Von: mk
Meran – „Die Reife der Spätwerke bedeutender Künstler gleicht nicht der von Früchten. Sie sind gemeinhin nicht rund, sondern durchfurcht, gar zerrissen; sie pflegen der Süße zu entraten und weigern sich herb, stachlig dem bloßen Schmecken” – mit diesem Satz beginnt Theodor W. Adorno 1937 seinen Essay „Spätstil Beethovens”. Mit Beethovens später Sonate op. 109, die sich aus dem Korsett der Wiener Klassik löst, endet ein Programm, mit dem der isländische Pianist Víkingur Ólafsson in diesem Jahr durch die Konzertsäle der Welt tourt.
Am 28. August um 20.30 Uhr spielt er im Kursaal beim südtirol festival meran ein Klavierrecital, bevor er zwei Tage später – mit der gleichen Musik – bei den Salzburger Festspielen auftritt. Das Highlight-Konzert für alle Klavierfans beginnt mit einem kurzen Präludium aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier” und der Beethoven-Sonate op. 90, die im Sommer 1814 auf dem Höhepunkt von dessen Popularität entsteht, also vor jener Zeit, in der sich der Komponist, isoliert durch den Verlust des Gehörs, jenseits von Hybris und Pomp in ein „Exil” zurückzieht. Auf eine für das Clavicembalo komponierte Bach-Suite, die 1731 als „Clavir-Übung” gedruckt wird, folgt dann – vor dem grandiosen Finale mit Beethovens Opus 109 – die fragmentarisch überlieferte Sonate D 566 in e-Moll von Franz Schubert.
Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson ist einer der gefragtesten Künstler der Gegenwart. Publikum und Kritik begeistert er gleichermaßen mit tiefer Musikalität und richtungsweisenden Programmen. Seine Aufnahmen haben bis heute über eine Milliarde Streams erzielt und wurden vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Grammy als „Best Classical Instrumental Solo“ 2025 für seine Interpretation von Bachs Goldberg-Variationen, als „Album of the Year” vom BBC Music Magazine und mit drei Opus Klassik. Überdies erhielt Ólafsson den renommierten Rolf-Schock-Preis, Gramophones „Artist of the Year,” „Musical Americas Instrumentalist of the Year”, den Falkenorden seines Landes sowie den isländischen „Export Award”, der vom Staatsoberhaupt seiner Heimat verliehen wird.
www.meranofestival.com
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