Gewalt gegen Frauen im Schauspiel „Das Schweigen der Stadt“

Wichtiges Thema auf der Bühne

Mittwoch, 15. Juli 2026 | 16:18 Uhr

Von: luk

Meran – Seit acht Jahren in Folge zeigen die Meraner Festspiele neue, spannende Uraufführungen, zu denen viele Theaterbesucher nach Meran kommen. Im vorigen Jahr ging es um das Geschichtsthema „500 Jahre Michael Gaismair“ – „500 Jahre Bauernkriege“ – „500 Jahre Täuferbewegung“. Heuer ist das Schauspiel „Das Schweigen der Stadt“ zu sehen, in dem es um Gewalt gegen Frauen geht. Konkret ist es der Missbrauch einer jungen Frau, die im Machtgefüge wirtschaftlicher und politischer Interessen unter die Räder kommt. Das Publikum kann sich wieder auf einen Theaterabend voller Spannung, Tiefgang und Humor freuen – mit großartigen Schauspielern. Inszeniert wurde das Stück von Torsten Schilling.

Wie die bisherigen Uraufführungen gezeigt haben, ist es vor allem ein Grundthema, das sich durch alle Stücke des Tiroler Dramatikers Luis Zagler zieht: das Thema der Ungerechtigkeit. Auch im aktuellen Stück „Das Schweigen der Stadt“ steht eine Frau im Mittelpunkt, der Unrecht getan wird. Dabei ist interessant, wie der Autor die Mechanismen dieses Unrechts im Laufe der Handlung langsam offenlegt, sodass der Zuschauer immer deutlicher erkennt, wie es zu diesem Unrecht kommt – und vor allem, wie es dazu kommt, dass keiner etwas dagegen unternimmt. Es sind sehenswerte Stücke, die zum Nachdenken anregen, gleichzeitig aber auch unterhalten und vor allem sehr spannend sind. Betroffen zeigt sich am Ende des Stückes nicht nur das Publikum, sondern auch die Schauspieler selbst, wenn sie merken, dass sie eigentlich alle etwas hätten unternehmen können, es aber aus verschiedenen Gründen nicht taten.

Dass die Meraner Festspiele sich zum Ziel gesetzt haben, solche Schauspiele auf die Bühne zu bringen, ist lobenswert und verdient Unterstützung. Denn während bei anderen Freilichtbühnen kommerzielle Klassiker gezeigt werden, bringen die Meraner Festspiele neue dramatische Literatur, die wahrscheinlich nie geschrieben würde, wenn es die „Initiative für Ur- und Erstaufführungen“ der Meraner Festspiele nicht gäbe. Hervorzuheben ist, dass immer mehr Menschen im Land darauf aufmerksam werden und sich diese neuen Stücke anschauen. Viele lassen sich bereits keine dieser Uraufführungen entgehen. Ob aus dem Pustertal, aus Sterzing, dem Unterland oder dem Vinschgau, aus dem Ultental und aus Gröden oder sogar aus Nord- und Osttirol – von überall her kommen Besucher, um die Uraufführungen der Meraner Festspiele zu sehen. Viele von ihnen sind Frauen, die teils ohne ihre Männer den Weg auf sich nehmen, um sich die Aufführung anzuschauen.

Das ist auch dieses Jahr so, in dem eine Geschichte gezeigt wird, die vielen besonders ans Herz geht. Mariel, eine junge Hotelangestellte, wird vom Sohn des Chefkochs missbraucht, der nicht entlassen werden kann, weil die Umstände es nicht zulassen – sei es wegen des großen Festes, das ansteht, oder weil man Angst um seinen Arbeitsplatz hat. Es hat jeder seine Gründe. Wer auf der Strecke bleibt, ist Mariel, die bis zum Schluss auf sich allein gestellt ist und daran auch zerbricht. Das Schauspiel zeigt, wie Schweigen dazu führen kann, dass Menschen Unrecht getan wird. Es wäre jedoch falsch, das Stück auf diesen einen Handlungsstrang zu reduzieren. Denn daneben geht es um viele weitere Aspekte unserer Gesellschaft – angefangen bei der Sensationslust der Medien bis hin zum Umgang mit heimischen Produkten, die oft zwar gut vermarktet, aber nicht überall serviert werden.

Meraner Festspiele/ Stephan Pircher

Dass solche Themen in einer Freilichtaufführung auf die Bühne kommen, ist ungewöhnlich. Doch genau darin liegt die Bedeutung der Meraner Festspiele. Regisseur Torsten Schilling hat mit seiner Inszenierung viel dazu beigetragen, dass diese Uraufführung nicht nur Tiefgang, sondern auch Witz und Leichtigkeit bekommen hat. Das erfreut das Publikum dieses Jahr besonders. Die Meraner Festspiele zeigen „Das Schweigen der Stadt“ noch an fünf weiteren Aufführungsterminen.

Gespielt wird noch bis zum 21. Juli 2026. Die Aufführungen finden auf dem Festspielareal oberhalb der Gärten von Schloss Trauttmansdorff statt. Besucher parken gratis auf den oberen Parkplätzen der Gärten von Trauttmansdorff. Jeder Theaterabend beginnt mit einem gemütlichen Zusammensein der Besucher bei kleinen Südtiroler Gerichten und Getränken, direkt neben der bekannten Hochzeitskirche St. Valentin. Einlass: 19.00 Uhr. Beginn der Aufführung: 21.00 Uhr. Karten gibt es online unter www.meranerfestspiele.com, telefonisch unter der Ticket-Hotline 0473 428 388 oder per E-Mail an info@meranerfestspiele.com.

Die Meraner Festspiele stehen unter der Schirmherrschaft der Europaregion Tirol und der Schirmherrschaft des Landes Südtirol, der Stadtgemeinde Meran sowie dem Bezirk Burggrafenamt.

Aufführungstermine

Mittwoch,       15. Juli 2026

Freitag,           17. Juli 2026

Samstag,         18. Juli 2026

Montag,          20. Juli.2026

Dienstag,         21. Juli.2026

Bezirk: Burggrafenamt

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