Sandra Hüller gewann Silbernen Bären

İlker Çatak gewinnt für “Gelbe Briefe” den Goldenen Bären

Samstag, 21. Februar 2026 | 22:31 Uhr

Von: APA/dpa

Der Film “Gelbe Briefe” des deutschen Regisseurs İlker Çatak hat den Hauptpreis der 76. internationalen Filmfestspiele Berlin, den Goldenen Bären für den besten Film des Wettbewerbs, gewonnen. Das gab die Internationale Jury unter Vorsitz von Wim Wenders am Samstagabend bekannt. Einen Silberne Bären für die Beste Hauptrolle gab es für Sandra Hüller, die deutsche Hauptdarstellerin in “Rose” des Wieners Markus Schleinzer. 22 Filme waren angetreten.

Regisseur und Drehbuchmitautor Çatak (“Das Lehrerzimmer”) erzählt die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares aus der Theaterwelt in Ankara. Die deutliche politische Positionierung des Paares führt zu einem Berufsverlust und damit materieller Not. Sie sollen mundtot gemacht werden. Jurypräsident Wim Wenders sagte, man könne den Film als furchtbare Vorahnung verstehen, “als einen Blick in die nahe Zukunft, die möglicherweise auch in unseren Ländern passieren könnte. (…) Er ging uns allen unter die Haut, die in ihrem Land oder in ihrer Nachbarschaft die Zeichen der Willkür sehen.” Mit Çatak hat erstmals seit mehr als 20 Jahren der Film eines deutschen Regisseurs die wichtigste Auszeichnung des Filmfestivals erhalten. Zuletzt hatte “Gegen die Wand” von Fatih Akin im Jahr 2004 den Goldenen Bären gewonnen.

Demenzdrama erhielt zwei Preise

Der Große Preis der Jury ging an die Tragödie “Kurtuluş” (“Salvation”) des Türken Emin Alper. Stilistisch an einen Western erinnernd, handelt der Film vom mörderischen Kampf zweier Dorfgemeinschaften gegeneinander. Das Demenzdrama “Queen at Sea” des Amerikaners Lance Hammer wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet. Der Film erhielt den Preis der Jury, zudem gewannen die Briten Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay gemeinsam einen Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle. Calder-Marshall spielt eine demenzkranke Frau, Courtenay ihren Ehemann.

Den Silberner Bären für die Beste Regie nahm Grant Gee für das Jazzmusiker-Porträt “Everybody Digs Bill Evans” entgegen. Die Kanadierin Geneviève Dulude-de Celles bekam einen Silbernen Bären für das Drehbuch des Spielfilms “Nina Roza”. Für eine herausragende künstlerische Leistung wurde der Film “Yo (Love is a Rebellious Bird)” der US-Amerikaner Anna Fitch und Banker White geehrt.

Zweiter Silberner Bär für Hüller

Der zweite österreichischen Beitrag im Wettbewerb, “The loneliest man in town” von Tizza Covi und Rainer Frimmel, blieb ohne Preis. Für Hüller war es dagegen nach 2006 (“Requiem”) bereits die zweite Hauptrollen-Auszeichnung der Berlinale. Die 47-Jährige verkörpert in Schleinzers von der Fachpresse hoch gehandelten Schwarz-Weiß-Film eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert in einem kleinen, abgelegenen Dorf als Mann ausgibt.

Als “starkes Signal für den Filmstandort Österreich” feierte Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft, den Silbernen Bären. “Internationale Anerkennung entsteht dort, wo Qualität auf verlässliche Rahmenbedingungen trifft. Der Erfolg von ‘Rose’ auf der Berlinale zeigt eindrucksvoll das hohe Potenzial und die weltweite Sichtbarkeit des österreichischen Filmschaffens”, so der Produzent und Branchenvertreter am Abend in einer Aussendung. Der ORF, der “Rose” im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanziert hat, hob zudem hervor, dass Adrian Goigingers Spielfilm “Vier minus drei” Platz zwei beim Panorama Publikumspreis erreicht und das “Label Europa Cinemas” erhalten habe.

“Ihr seid nicht allein!”

Die Preisgala war ebenso wie schon das Festival von politischen Statements insbesondere zum Gaza-Konflikt geprägt. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib, dessen Film “Chronicles of the Siege” als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet wurde, entfaltete eine Palästinenser-Flagge und nutzte seine Dankesrede ebenso wie Emin Alper und die Libanesin Marie-Rose Osta (Goldener Bär für den Besten Kurzfilm) für politische Statements.

Alkhatib sprach von deutscher Beihilfe zu einem Genozid in Gaza. Der deutsche Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) distanzierte sich von der Rede. Er sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen und habe während der Rede den Saal verlassen, teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. Schneider halte die Aussagen “für nicht akzeptabel”.

Alper rief den Menschen in Gaza, im Iran und dem kurdischen Volk zu: “Ihr seid nicht allein!” Moderatorin Désirée Nosbusch versicherte von der Bühne herab in Richtung Zwischenrufer: “Ich bin mir sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus.”

Während des Festivals wurde diskutiert, wie politisch sich Filmschaffende äußern sollten. Dabei ging es mehrfach um den Nahostkonflikt. In einem offenen Brief hatten Filmschaffende der Berlinale vorgeworfen, sich nicht ausreichend zum Gaza-Krieg zu positionieren.

“Müssen unsere Sprachen aufeinanderprallen?”

Wenders war unter anderem für die Aussage kritisiert worden, Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten. Bei der Preisverleihung würdigte er die Arbeit politischer Aktivisten und rief zu Zusammenhalt auf: “Wie die Filme der Berlinale deutlich zeigen, applaudieren euch die meisten von uns Filmemachern. Wir alle applaudieren euch. Ihr macht eine notwendige und mutige Arbeit, aber muss sie in Konkurrenz zu uns stehen? Müssen unsere Sprachen aufeinanderprallen?”

Festivalchefin Tricia Tuttle sagte: “Wir sind in diesem Jahr auch öffentlich herausgefordert worden, und das ist gut so. Es hat sich nicht immer gut angefühlt, aber es ist gut, weil es bedeutet, dass die Berlinale den Menschen wichtig ist.” Kritik und das Einbringen von Meinungen seien Teil der Demokratie.

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İlker Çatak gewinnt für “Gelbe Briefe” den Goldenen Bären

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Der Film “Gelbe Briefe” des deutschen Regisseurs İlker Çatak hat den Hauptpreis der 76. internationalen Filmfestspiele Berlin, den Goldenen Bären für den besten Film des Wettbewerbs, gewonnen. Das gab die Internationale Jury unter Vorsitz von Wim Wenders am Samstagabend bekannt. Einen Silberne Bären für die Beste Hauptrolle gab es für Sandra Hüller, die deutsche Hauptdarstellerin in “Rose” des Wieners Markus Schleinzer. 22 Filme waren angetreten.

Regisseur und Drehbuchmitautor Çatak (“Das Lehrerzimmer”) erzählt die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares aus der Theaterwelt in Ankara. Die deutliche politische Positionierung des Paares führt zu einem Berufsverlust und damit materieller Not. Sie sollen mundtot gemacht werden. Jurypräsident Wim Wenders sagte, man könne den Film als furchtbare Vorahnung verstehen, “als einen Blick in die nahe Zukunft, die möglicherweise auch in unseren Ländern passieren könnte. (…) Er ging uns allen unter die Haut, die in ihrem Land oder in ihrer Nachbarschaft die Zeichen der Willkür sehen.” Mit Çatak hat erstmals seit mehr als 20 Jahren der Film eines deutschen Regisseurs die wichtigste Auszeichnung des Filmfestivals erhalten. Zuletzt hatte “Gegen die Wand” von Fatih Akin im Jahr 2004 den Goldenen Bären gewonnen.

Demenzdrama erhielt zwei Preise

Der Große Preis der Jury ging an die Tragödie “Kurtuluş” (“Salvation”) des Türken Emin Alper. Stilistisch an einen Western erinnernd, handelt der Film vom mörderischen Kampf zweier Dorfgemeinschaften gegeneinander. Das Demenzdrama “Queen at Sea” des Amerikaners Lance Hammer wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet. Der Film erhielt den Preis der Jury, zudem gewannen die Briten Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay gemeinsam einen Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle. Calder-Marshall spielt eine demenzkranke Frau, Courtenay ihren Ehemann.

Den Silberner Bären für die Beste Regie nahm Grant Gee für das Jazzmusiker-Porträt “Everybody Digs Bill Evans” entgegen. Die Kanadierin Geneviève Dulude-de Celles bekam einen Silbernen Bären für das Drehbuch des Spielfilms “Nina Roza”. Für eine herausragende künstlerische Leistung wurde der Film “Yo (Love is a Rebellious Bird)” der US-Amerikaner Anna Fitch und Banker White geehrt.

Zweiter Silberner Bär für Hüller

Der zweite österreichischen Beitrag im Wettbewerb, “The loneliest man in town” von Tizza Covi und Rainer Frimmel, blieb ohne Preis. Für Hüller war es dagegen nach 2006 (“Requiem”) bereits die zweite Hauptrollen-Auszeichnung der Berlinale. Die 47-Jährige verkörpert in Schleinzers von der Fachpresse hoch gehandelten Schwarz-Weiß-Film eine Frau, die sich im 17. Jahrhundert in einem kleinen, abgelegenen Dorf als Mann ausgibt.

Als “starkes Signal für den Filmstandort Österreich” feierte Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft, den Silbernen Bären. “Internationale Anerkennung entsteht dort, wo Qualität auf verlässliche Rahmenbedingungen trifft. Der Erfolg von ‘Rose’ auf der Berlinale zeigt eindrucksvoll das hohe Potenzial und die weltweite Sichtbarkeit des österreichischen Filmschaffens”, so der Produzent und Branchenvertreter am Abend in einer Aussendung. Der ORF, der “Rose” im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanziert hat, hob zudem hervor, dass Adrian Goigingers Spielfilm “Vier minus drei” Platz zwei beim Panorama Publikumspreis erreicht und das “Label Europa Cinemas” erhalten habe.

“Ihr seid nicht allein!”

Die Preisgala war ebenso wie schon das Festival von politischen Statements insbesondere zum Gaza-Konflikt geprägt. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib, dessen Film “Chronicles of the Siege” als bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet wurde, entfaltete eine Palästinenser-Flagge und nutzte seine Dankesrede ebenso wie Emin Alper und die Libanesin Marie-Rose Osta (Goldener Bär für den Besten Kurzfilm) für politische Statements.

Alkhatib sprach von deutscher Beihilfe zu einem Genozid in Gaza. Der deutsche Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) distanzierte sich von der Rede. Er sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen und habe während der Rede den Saal verlassen, teilte ein Sprecher seines Ministeriums mit. Schneider halte die Aussagen “für nicht akzeptabel”.

Alper rief den Menschen in Gaza, im Iran und dem kurdischen Volk zu: “Ihr seid nicht allein!” Moderatorin Désirée Nosbusch versicherte von der Bühne herab in Richtung Zwischenrufer: “Ich bin mir sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus.”

Während des Festivals wurde diskutiert, wie politisch sich Filmschaffende äußern sollten. Dabei ging es mehrfach um den Nahostkonflikt. In einem offenen Brief hatten Filmschaffende der Berlinale vorgeworfen, sich nicht ausreichend zum Gaza-Krieg zu positionieren.

“Müssen unsere Sprachen aufeinanderprallen?”

Wenders war unter anderem für die Aussage kritisiert worden, Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten. Bei der Preisverleihung würdigte er die Arbeit politischer Aktivisten und rief zu Zusammenhalt auf: “Wie die Filme der Berlinale deutlich zeigen, applaudieren euch die meisten von uns Filmemachern. Wir alle applaudieren euch. Ihr macht eine notwendige und mutige Arbeit, aber muss sie in Konkurrenz zu uns stehen? Müssen unsere Sprachen aufeinanderprallen?”

Festivalchefin Tricia Tuttle sagte: “Wir sind in diesem Jahr auch öffentlich herausgefordert worden, und das ist gut so. Es hat sich nicht immer gut angefühlt, aber es ist gut, weil es bedeutet, dass die Berlinale den Menschen wichtig ist.” Kritik und das Einbringen von Meinungen seien Teil der Demokratie.

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