Innovativer Weg zur Abdeckung der Reisekosten für Musiker

67.183 Klingende Kilometer

Mittwoch, 21. Juli 2021 | 10:56 Uhr

Bozen – Die 64 Südtiroler MusikerInnen, welche die Orchesterbesetzung für die Debüt-Konzertreihe bilden, haben ihre Wirkungsstätten irgendwo zwischen Florida und Malaysia, mit Schwerpunkt Mitteleuropa, der Wiege der klassischen Musik. Herzensanliegen der Südtirol Filarmonica ist es, den Südtiroler MusikerInnen eine Bühne in der Heimat zu geben. Für den Auftritt im September 2021 legen die 64 MusikerInnen und der Dirigent dabei insgesamt 67.183 Kilometer zurück. Die Anreise erfolgt am 20. September für einen einwöchigen Aufenthalt in Südtirol: vier Probentage und drei Konzerttage. Am 27. September kehren sie wieder an ihre Wirkungsstätten zurück.

Die Organisatoren der Südtirol Filarmonica haben es sich zur Aufgabe gemacht, die öffentlichen Kassen nur bedingt zu belasten – insbesondere in diesen Zeiten. Aktuell decken die öffentlichen Zuwendungen 18 Prozent des Gesamtbudgets ab. Ein wesentlicher Kostenfaktor stellen die Reisekosten der Südtiroler MusikerInnen dar.

Die Harfenistin und Mitinitiatorin der Südtirol Filarmonica Isabel Goller freut sich: “In die Heimat zu reisen und für das Südtiroler Publikum zu spielen, ist immer ein besonderes Ereignis. Wenn ich in der Welt unterwegs bin, erlebe ich öfters den besonderen Zusammenhalt der SüdtirolerInnen und bin überzeugt, dass die Aktion Klingende Kilometer darauf bauen kann.”

Ein Euro pro Kilometer

Anlässlich der Pressekonferenz am Dienstag im Waaghaus in Bozen wurde diese innovative Aktion zur Finanzierung der Reisekosten für die MusikerInnen vorgestellt. Alle SüdtirolerInnen, die mit dabei sein wollen, die MusikerInnen des Orchesters in die Heimat zu holen, können mit einem Euro pro Kilometer mitmachen.

Zeno Kerschbaumer hierzu: „Der Aufruf gilt allen Südtirolerinnen und Südtirolern, die sich der aktuellen Situation im Kulturbereich bewusst sind und einen Beitrag für die Debütkonzertreihe der Südtirol Filarmonica leisten wollen: jeder gekaufte Klingende Kilometer zählt, und bewirkt, dass den MusikerInnen die Reisekosten vollumfänglich erstattet werden.“

Sofort begeistert von der Aktion war Landeshauptmann a.D. Luis Durnwalder, der sich freut als Schirmherr der Klingenden Kilometer die Südtiroler MusikerInnen der Südtirol Filarmonica zu unterstützen: „Südtirol kann stolz auf seine vielen MusikerInnen sein, die in den renommiertesten Orchestern der Welt spielen. Dank der Initiative der Südtirol Filarmonica bekommen wir die Möglichkeit, diese in unserer aller Heimat zu erleben. Ich unterstütze die Aktion Klingende Kilometer mit ganzen Herzen und wünsche mir, dass viele Südtiroler und Südtirolerinnen diesem Aufruf folgen.”

Damit startet heute die Aktion Klingende Kilometer und sie startet nicht bei Null: Luis Durnwalder, Schirmherr der Aktion Klingende Kilometer, und Zeno Kerschbaumer, Präsident der Südtirol Filarmonica, haben gemeinsam 449 Kilometererworben: diese ermöglichen Isabel Goller, Harfenistin der Südtirol Filarmonica, die Reise von Wien nach Toblach antreten zu können.

Welche Verwendung findet das gesammelte Geld?

Das gesammelte Geld der Klingenden Kilometer wird ausschließlich für Reisekosten, welche die 64 Südtiroler MusikerInnen betreffen, verwendet. Auch wird mit dem gesammelten Geld ein CO2-Zertifikat angekauft, um den CO2-Fussabdruck, der durch die Reisetätigkeit der MusikerInnen entsteht, auszugleichen.

CO2-Fussabdruck
Den Initiatoren und den MusikerInnen der Südtirol Filarmonica ist nachhaltiges Handeln und schonender Umgang mit den Ressourcen sehr wichtig.  Da ein gemeinsamer Auftritt ohne Reisetätigkeit nicht möglich ist, möchte man zumindest den dabei entstehenden CO2-Ausstoß so gering wie möglich gestalten. Der Zug wird als zentrales Reisemittel gewählt, lediglich MusikerInnen aus Übersee werden auf das Flugzeug zurückgreifen müssen. Im geplanten Fortbewegungsmittel-Mix ergibt sich ein CO2-Ausstoß von 11,9 T – dies entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß eines Europäischen Bürgers im Jahr. Daher wird nach Abschluss der Reisetätigkeit der MusikerInnen für den tatsächlichen CO2-Ausstoß zum Ausgleich desselben ein CO2-Zertifikat erworben.

Die Debüt-Konzertreihe
Freitag 24.9.2021 im „Gustav-Mahler-Saal“ in Toblach
Samstag 25.9.2021 im „Auditorium“ in Bozen
Sonntag 26.9.2021 im „Kursaal“ in Meran

Das Programm
Das Programm erfährt keine Änderung und lautet wie folgt:
Johann Rufinatscha — Ouvertüre in c‑moll
Igor Stravinsky — „Der Feuervogel“ Suite 1919
Antonín Dvořák — Sinfonie Nr. 9 e‑moll “Aus der neuen Welt” op. 95
Der Dirigent, Michael Pichler, ist begeistert: „Es könnte nicht passender sein! Die Südtirol Filarmonica wird ihr Debüt mit einer Ouvertüre des Südtiroler Komponisten Johann Rufinatscha eröffnen.”

Das Projekt
Musik wirkt — das ist die gemeinsame Überzeugung der Initiatoren. Die Südtirol Filarmonica soll einen konkreten Beitrag zum Miteinander leisten: das Orchester kommuniziert in der Sprache der Musik. Südtirol lebt Musik schon von Kindesalter an. Die unzähligen und vielbesuchten Musikschulen sind Beweis hierfür. Das Spektrum der dabei praktizierten Instrumente trägt auch zur Vielfalt bei, die in Südtirol einen ganz besonderen Geist genießt. Aber Musik ist noch viel mehr: Menschen erleben Musik als verbindendes Element, Musik ermöglicht ein Miteinander auf verschiedenen Ebenen. Ein Orchester bringt das gemeinsame Empfinden und Agieren deutlich zum Ausdruck. Die Südtirol Filarmonica versteht sich als sprachgruppenunabhängig. Sie lässt die Sprache der Musik walten und ist nur der Qualität verpflichtet. Diese besondere Energie wird bei den Konzerten der Südtirol Filarmonica für das Südtiroler Publikum spürbar werden.

Mehr Infos findet ihr unter suedtirol-filarmonica.it/de/klingende-kilometer/

Von: mho

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