Vortragsabend

Katholische und evangelische Kirche: Gemeinsam für Frieden eintreten

Freitag, 11. November 2022 | 13:25 Uhr

Bozen – „Einsatz für den Frieden – in einer Zeit des Krieges“ war der Titel des ökumenischen Vortragsabend gestern Donnerstag im Pastoralzentrum in Bozen, an dem auch Diözesanbischof Ivo Muser und die beiden evangelischen Pastoren Michael Jäger (Bozen) und Timm Harder (Meran) teilgenommen haben. Bei den Vorträgen von Maria Stettner und P. Martin M. Lintner wurde deutlich, dass Frieden aus Vertrauen und nicht aus Angst geboren wird und nur durch Gerechtigkeit erhalten werden kann.

Bischof Ivo Muser erinnerte bei der ökumenischen Abendveranstaltung daran, wie Religion auch in Europa zu Kriegen geführt habe und forderte ein starkes und gemeinsames Engagement für den Frieden. Der diözesane Referent für Ökumene, Gioele Salvaterra, sagte, dass “wir mit dieser ökumenischen Initiative ein bewusstes und lautes Zeugnis gegen den ungerechten Krieg und für den gerechten Frieden geben wollen“.

Die Referentin Maria Stettner, Ökumene-Beauftragte der evangelischen Landeskirche von Bayern, war vor rund zwei Monaten bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe dabei und hat in ihren Ausführungen den Ökumenischen Rat als Friedensprojekt vorgestellt und aufgezeigt, wie sich das Gremium derzeit für den Frieden in der Ukraine einsetzt – nicht zuletzt durch Gespräche mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill.

Der Moraltheologe P. Martin M. Lintner hat als Voraussetzung für den Frieden die Gerechtigkeit genannt und einige Dynamiken analysiert, die die politische Stabilität gefährden und die Legitimierung von Gewalt begünstigen wie den Versuch, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und historische Entwicklungen umzudeuten, das gezielte Verbreiten von Fake News und ideologischen Narrativen oder das Untergraben des Vertrauens in demokratische Institutionen. P. Lintner ist auch auf die Rolle der Religion und die Verstrickung der russisch-orthodoxen Kirche mit der Politik eingegangen, wobei zwischen der Amtskirche, d.h. dem Patriarchen Kyrill, und der kirchlichen Basis zu unterscheiden sei.

Den katholischen und evangelischen Teilnehmern dieser ökumenischen Abendveranstaltung wurde deutlich, dass vor diesen Herausforderungen das Christsein ein erheblich höheres Maß an Engagement für die Werte des Friedens, der Freiheit und der Versöhnung erfordert als man dies im “sicherheitsverwöhnten” Europa der vergangenen Jahrzehnte gewohnt war.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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