunft ändern.”

“Ich bin immer noch nicht in Bestform, aber ich hatte ein gutes Gefühl, also habe ich versucht, hart zu pushen”, sagte stattdessen Ferrand-Prevot, die Zweite. “Loana hat ein beeindruckendes Rennen gemacht und ich freue mich sehr für sie und für Frankreich: Das Ziel ist es, in Tokio das Team zu sein, das es im Kampf um die Medaillen zu schlagen gilt.”

Interessant hingegen war der Kampf um den dritten Platz hinter Ferrand-Prevot (Zweite mit 1,44), den die junge Österreicherin Mona Mitterwallner (+2,05) für sich entscheiden konnte. Diese war erneut Protagonistin einer beeindruckenden Aufholjagd wie in Andora. Auf den ersten drei Stufen des Podiums standen drei amtierende Weltmeisterinnen: Elite (Ferrand-Prevot), U23 (Lecomte) und Juniorinnen (Mitterwallner). Platz vier ging an Sina Frei (+2,45), Platz fünf an Jolanda Neff (+3,15).

Achte und beste italienische Fahrerin war Chiara Teocchi (Trinity Racing, +4,31): eine weitere hervorragende Leistung für die Italienerin. Sie konnte sich am Ende das Leadertrikot der Internazionali d’Italia Serie in der Kategorie Open Damen überziehen. Nur Achtzehnte und Neunzehnte wurden die beiden heimischen Athletinnen, Greta Seiwald (SantaCruz-FSA) und Eva Lechner (Trinx Factory Team).

Im Frauenrennen der Junioren-Series hat Sara Cortinovis (Four Es Racing Team) auf internationaler Ebene bestätigt, was sie bereits in den bisherigen Rennen der Internazionali d’Italia Series gezeigt hat. Sie holte sich den dritten Erfolg im dritten Rennen. Hinter ihr kamen zwei deutsche Athletinnen ins Ziel: Andrea Kravanja (Stevens Schubert Racing Team) und Sina Van Thiel (RSC Auto Brosch Kempten).

JUNIOR HERREN: BOICHIS GEWINNT SOUVERÄN IN DER JUNIOR SERIES

In Italien konnte er bereits in Andora den Sieg holten. Dort konnte er als Favorit alle hinter sich lassen. In Nals. zeigte der Franzose Adrien Boichis (Team Passion VTT Venelles), dass dies kein Einzelfall war: Mit Startnummer 1 ging er in das erste Rennen der UCI Junior Series (Junioren-Weltcup) und dominierte das Rennen vom Start bis in Ziel.

Bereits nach der Startrunde hat sich eine kleine Spitzengruppe von fünf Athleten gebildet: neben Boichis sein Landsmann Axel Pourriere (Team Passion VTT Venelles), die Niederländer Tom Schellekens (Hobij Vittoria Team) und Chris Van Dijk (Team Talented) und der Italiener Filippo Agostinacchio (Scott Libarna), Führender der Kategorienwertung der Internazionali d’Italia Series.

In der zweiten Runde setzte sich Boichis von seiner Konkurrenz ab und konnte den Vorsprung von 11 Sekunden vor Van Dijk und 24 Sekunden vor Schellekens ins Ziel bringen. Platz vier für Pourriere (+0,39) und Platz fünf für Agostinacchio (+0,54). Diesem gelang es das Leadertrikot der Internazionali d’Italia Series um nur einen Punkt vor Boichis zu verteidigen.

Alice Russolo

JUGENDRENNEN AM SONNTAG IN NALS

Das Programm des Marlene Südtirol Sunshine Race 2021 endet morgen, Sonntag, 11. April, mit den Jugendwettbewerben (Damen Schüler und Jugend um 9.00 Uhr, Herren Schüler 1. Jahr um 10.00 Uhr, Schüler Herren 2. Jahr um 11.00 Uhr, Herren Jugend 1. Jahr um 12.00 Uhr und Jugend 2. Jahr um 13.00 Uhr).

NÄCHSTER ETAPPE: GSIESER TAL

Nach drei Veranstaltungen innerhalb eines Monats geht die Internazionali d’Italia Series in eine Pause und macht Platz für die ersten Weltcuprennen. Der große Mountainbike-Sport kehrt jedoch im Juni nach Italien zurück. Am 2. Juni kehrt die Serie wieder nach Südtirol zurück. Zum ersten Mal im Kalender der Internazionali d’Italia Series ins Gsiesertal. Ende Juni wird dann La Thuile das große Finale der der Internazionali d’Italia Series austragen.

Alice Russolo

DER KALENDER DER INTERNAZIONALI D’ITALIA SERIES 2021

1. Etappe – Andora Race Cup – 7. Marz

2. Etappe – Capoliveri Legend XCO – 5. April

3. Etappe – Marlene Sudtirol Sunshine Race – 10. April

4. Etappe – Valle di Casies – 2. Juni

5. Etappe – La Thuile MTB Race – 26-27. Juni

Von: ka

Bezirk: Burggrafenamt

Kommentare

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8 Kommentare auf "MTB: Mathias Flückiger und Loana Lecomte siegen in Nals"


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Storch24
Storch24
Kinig
27 Tage 15 h

SUPER, die Menschen dürfen nicht in anderen Regionen, aber hier kommt Stillschweigend die halbe Welt zusammen.
Was ist mit den Zuschauern ? Alles legal ?

Doolin
Doolin
Superredner
27 Tage 5 h

…daa ist ein Aerosol-sprüher Event…
🤪

gogogirl
gogogirl
Grünschnabel
27 Tage 15 h

Irgendwie kommt man sich schon blöd vor, wir sind im dauerlockdown, viele ohne arbeit, kein einkommem und auch wenig ausicht auf besserung und so ein event darf abgehalten werden?

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
27 Tage 6 h

Leistungssport und grosse Menschenansammlungen ist kein Problem wie uns das Event lehrt. Wahnsinn. Wenn ich dann im Gegensatz zu anderen Bildern sehe wie einzelne Personen im Wald mit Mundschutz und Desinfektionsmittel in der Hand verängstigt  spazieren gehen.

BMG
BMG
Neuling
26 Tage 23 h

Bravo…so eppes geat….die totale Verarschung

MickeyMouse
MickeyMouse
Grünschnabel
26 Tage 20 h

Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass immer mehr Menschen auf die Straße gehen um zu protestieren – ein solches Event in dieser Zeit abzuhalten, finde ich einfach nur respektlos allen gegenüber, die seit Monaten darauf warten, endlich wieder arbeiten zu dürfen! 

Iris
Iris
Tratscher
25 Tage 6 h

dann aber auch bitte kein Wintersport (Ski Eishockey), kein Tennis kein Fussball wo sie andauern Kontakt haben u.s.w. 

MickeyMouse
MickeyMouse
Grünschnabel
25 Tage 40 Min
@Iris, beim Fussball und Hockey wird in einem leeren Stadion gespielt und die Spieler werden mindestens zweimal wöchentlich getestet. Bei den Skirennen war absolutes Besucherverbot. Ich kritisiere nicht den Sport an sich, nur sollte man alles gleich behandeln. Es kann doch nicht sein, dass sich in einem Dorf 600 Athleten aus aller Herren Länder plus Betreuerstab befinden und dann beim Rennen nicht darauf geachtet wird, dass keine Besucher anwesend sein dürften. Man braucht nur die Bilder vim Start/Zielgelände anschauen und jeder versteht, dass es so nicht sein kann! Wundern wir uns nicht, wenn wir in den nächsten Tagen wieder Corona-… Weiterlesen »
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