„Nicht egoistische Lobbybildung soll unsere Antwort sein, sondern ein lokales und weltweites Umdenken“

Bischof Muser zum Jahresende: Umdenken ist notwendig

Donnerstag, 31. Dezember 2020 | 18:36 Uhr

Brixen – Im Brixner Dom hat Bischof Ivo Muser heute Abend (31. Dezember) den Dankgottesdienst zum Jahresende gefeiert. In seiner Predigt ging der Bischof auf die Corona-Pandemie, das alles dominierende Thema des abgelaufenen Jahres, ein: „Unser Leben ist in kürzester Zeit anders geworden. Bei aller Betroffenheit sollten wir nicht so tun, als ob die Pandemie uns am schwersten getroffen hätte. Wer sensibel genug ist für das Leid von Menschen anderer Völker und anderer Weltgegenden wird sich nicht darauf beschränken, nur für den eigenen Bereich zu fordern und das Maximum herauszuholen. Nicht egoistische Lobbybildung soll unsere Antwort sein, sondern ein lokales und weltweites Umdenken.“

„Mit dem heutigen Tag“, begann Bischof Muser seine Predigt zum Jahresabschluss, „verabschieden wir ein Jahr, das ganz anders verlaufen ist als alles, was wir bisher gewohnt waren. Die Ausbreitung von Covid 19 hat den Alltag der Menschen so umfassend verändert wie keine andere Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele Bilder, die wir im Frühjahr in den digitalen Medien zu sehen bekamen, wirkten wie Endzeit-Bilder: Hunderttausende Tote weltweit, aufgestapelte Särge, Massengräber, völlig überforderte Gesundheitssysteme… Unser Leben ist in kürzester Zeit anders geworden. Der gewohnte Rhythmus wurde zerstört. Das Virus trifft die Menschen in einem urmenschlichen Bedürfnis, nämlich im Bedürfnis nach Gemeinschaft. Plötzlich lautet die Losung auf Distanz gehen, Verzicht auf soziale Kontakte. Viele Menschen haben Schwierigkeiten damit. Man kann es auch so sagen: Corona verunsichert, Corona macht Angst, Corona trägt Streit in die Familien und in die Gesellschaft. Corona macht arm.“

Diözese BZ-BX

Der Bischof warnte davor, so zu tun, als ob die Pandemie uns am schwersten getroffen hätte: „Wer sensibel genug ist für das Leid von Menschen anderer Völker und anderer Weltgegenden, wird nicht nur die Wunden lecken, die diese Pandemie uns geschlagen hat und wird sich nicht darauf beschränken, nur für den eigenen Bereich zu fordern und das Maximum herauszuholen. Nicht egoistische Lobbybildung soll unsere Antwort sein, sondern ein lokales und weltweites Umdenken! Eine Mentalität des ‚immer mehr‘ in vielen Bereichen des persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens hat ausgedient! In meinem Weihnachtsbrief habe ich es gewagt, auch im Blick auf uns, Papst Franziskus zu zitieren: ‚Schlimmer als die gegenwärtige Krise wäre nur, wenn wir die Chance, die sie birgt, ungenutzt verstreichen ließen und uns in uns selbst verschließen würden‘. Wir Menschen haben es in der Hand, ob Solidarität, Gemeinsinn die Oberhand gewinnen oder aber der Egoismus, das ‚Jeder für sich‘.“

Danke

Abschließend bedankte sich der Bischof bei allen, die sich in diesem Jahr in den Dienst des Lebens und der Gemeinschaft gestellt haben: „Ich danke allen, die in diesem schwierigen Jahr in Krankenhäusern und Altenheimen Großartiges geleistet haben und die dadurch gezeigt haben, dass jedes Leben Schutz, Hilfe und Anteilnahme verdient. Danke den Vielen, die menschlich, geistlich und medizinisch kranken und alten Menschen beigestanden sind. Danke denjenigen, die unter schwierigen Bedingungen in Schulen und Bildungseinrichtungen, bei den Sicherheitskräften, in sozialen Strukturen, in Geschäften, Betrieben und den Medien arbeiten mussten. Der Beitrag von so vielen wurde in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens benötigt. Einen besonderen Dank verdienen auch all diejenigen, die politische und sanitäre Entscheidungen zu treffen hatten. Danke allen Freiwilligen in den Hilfsorganisationen, in Vereinen, Gruppen und Pfarreien. Danke allen Priestern und den vielen Frauen und Männern, die unter den gegenwärtigen Bedingungen unsere Gottesdienste gestaltet und mitgefeiert haben. Danke allen, die persönlich und in Gemeinschaft gebetet haben – stellvertretend für unsere ganze Gesellschaft.“

Von: ka

Bezirk: Eisacktal

Kommentare

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21 Kommentare auf "Bischof Muser zum Jahresende: Umdenken ist notwendig"


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Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
15 Tage 13 h

Gut so dann wird die Diezöse ihren Besitz verkaufen und alles gerecht verkaufen. Auch der Vatikan wird dem folgen nicht wahr?

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
15 Tage 10 h

wirst du dem auch folgen? Immer die anderen, gel?

andr
andr
Universalgelehrter
15 Tage 2 h

Der Besitz wurde größtenteils gespendet um dafür den Ablass zu erlangen
Ja die diezöse ist steinreich

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
15 Tage 1 h

@Jiminy nein ich sicher nicht. Spenden für die die bei den Slotmaschinen ihr Besitz verloren haben?

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

1/5 der Immobilien bzw Grundstückbestitz gehört dem Vatikan. Woher sie das wohl haben? Heuchlerischer gehts nimmer…

Trina1
Trina1
Tratscher
15 Tage 11 h

Es gibt über vierhundert Religionen auf der Welt und jede ist eine Instituiton,mir ist kein armer Religionsführer bekannt! Kirche ist genauso Macht wie Politik.

genau
genau
Kinig
14 Tage 20 h


Die Kirche kann ja mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Besitz spenden.

Aber das wird wohl nicht passieren!😄
Gratis gibts wohl nur den Segen des Papstes🙈

Opa1950
Opa1950
Tratscher
15 Tage 14 h

Die katholische Kirche könnte auch langsam umdenken.

Lu O
Lu O
Tratscher
14 Tage 20 h

langsam istvgut… die Kirche hat höchste Zeit zum Umdenken, sie ist schon spät dran und sie sollte weniger fordern sondern bei sich beginnen und Vorbild sein

tobias.peter
tobias.peter
Tratscher
15 Tage 12 h

Hauptsache, die alt-persische Kopfbedeckung in Gold sitzt richtig….

inni
inni
Superredner
15 Tage 16 h

Outfit Pabst: understatement — schlicht und bescheiden 👍

Outfit Mulser: overstatement — pompös und herrschaftlich 👎

fantomas
fantomas
Neuling
15 Tage 12 h

Genau der Vatikan sollte sich dabei selbst an die Nase fassen und umdenken statt immer nur mit dem Finger auf uns zeigen !

Krissy
Krissy
Superredner
15 Tage 1 h

Wasser predigen und Wein trinken.

schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Superredner
15 Tage 15 h

Amen!!!

Sag mal
Sag mal
Kinig
15 Tage 15 h

auf der anderen Seite wird Egoismus gepredigt.Da bin ich für Nächstenliebe.

Fochmonn
Fochmonn
Tratscher
14 Tage 23 h

Herr Bischof!! Die meisten Südtiroler nehmen Sie nicht ernst!!!

maxi
maxi
Tratscher
14 Tage 23 h

Es gibt niemand die mehr Lobbyarbeit machen wie die Kirche.

Maurus
Maurus
Tratscher
14 Tage 22 h

So unrecht hat der Mann nicht.

Was hören wir denn die letzte Zeit? Gejammer Gejammer

Corona hat uns gezeigt, dass das Modell Wirtschaft so nicht weiterlaufen kann. Immer Investieren, alles bis zum Rande ausnutzen. Und wenn ein Glied der Kette bricht, fällt alles zusammen

Wo sind denn die Konzepte des Hgv, Hds usw. An die Angestellten denkt eh keiner, nur an Geld.

Nachhaltig, Lokal, Einheimisch? Alles nur Worte. Bis ganz nach oben

Ars Vivendi
14 Tage 20 h

Wenn hochrangige “Vertreter” der römisch-katholischen (Amts) Kirche ein Umdenken “predigen”, sollten Sie vielleicht mal eine “Klausur” abhalten, um im eigenen “Haus” zu kehren 🪠🪠

Lu O
Lu O
Tratscher
14 Tage 19 h
Umdenken ist alles gut und recht aber die Kirche sollte da bei sich selbst anfangen und sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu besinnen… Jesus hat mit Sicherheit virles Nicht so gewollt… ein Umdenken muss her, in Rom und in der Diözese, lieber gestern als morgen… zurück zur Bodenständigkeit und Glaubhaftigkeit.. neue moderne, technische, musikalische, Wege einbauen, dies jann man im kleinen Vorort… im großen wäre das Zölibat, die Frauen, die Ausbildung, das Alter in Rom, die Laien, usw. endlich anzugehen und zu modernisieren oder der Zeit anzupassen… wo steht dass Priester keine Familie haben dürfen und Frauen nicht Priester mschen… Weiterlesen »
PeterPloner
PeterPloner
Grünschnabel
5 Tage 15 h

Allmählich müßte doch jeder Mensch verstehen, um was es im Leben, von der Wiege bis zur Bahre und über den Tod hinaus geht, oder noch  nicht?

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