Rechtsnationalist Dugin kritisiert russischen Kinderfilm scharf

Kritik von russischen Nationalisten an Erfolgskinderfilm

Freitag, 23. Januar 2026 | 13:48 Uhr

Von: APA/dpa

Ein neuer russischer Kinderfilm um eine noch aus Sowjetzeiten bekannte Trickfilmfigur wird an den Kinokassen zum Hit und gleichzeitig zur Zielscheibe scharfer Angriffe nationalkonservativer Kreise in Moskau. Seit drei Wochen führt der Spielfilm “Tscheburaschka 2” mit echten Schauspielern und der Animationsfigur die Kinocharts in Russland an. Nach Angaben des Portals “Kinobusiness” hat der Film seit seinem Start etwa 5,6 Milliarden Rubel (62 Millionen Euro) eingespielt.

Der Streifen ist damit auf dem Weg, seinen Vorgänger “Tscheburaschka 1” zu überholen und zum erfolgreichsten russischen Streifen aller Zeiten zu werden. Der Plot ist relativ einfach: Das Leben von Tscheburaschka und seinem Freund und Mentor Gena in Sotschi wird auf den Kopf gestellt, als ein gieriger Unternehmer ihnen das Haus für einen Vergnügungspark wegnehmen will. Tscheburaschkas Versuche, zu helfen, führen Chaos herbei – und auch noch zum Bruch zwischen ihm und Gena. Doch am Ende, nach einer Odyssee durch die Wildnis, wird alles gut und die beiden versöhnen sich wieder.

Der Film baut wie sein Vorgänger auf die emotionale Bindung vieler Russen zur Figur Tscheburaschka. Geschaffen wurde das pelzige Fabelwesen mit den großen Ohren 1966 vom bekannten Schriftsteller Eduard Uspenski. Seinen Siegeszug trat der aus einer Orangenkiste entspringende Tscheburaschka später in einer Reihe sowjetischer Trickfilme an, in denen er mit seiner Liebe zu Orangen, aber auch jeder Menge Witz und Güte die Herzen der Kinder eroberte.

Kritik von Nationalisten

Doch weder die neue Familienkomödie noch deren Hauptheld Tscheburaschka kommen bei allen Russen gut an. Einer der schärfsten Kritiker ist ausgerechnet der politisch einflussreiche rechtsnationalistische Ideologe Alexander Dugin. Der glühende Befürworter des Kriegs gegen die Ukraine, der als einer der Einflüsterer von Kremlchef Wladimir Putin gilt, bezeichnete Tscheburaschka schon vor längerem als “wurzellosen Kosmopoliten”. Das ist ein Kampfbegriff, mit dem zum Ende der Stalinzeit prowestlich eingestellte Intellektuelle – vor allem Juden – gegeißelt und verfolgt wurden.

In seinen neuesten Ausfällen sprach Dugin nun gar von einem Symbol des Teufels. “Tscheburaschka ist die konzentrierte Form des Schwachsinns, gegen den ich mein Leben lang gekämpft habe”, schrieb er kurz nach Kinostart auf seinem Telegramkanal.

Zuvor hatte er Tscheburaschka schon als Inbegriff von Geschäftemacherei und geistiger Zurückgebliebenheit kritisiert, was zum Zerfall der Sowjetunion geführt habe. Dugin gilt als Verfechter einer eurasischen Großmacht unter russischer Führung. Er hatte schon lange vor Kriegsbeginn die Zerstörung und Einverleibung der Ukraine gefordert. Seine Tochter Darja Dugina, ebenfalls eine Kriegspropagandistin, starb 2022 bei einem Autobombenanschlag.

Kritik kommt aus dem Parlament

Dabei ist Dugin inzwischen nicht mehr allein in seiner Kritik. Als in der vergangenen Woche das Kulturkomitee des russischen Parlaments tagte, artete die Diskussion über die staatliche Filmfinanzierung schnell zur Generalabrechnung mit angeblichen Vaterlandsverrätern in der Kinoindustrie und der Forderung nach schärferen Kontrollen für Filmschaffende aus.

Viele derjenigen, die es nicht geschafft hätten, in den Westen zu fliehen, produzierten nun Märchenfilme. Vor dem Krieg hätten sie nach dem Vorbild Andrej Swjaginzews (bekannter russischer Regisseur, der in Filmen wie “Lewiatan” und “Elena” soziale Probleme des Landes thematisierte) Filme gedreht, die Russland in den Schmutz zögen, behauptete der Abgeordnete Iwan Mussatin.

Scharfe Zensur gefordert

Auch Tscheburaschka bekam dabei sein Fett ab: Der Film “verdirbt unsere Kinder”, beklagte der Vizechef des Kulturausschusses Dmitri Pewzow. Der einst populäre Schauspieler sitzt seit einigen Jahren in der Staatsduma und hat zuletzt vor allem Schlagzeilen mit seinen ultrakonservativen Ansichten und Kriegspropaganda gemacht.

Im Film fehle eine klare Moral und Vorbildfigur, ätzte Pewzow, woraufhin eine weitere Abgeordnete eine noch schärfere Zensur forderte. Seit Jahren finanziert der russische Staat ohnehin bevorzugt Kriegsfilme oder solche, in denen der Hauptheld dem Moralkompass der konservativen Staatsführung entspricht.

Auch bei einer Duma-Sitzung zur Finanzierung von Kinder- und Trickfilmen kritisierten die Abgeordneten, dass diese insgesamt ihrer “Erziehungsfunktion” zu wenig nachkämen. So sollten etwa mehr Großfamilien porträtiert werden, damit die Vorgabe von Kremlchef Wladimir Putin nach einer höheren Geburtenrate verankert werde, forderte die kommunistische Abgeordnete Maria Prussakowa.

Kulturministerium tritt für Tscheburaschka ein

Vizekulturministerin Schanna Alexejewa gab bei der Veranstaltung die Richtlinien für die Filmfinanzierung bekannt. Russland solle als modernes Land zur Selbstverwirklichung gezeigt werden. Auch “Heldentum und die Aufopferung unserer Kämpfer” sollen in geförderten Filmen Platz finden.

Immerhin zeigte sich dann Alexejewa aber auch als eine Fürsprecherin Tscheburaschkas. Den Film hätten schließlich inzwischen fast zehn Millionen Russen gesehen; und wäre er nicht so interessant, wären sie wohl kaum ins Kino gegangen, meinte sie.

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