Von: APA/dpa
Am Freitag wird in Berlin der Deutsche Filmpreis verliehen – und die Prognose, wer heuer die Goldene Lola gewinnen wird, scheint offen wie lange nicht. Gleich mehrere Werke werden diesmal als Topfavoriten gehandelt. Entsprechend werden im Palais am Funkturm wieder zahlreiche Stars erwartet, darunter etwa auch Senta Berger, die sich Chancen auf die Ehrung als beste Darstellerin machen kann. Moderiert wird die Gala von Schauspieler Christian Friedel (“The Zone of Interest”).
“Es sind sehr starke, sehr gelungene Filme”, sagt Regisseur Florian Gallenberger, der die Deutsche Filmakademie gemeinsam mit Schauspielerin Vicky Krieps leitet. Ähnlich wie bei den Oscars in den USA stimmen die rund 2.400 Mitglieder der Akademie über die Preisträgerinnen und Preisträger ab. Die meisten Nominierungen hat das Drama “In die Sonne schauen” von Regisseurin Mascha Schilinski. Der deutsche Vorschlag für den Auslandsoscar ist elfmal vorgeschlagen.
Eine Auszeichnung für Senta Berger?
Auf neun Nominierungen kommt das Politdrama “Gelbe Briefe” von İlker Çatak, das den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Sieben Mal nominiert ist die Buchverfilmung “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke” von Simon Verhoeven. Dessen Mutter Senta Berger könnte für ihre Rolle im Film die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin gewinnen. Auch ihr Kollege Bruno Alexander hat gute Chancen auf eine Lola.
Das Drama “Das Verschwinden des Josef Mengele” des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow, der im Exil lebt, kommt auch auf sieben Nominierungen. Es ist ein harter und schockierender Film mit August Diehl als NS-Arzt, den man nicht unterschätzen sollte. Und noch zwei weitere Titel konkurrieren um die Goldene Lola für den besten Spielfilm: das Drama “Amrum” von Fatih Akin und die Literaturverfilmung “22 Bahnen” von Mia Maariel Meyer.
Im Rennen sind also sehr unterschiedliche Filme, die auf ihre eigene Art stark sind. “Wenn man in manchen Jahren manchmal denkt: “Ich habe ein recht gutes Gefühl, welcher Film abräumen wird” – das ist diesmal überhaupt nicht so”, so Gallenberger im dpa-Gespräch.
Weimer trifft auf die Filmbranche
Noch nicht wissen, was der Abend bringt – das gilt auch noch in anderer Hinsicht: Der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wird erstmals seit dem Streit um die Berlinale auf die deutsche Filmbranche treffen.
Weimer hatte in den vergangenen Monaten Kritik auf sich gezogen, unter anderem, weil er drei linke Buchläden wegen “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse” vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hatte. Was gegen die Buchhandlungen vorliegt, ist nicht bekannt. Bei einem Auftritt auf der Leipziger Buchmesse wurde er ausgebuht.
In der Filmbranche hatte sich im Februar Protest formiert, nachdem die “Bild”-Zeitung berichtet hatte, nach einem propalästinensischen Auftritt bei der Berlinale solle Festivalchefin Tricia Tuttle abberufen werden. Weimer ließ die Berichte tagelang unwidersprochen. Schließlich blieb sie im Amt. In der Filmbranche hatten sich viele mit ihr solidarisiert.
Gemeinsam mit Krieps und Gallenberger soll Weimer die drei Hauptpreise verleihen. “Und wenn die Leute ihn dann ausbuhen, dann müssen wir und er da durch. Ich würde mir nur wünschen, dass es nicht den wirklichen Kern des Abends überlagert”, sagt Gallenberger. “Es soll an dem Abend um die Leute gehen, die großartige Filme gemacht und großartige Leistungen vollbracht haben.”
(S E R V I C E – www.deutscher-filmpreis.de/ )




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