Wissenschaftliche Tagung geht dem Einsatz von Neulatein im faschistischen Ventennio auf den Grund

Faschismus und Latein

Dienstag, 11. Oktober 2016 | 12:16 Uhr

Brixen – Bei einem zweitägigen Kongress im Vinzentinum trafen sich am Freitag und Samstag vergangener Woche namhafte Lateinexperten aus ganz Europa, um sich über das Phänomen „Neulatein im Zeitalter des Faschismus“ auszutauschen. Geladen hatte das Innsbrucker Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien.

Neben den zahlreichen Fachvorträgen in deutscher, italienischer und englischer Sprache gab es auch zwei Termine für ein breiteres Publikum. Wolfgang Strobl, Lateinlehrer in Bruneck und Fachmann für faschistische Inschriften in Südtirol, gestaltete einen Workshop für Maturanten der Klassischen Gymnasien, bei dem ausgewählte Inschriften der „Era Fascista“ analysiert wurden. „Die Ideologen des italienischen Faschismus haben bekanntlich immer wieder auf die römische Antike zurückgegriffen, um sich Gestalten und Elemente der römischen Geschichte und Literatur für die eigene Propaganda nutzbar zu machen“, erklärt Strobl. So nimmt beispielsweise die weniger bekannte Inschrift auf der Südseite des Bozner Siegesdenkmals indirekt auf Kaiser Trajan Bezug, unter dem das römische Reich seine größte Ausdehnung erfuhr, und schwört die Bewohner der Bozner Neustadt auf ihre „patriotische Aufgabe“ ein.

Dirk Sacré von der Universität Leuven in den Niederlanden beschäftige sich in seiner öffentlichen Abendvorlesung mit dem Thema „Neulateinische Literatur und die Ideologie des Faschismus“. Er ging der Frage nach, welche kulturelle Bedeutung Latein unter Mussolini besaß, aber auch wie die Dichter, die sich auf die Seite der faschistischen Ideologie gestellt hatten, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihren Werken umgingen.

 

 

Von: luk

Bezirk: Eisacktal

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