Thema Utopia by Design

Giorgio Camuffo Kurator des italienischen Auftritts auf der Biennale von London

Freitag, 09. September 2016 | 17:03 Uhr

Bozen – Giorgio Camuffo, aus Venedig stammender Dozent für Visual Communication an der Fakultät Design und Künste, ist zum Kurator des Italien-Pavillons der Design-Biennale in London ernannt worden. Die Entscheidung wurde vom Museum für Design der Triennale von Mailand getroffen. Die Londoner Biennale dreht sich in diesem Jahr – 500 Jahre nach der ersten Veröffentlichung von Utopia von Thomas More – um das Thema Utopia by Design.

Die Biennale von London ist vor zwei Tagen im Somerset House eröffnet worden. Der Ort der Eröffnung wurde nicht zufällig gewählt, ist das Somerset House doch eines der historischen Gebäude der britischen Hauptstadt und Austragungsort etlicher Veranstaltungen im Rahmen der Biennale. Italien ist mit einem eigenen Pavillon und der Installation White Flag auf der Biennale vertreten. Im italienischen Pavillon spürt man dabei auch die Präsenz der Freien Universität Bozen, ist doch einer der beiden Kuratoren des Pavillons Giorgio Camuffo, Dozent an der unibz. Die zweite Kuratorin ist Silvana Annichiarico, Architektin und Direktorin des Designmuseums der Triennale von Mailand. Die 2016er Ausgabe der Biennale von London, gleichzeitig die Premiere der Schau, gilt als eine der großen Prestigeveranstaltungen im Bereich des Designs.

So sind die großen Namen des Sektors allesamt vertreten und geben dem zentralen Thema Utopia ein ganz eigenes und neues Gesicht. Mit dem Thema der Schau lehnt man sich an ein historisches Ereignis an: Vor genau 500 Jahren ist zum ersten Mal Utopia, der Klassiker von Thomas More veröffentlicht worden. Im Italien-Pavillon der Biennale werden Werke von 20 Künstlern und Designern ausgestellt – für jeden Tag der Schau eines. Der Pavillon steht unter dem Motto White Flag. „Unsere Vorgabe an jeden Künstler war, eine weiße Fahne zu zeichnen und diese mit Symbolen zu füllen, die für eine Waffenruhe oder für die Kapitulation stehen“, so Giorgio Camuffo. Es sei dies eine zeitgemäße Interpretation von Utopia.

„Es geht uns nicht um Konstruktion, sondern um Dekonstruktion“, so die beiden Kuratoren. Gleich am ersten Ausstellungstag wurden alle 20 Flaggen auf einer Weltkarte angeordnet – auch diese für den Anlass eigens designt. Die Flaggen können hier frei flattern, symbolisieren aber gleichsam das labile Gleichgewicht einer Waffenruhe. Dieses wird wiederum dadurch sichtbar gemacht, dass an jedem Tag der Ausstellung eine der Fahnen von der Karte verschwindet und durch ein Objekt eines Designers ersetzt wird. Am Ende der Schau werden nur noch Objekte zu sehen sein, die dann eine Art Gnadengabe darstellen, die im Laufe einer Waffenruhe zusammengetragen worden ist. Gleichzeitig stehen die Objekte für einen Austausch zwischen Design und Welt.

„Die Geschichte zeigt, dass die verschiedenen Utopien immer versucht haben, neue Welten zu schaffen und alternative Modelle umzusetzen, dabei aber auch dazu tendiert haben, wegen ihrer innovativen Gedanken und des Strebens nach Perfektion eine Art Vormachtstellung einzunehmen“, erklären Camuffo und Annichiarico. Sie erinnern daran, dass es derzeit wohl nicht mehr darum gehe, Neues aufzubauen und ein Noch-Mehr anzustreben. „Utopien müssen heute eher in Richtung Dekonstruktion und Entleerung gehen, um damit einen Beitrag zum Frieden zu leisten.“ Aus diesem Gedanken sei das Symbol der weißen Fahne geboren, die auch namensgebend für die gesamte Ausstellung wurde. Giorgio Camuffo ist Kommunikations-Designer, Art Director und Kurator und lehrt seit 2011 an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität Bozen. Zuvor war Camuffo Dozent am IUAV von Venedig.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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